Spiel mit mir!
   
  Bochumer Uni-Zwerge
 
 

Mit seinen drei Jahren trippelt Tim-Lucas schon täglich allein über die Brücke Richtung RUB. Da macht es sich Gerardo mit seinen sechs Monaten noch bequem und lässt sich geruhsam im Kinderwagen dorthin kutschieren. Angekommen, aalen sich die beiden erst einmal auf einer weichen Matratze, Gerardo mit beiden Beinen nach oben, Tim-Lucas mit scharfem Blick auf die warmen Arme von Lisas Mama. Kein gewöhnlicher Krabbelort - Tim-Lucas und seine Freunde spielen, essen und schlafen in der Universität.
Doch keine falschen Gedanken: Trotz des freundlichen Kinderzimmergelbs ist dies kein liberaler Versuch zur Frühförderung Hochbegabter - schließlich machen die Kleinen fast alles, was und wann sie wollen und mit wem sie es wollen. "Seitdem meine Lisa bei den Uni-Zwergen ist, kann ich in Ruhe weiter studieren", sagt erleichtert die Mathematikerin Sabine Skaberna (30). "Zudem ist die Betreuung für mich preiswerter als eine Tagesmutter, und Lisa spielt nicht mehr alleine", fügt sie zu.
Lisa hat sich schon daran gewöhnt, dass die Mama zwischenzeitlich für ein Seminar oder eine Vorlesung in die naheliegenden Gebäude verschwindet. Dann geht sie einfach "zum Klaus", dem Uni-Zwerg-Papa, der ansonsten bei den Mineralogen das Geld für die Windeln verdient.
Bevor es die Bochumer Uni-Zwerge gab, hatten Studierende keine große Wahl: Entweder sie brachen das Studium ab oder sie gaben das Kind weg - zu Oma, Tagesmutter oder einer Kitag wie der vom AkaFö. Allen Unimüttern war gemeinsam, ständig zwischen Seminar, Arbeitsstelle und Kind hin und her zu hetzen. Im September 99 kam endlich die lang ersehnte Abhilfe: Seitdem können alle Hochschulmitglieder täglich ihre Kinder zwischen 8 und 17 Uhr im Raum neben der GA-Cafeteria (GA 02/130) abgeben. Und das ganz flexibel: Im Unterschied zu anderen Kindergärten oder Kitags, kommen Bochums Uni-Zwerge auch stundenweise und nicht unbedingt jeden Tag.
Solche Idee - die bislang an den Revierunis noch einmalig ist - ist Gold wert und fand, wie an der Dortmunder FH, auch schon Nachahmer/innen - aber die stecken erst noch in den Kinderschuhen. Im Gegensatz zu den Zwergen der RUB. Deren Wert erkannte jüngst das Arbeitsamt Bochum und genehmigte eine ABM-Kraft, die seit 17.4. zunächst für ein Jahr das Team der Erzieher/innen verstärkt und täglich von 8-16 Uhr erreichbar ist.
Statt Gold gewannen die Ideenstifter/innen der Uni-Zwerge übrigens vor zwei Jahren den Lore-Agnes-Preis des Rektorats der RUB. Doch vieles musste vom Preisgeld angeschafft werden: Wandfarbe, Möbel, Teppiche, Kinderspielzeug und die vielen grünen mit Namenzetteln versehenen Curver-Boxen, in denen gut organisiert das Wichtigste der Kleinen verstaut ist wie Schmusedecke, etwas Wechselwäsche, Infos über Schlaf- und Essgewohnheiten.
Einige der Uni-Zwerge sind mittlerweile älter geworden und haben Platz für neuen Krabbelnachwuchs gemacht. Der Nachwuchs lässt momentan auf sich warten und damit schwinden wichtige Einnahmen von Vereinsmitgliedern. Uni-Zwerg-Förder/in kann man jedoch auch sein, ohne eigene Kinder im Hort zu haben. Eine der sechs Vorsitzenden, Dr. Tagrid Yousef, macht es selbst vor: Tochter Samira ist mittlerweile ein zu großer Zwerg. Yousef erklärt: "Für uns sind Fördermitglieder - auch im Vorstand - wichtig. Derzeit sind fast alle Statusgruppen der Uni vertreten, außer die der Professor/innen. Haben die etwa keine Kinder oder Enkelkinder?"
Damit die Unikleinsten im Frühling auch draußen nach Herzenslust spielen können, hat Regierungsbaudirektor Johannes Schevel (Dezernat 5, Technische Betriebe) grünes Licht gegeben: In Kürze verfügen die Uni-Zwerge auch über einen attraktiven Kinderspielplatz vor der Haustür. Natürlich nur für Tim-Lucas und seine vielen kleinen Freunde! tas

Kontakt: Tel. 0234/32-22044, E-Mail uni-zwerge@ruhr-uni-bochum.de; Fördermitgliedschaft: pro Semester DM 30; Sparkasse Bochum, Konto 334 069 01, BLZ 430 500 01; Spenden, u.a. für den Spielplatz, sind natürlich auch willkommen

   
   
   
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01.05.2000