| Infos, Provokation, Kritik | |
| Campuszeitung 2313 | |
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| Vier knallrote Zahlen, wie ein Sägeblatt angeordnet, auf
weißen Grund: So stachelig liegt allwöchentlich die "2313 - Unabhängige
Zeitung an der RUB" auf den Tischen der Mensa. Als Leser/innen habe sie
keine feste Zielgruppe im Auge, "aber", so Charlotte Ullrich vom Redaktionskollektiv
angesichts der zahlreichen E-Mails selbstbewusst, "wir sind die am meisten
diskutierte Unizeitung." Immerhin brachte die redaktionelle Millenniumsnachricht
über das Absturzprojekt "Chipkarte" schon einige Verwaltungsmitarbeiter
zum Schwitzen. "Stimmt, es ist nicht wahr, dass der elektronische Studierendenausweis
nicht fit fürs Jahr 2000 sei", räumt Ullrich unumwunden ein. Und lächelnd:
"Das war unser Silvesterscherz." Ein bisschen provo-kratzbürstig, ein bisschen als Anarcho-Spaßredaktion geben sich die Macher/innen der RUB-Campuszeitung nach knapp 30 Ausgaben. Sechs Semester beträgt die durchschnittliche Unierfahrung der Jungredakteur/innen, der eine länger, die andere etwas kürzer, und sechs Leute sind es auch ungefähr, die 2313 produzieren. Dienstags wird geplant, sonntags direkt in die Tasten gehauen. Damit für Ideenreichtum genügend Power vorhanden ist, hat der Kollege in den stadtnahen Redaktionsräumen einkaufsmäßig schon vorgesorgt. So viel strategische Arbeitsplanung überrascht, denn ihre Themen geben sich die Macher/innen selbstbestimmt und spontan. "Hierarchien lehnen wir ab", so Hans Martin Krämer, der vom Konkurrenzblatt BSZ dazu stieß und wie die Kollegen seine Arbeit nicht als Einstieg in den Journalismus versteht. Charlotte Ullrich: "Bei uns geht es nicht um Journalismus, sondern um Politik und vor allem um Hochschulpolitik". "Wir widmeten uns auch zwei Hefte lang dem Jugoslawienkrieg", ergänzt Thomas Friedrichsmeier und hofft, dass die politischen Themen "als kritische Gegenöffentlichkeit auf dem Unicampus" ankommen. Zwar will sich die Redaktion, wie sie sagt, selbst von politischen Listen fern halten, aber einzelne Redaktionsmitglieder kandidierten bei der Linken Liste (Lili), Ullrich und Krämer hatten 1998 gemeinsam den AStA-Vorsitz inne (RUBENS 39). Die Verbindung zu Lili hätte beinahe sogar dazu geführt, der Zeitung den dadaistisch anmutenden Kampfruf "Lililala" zu geben. Stattdessen besann man sich der alten Telefonnummer 2313 des Referats für Grund- und Freiheitsrechte - das, wegrationalisiert durch den AStA von 1999, beim Anruf nur ein verwaistes "z.Zt. nicht erreichbar" auf dem Display meldet. Wie bei vielen politischen Projekten ist auch bei 2313 die Selbstausbeutung hoch und die Arbeit unentgeltlich. Druckkosten und Vertrieb per Hauspost werden von den herausgebenden Fachschaften übernommen, Papier und Versandetiketten aus der Privatschatulle bestritten. Dass die wenn auch zeitintensive Arbeit Spaß macht, ist den Jungredakteur/innen sichtlich anzumerken. Die schönste Ausgabe: "Das war die Erste von April 1999", findet Hans Martin Krämer, die noch in einer alten Hustadt-WG entstand. Thilo Ernst widerspricht, tippt auf die Vierte. Charlotte Ullrich kompromissbereit: "Wir können uns auf das schönste Titelbild mit den Sterntalern zum EU-Gipfel einigen. Oder war's das zum Thema ‚Liebe macht blind'?" tas |
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| 01.04.2000 |