Markstraße heißt jetzt Eurostraße
   
  Studentin bewirkt umstrittene Umbenennung
 
  "Die neue Währung kann nur so gut sein, wie sie auch in den Köpfen der Menschen verankert ist", lamentierte kürzlich die Europäische Zentralbank angesichts der anhaltenden Kursschwäche des Euro. "Solange es den Euro gar nicht gibt, kann er nicht ankern", philosophiert Francoise Legrand. Die Französin studiert an der RUB Germanistik und Geschichte und wohnt in einem Studentenwohnheim an der Bochumer Markstraße. Die Studentin hatte eine nahe liegende Idee, den Euro ins Bewusstsein zumindest der hiesigen Bürger/innen zu bringen: Dank ihrer Initiative wird die Markstraße am 1.4.2000 in "Eurostraße" umbenannt. Das stößt freilich nicht überall auf Verständnis.
"Markstraße - was für ein Name", wundert sich Francoise Legrand, "die D-Mark! Sinnbild für alles Deutsche: stark, zuverlässig, ordentlich. Die Deutschen haben sich damit so sehr identifiziert. Sie wird trotzdem abgeschafft. Noch will es niemand wahrhaben. Auch nicht, dass wir in einem vereinten Europa leben. Ich denke, die Leute müssen sehen, damit sie glauben. Deshalb habe ich mich dafür eingesetzt, dass aus Markstraße Eurostraße wird. Einen Straßennamen sieht jeder!" Die 24-jährige, die ihren zunächst einjährigen Aufenthalt an der RUB gerade verlängert hat, nennt einen weiteren Grund für ihre Initiative. Immerhin leben in den Wohnheimen an der Markstraße Hunderte von ausländischen Studierenden. Ihnen werden Integration in und Identifikation mit Bochum dank des neuen Straßennamens leichter fallen, meint die umtriebige Französin. Allerdings: Ein Großteil der ausländischen Studierenden gehört keinem EU-Staat an. "Niemand will mein Land in der EU haben. Und dann soll ich ausgerechnet in der Eurostraße wohnen?! Das ist eine Zumutung", schimpft der Türke Osman Ucarat.
Legrand lässt derlei Einwände nicht gelten: "Natürlich wird auch die Türkei zur EU gehören, wie alle europäischen Länder. Nur eine Frage der Zeit." Ebenso wenig beeindruckt sie der Umstand, dass das Wort "Mark" in Markstraße nichts mit der Währung zu tun hat, sondern eine territoriale Bezeichnung ist. "Nebensache", winkt sie ab. Das meint auch Siegfried Kraut, parteiloses Mitglied im Bochumer Rat. An ihn wurde die Französin verwiesen, als sie vor einem halben Jahr bei der Stadt Bochum mit ihrer Idee vorstellig wurde. Kraut sitzt dem Ausschuss für Straßenwesen vor und setzte dort den neuen Namen durch.
Verlief bei bisherigen Umbenennungen von Bochumer Straßen das Auswechseln der Schilder völlig reibungslos, muss sich die Stadt diesmal auf Gegenwehr einstellen. Am westlichen Ende der Markstraße, in Weitmar Mark, mag man sich mit dem neuen Straßennamen nicht recht anfreunden. Hier leben zwar keine ausländischen Studierenden wie im Steinkuhler Abschnitt, die Opposition ist gleichwohl international. An ihrer Spitze steht Italo Farfalo, der seit 30 Jahren ein italienisches Spezialitätenrestaurant an der Markstraße betreibt. Er fürchtet ob der neuen Adresse Umsatzeinbußen und hat die Bürgerinitiative "Wir sind die Mark" ins Leben gerufen, der ca.1.000 Menschen angehören. Sie will um den Erhalt des alten Namens kämpfen.
Dafür hat Francoise Legrand kein Verständnis. Sie bezeichnet die Gegner des neuen Namens als "von Gestern". Die angehende Lehrerin schaut nur nach vorn und plant weitere Schritte für Europa. So soll in ihrer Heimatstadt Poitiers die Rue de Paris demnächst der Rue de Maastricht weichen. ad
   
   
   
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01.04.2000