| Islamischer Religionsunterricht | |
| Fachtagung an der RUB | |
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| Auf rege bundesweite Resonanz stieß die interdisziplinäre
Fachtagung "Islamischer Religionsunterricht: Perspektiven der Pädagogik
und Islamwissenschaft", die im Februar an der RUB stattfand. Gemeinsame
Ausrichter waren das Institut für Pädagogik (Prof. Christel Adick, Vergleichende
Erziehungswissenschaft) und das Seminar für Orientalistik und Indologie
(Prof. Stefan Reichmuth, Islamwissenschaft). Besondere Aktualität gewann die Thematik durch die öffentliche Diskussion in verschiedenen Bundesländern und durch die unmittelbar bevorstehende Gerichtsentscheidung in Berlin, die die Anerkennung einer islamischen Vereinigung als Trägerin von islamischem Religionsunterricht bestätigte. Lehrende unterschiedlicher Hochschulen, Beamte der Schulverwaltung, Vertreter/innen und Angehörige islamischer Vereinigungen und Verbände sowie der Kirchen, Journalisten und Studierende unterschiedlicher Fächer beteiligten sich am kritischen und konstruktiven Gespräch. Referenten waren neben den Ausrichtern der Pädagoge Dr. Hasan Alacacioglu (Uni Münster), der Schulrechtsexperte Prof. Hans-Peter Füssel (Uni Bremen), der Islamwissenschaftler Dr. Franz Kogelmann (Uni Bayreuth) und der für die islamischen Curricula und für den derzeit laufenden Unterrichtsversuch zuständige Referatsleiter Dr. Klaus Gebauer (Landesinstitut Soest). Während sich die bisherige Diskussion um den islamischen Religionsunterricht in Deutschland weitgehend auf Fragen der rechtlichen und politischen Stellung des Islam konzentriert hatte, ging es bei dieser Tagung um die akademischen Perspektiven zu Unterricht und Lehrerbildung: Wie soll eine zeitgemäße islamische Religionspädagogik aussehen? Wie kann die Ausbildung von Lehrern für den islamischen Unterricht organisiert und gestaltet werden? Von welchen Traditionen und Strömungen wird die religiöse Bildung innerhalb der islamischen Gemeinschaften in Deutschland gegenwärtig bestimmt? Was bedeutet der islamische Unterricht für Sozialisierung und Identität der Muslime? Weitgehende Einmütigkeit herrschte zwischen Referenten und muslimischen Teilnehmer/innen hinsichtlich der starken Reformbedürftigkeit des derzeitigen religiösen Unterrichts, wie er von den islamischen Vereinigungen organisiert wird. Der Bedarf an schulischem islamischem Religionsunterricht und an der Ausbildung von geeigneten Religionslehrern ist mittlerweile in seiner Dringlichkeit allgemein anerkannt. Die verfassungsrechtlichen Grundlagen für die Erteilung eines Religionsunterrichtes als "ordentlichem Lehrfach" sind auch für den Islam eindeutig. Deutlich wurde in der Diskussion das starke Interesse vieler in Deutschland lebender Muslime an einer zeitgemäßen Religionspädagogik und an einem Religionsunterricht in deutscher Sprache, der nicht wie bisher innerhalb des muttersprachlichen Ergänzungsunterrichtes, sondern als selbständiges Schulfach unabhängig von den Herkunftsländern organisiert und erteilt wird. Das starke kulturwissenschaftliche Interesse muslimischer Studentinnen und Studenten - gerade an der RUB - lässt dabei an eine Kooperation von Orientalistik und Pädagogik bei der Ausbildung islamischer Religionslehrer/innen denken. Stefan Reichmuth |
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| 01.04.2000 |