Notizen einer Reise
   
  RUB-Delegation in China
 
 

Südlich das Yangtse wird nicht geheizt. Das weiß jeder Chinareisende. Wer es nicht weiß, lernt es sehr bald. Shanghai, im Frühjahr und Sommer berüchtigt für schwüles, heißes Wetter, ist im Winter feucht und kalt. Dies gilt aber nicht für das Klima der Begegnungen an der Tongji-Universität, die in der RUB ihre älteste Partneruni hat. So war denn auch die Chinareise der Bochumer Delegation - Rektor Petzina, Kanzler Möller, Altrektor Maßberg und die Leiterin des Akademischen Auslandsamtes, Monika Sprung - Ende Februar reich an positiven Eindrücken.
Verschiedene Themen waren im Gepäck: Das Chinesisch-Deutsche Hochschulkolleg (CDHK), ein einmaliges Kooperationsprojekt an der Tongji-Universität, die Restauration des Chinesischen Gartens an der RUB, der Studierendenaustausch mit der Tongji-Universität, Vorbereitung der Chinareise von Unichor und Orchester im Juni 2000. Die zweite Station der Reise war Peking, wo Prof. Detlef. K. Müller (Institut für Pädagogik der Ruhr-Uni), mit der Eliteuni Beijing University eine Kooperation im Rahmen seines Studienganges European Culture & Economy (ECUE) verabreden konnte.
Allein der Wechsel in der Stadtlandschaft zwischen Europa und China ist gewaltig. Solche Stein- und Betonwüsten, manifester Fortschrittsglaube, als Investition in die Zukunft schon heute gebaut - man hätte Mühe, solche Städte in Europa zu finden. Shanghai, die größte Stadt Chinas, hat insgesamt 18 Mio. Einwohner, und um dem drohenden Verkehrskollaps zu entgehen, wurden neue Stadtautobahnen gebaut und mangels Platz auf Betonständer gestellt. So fährt man nun manchmal mehr als doppelstöckig, dicht vorbei an Wohnhäusern, deren Bewohner es sich sicher nicht hätten träumen lassen, dass ihnen noch in der 3. Etage der Verkehr direkt vor der Nase her braust.
Shanghai kennt den Spagat zwischen Tradition und Moderne - sichtbar insbesondere in der Architektur. In der Altstadt findet man noch die Gebäude im alten chinesischen Stil mit den gebogenen Dächern, traditionelle Teehäuser und in der Nähe den wunderschönen Yu-Garten. Im neuen Viertel Pudong dann das Kontrastprogramm: die kalte Ästhetik modernster Büro- und Hotelhochhäuser, alle zwei Jahre ein neues "höchstes Gebäude". Der Unicampus wirkt daneben wie eine Oase der Ruhe. Der Wissensdurstige geht durch ein Tor auf den Campus und lässt die Stadt hinter sich. Chinesische Studierende leben übrigens - zumindest als undergraduates - in Wohnheimen auf dem Campus.
Die Zahl der zugelassenen Studierenden richtet sich nach der Zahl der Wohnheimplätze. Die allerdings lässt sich ein wenig strecken, wenn man bis zu sechs oder acht Personen in einem kleinen Zimmer unterbringt. Je höher die Semesterzahl bzw. der Status des Studierenden, desto geringer die Personendichte auf dem Zimmer.
Das CDHK an der Tongji-Universität bietet Masterstudiengänge in den Fächern Maschinenbau, Elektrotechnik und Wirtschaftswissenschaft an. RUB-Altrektor Wolfgang Maßberg ist Gründungsdekan und als Mitglied der Wissenschaftlichen Kommission zuständig fürs Curriculum. Mit den ersten Absolventen kann schon in diesem Jahr gerechnet werden.
Bei der jährlich stattfindenden Beiratssitzung, an der diesmal auch Rektor Prof. Petzina teilnahm, haben Vertreter von Wissenschaft und Wirtschaft, die dem CDHK zunächst für die Dauer von fünf Jahren mit Stiftungslehrstühlen auf die Beine geholfen haben, praktische und strategische Probleme diskutiert, darunter die räumliche Unterbringung an der Tongji-Universität sowie die Promotionsberechtigung an deutschen Hochschulen mit einem Abschluss des CDHK.
Die Partnerschaft mit der Tongji-Universität, die in der Vergangenheit hauptsächlich den Austausch von Nachwuchswissenschaftlern vorgesehen hat, soll nun auch eine Komponente Studierendenaustausch enthalten.
Es gibt an der Tongji neben dem Auslandsamt ein Institut für internationalen Kulturaustausch, das für die Betreuung von internationalen Gaststudierenden zuständig ist. Die internationalen Studierenden sind übrigens in einem eigenen Wohnheim, ebenfalls auf dem Campus untergebracht - in der Regel zwei Personen pro Zimmer.
Für den maroden Chinesischen Garten der RUB ist Rettung in Sicht. Im Mai wird Architekt ZHANG Zhenshan, der damals den Garten entworfen hat, nach Bochum kommen und vor Ort die Schäden begutachten. Im Sommer wird er mit chinesischen Handwerkern zurückkommen, die den Chinesischen Garten sanieren, bevor ein weiterer Winter die Bausubstanz noch stärker schädigt. In Kürze wird sich ein Freundeskreis gründen, der mithelfen wird, das öffentliche Interesse am Chinesischen Garten der RUB zu stärken und über kulturelle Veranstaltungen Spenden einzuwerben.
Nach nur zwei Stunden Flugzeit erreicht man Peking. Der Campus der Beijing University liegt im Norden der Stadt - wunderschön mit seinen Gebäuden im alten chinesischen Stil, eingebettet in eine leicht hügelige Parklandschaft. Die Beijing University, insbesondere das "Center for European Studies" und die Germanistische Fakultät, hat Interesse an einer Zusammenarbeit mit der RUB, zunächst einmal im Rahmen des ECUE-Masterprogramms. Schon jetzt nehmen chinesische Studierende aus beiden Bereichen, auf Initiative von Prof. Müller, der sich zurzeit zu einer mehrwöchigen Gastprofessur in Peking aufhält, aktiv am Bochumer Studiengang teil. Über eine Formalisierung dieser Kooperationsbeziehung sowie eine stärkere Gegenseitigkeit wurde mit dem Vizerektor der Beijing University ausführlich diskutiert. Monika Sprung

   
   
   
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01.04.2000