Geisteswissenschaftler gesucht
   
  Workshop "Die Stunde der Generalisten"
 
  Geisteswissenschaftler ermutigen und ihnen ihre eigenen Fähigkeiten bewusst machen, das waren die Ziele des Workshops "Die Stunde der Generalisten - Geisteswissenschaftler in die neuen Medien", den Prof. Franz Lebsanft (Romanisches Seminar) Mitte Februar zusammen mit dem Kölner arcum Verlag organisierte. Denn bei allen Unkenrufen über die schlechte Situation auf dem Arbeitsmarkt gibt es dennoch Wachstumsbranchen, in denen Geisteswissenschaftler gern gesehen sind - etwa die "neuen Medien".
Ganz schön voll war es, obwohl eigentlich Wochenende, bei Beginn der Veranstaltung, die schon Wochen vorher ausgebucht war - ein Zeichen dafür, dass sich viele fertige und fast fertige Magister- und Lehramtsstudierende der geisteswissenschaftlichen Fächer Sorgen um ihre berufliche Zukunft machen. Sie alle stehen vor der Frage, was sie nun überhaupt an der Uni gelernt haben und was sie davon für den Beruf verwenden und daher auch in Bewerbungen nennen können.
Dieser Frage begegnete der Workshop als Erstes: Gemeinsam mit fünf ehemaligen Bochumer Studierenden, die jetzt bei arcum beschäftigt sind, wurde der schwammige Begriff "Schlüsselqualifikationen" mit Sinn gefüllt. Fleiß, Pünktlichkeit und Verantwortungsbewusstsein sind dabei ebenso wichtig wie Flexibilität, Selbstsicherheit und Teamfähigkeit - Fähigkeiten, ohne die man es auch an der Uni schwer hätte. Die erste große Erleichterung: Man kann und muss nicht alles können. Hauptsache man ist bereit, sich auf neues einzulassen und zu lernen.
Dann berichteten die Verlagsmitarbeiter über ihre Projekte und machten die Teilnehmer mit dem Modebegriff "neue Medien" vertraut. Fazit: Wer offen ist und lernwillig, der hat als Geisteswissenschaftler den Trumpf in der Hand - der neue Medienzweig Internet bietet gute Beschäftigungschancen. arcum etwa stellt Internet-Adressbücher her, in denen die jeweils besten Adressen zu einer Sparte gesammelt und kurz beschrieben sind. Auch Portale für Internet-Kaufhäuser stehen auf ihrem Programm.
Die Kasse klingelt, die Köpfe rauchen, und es werden noch viel mehr Köpfe gebraucht. Gegen Ende der Veranstaltung musste Prof. Lebsanft sogar einschreiten, um zu verhindern, dass das ganze in einen großen Rekrutierungsnachmittag ausartete - schließlich sollen die Studierenden zwar Mut schöpfen und ihr Licht nicht unter den Scheffel stellen, aber gleich ihr Studium für eine Existenz als freier Texter vernachlässigen sollen sie trotzdem nicht. Dennoch: Gut zu wissen, dass man gar nicht so demütig zu sein braucht - dem Studium folgt nicht zwangsläufig die Taxifahrerkarriere ... md
   
   
   
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01.04.2000