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Erfreulich schnell bildete sich diesmal der neue AStA. Anfang Februar
wurde mit den Stimmen der Linken Liste - Lili (7 Sitze), Fachschaftsinitiative
- FSI (7) und Alternativen Liste - AL (4) die Jurastudentin Mary Aptidou
(23 Jahre; Lili) zur Vorsitzenden gewählt, Heiko Jansen (25; AL) zum Stellvertreter.
Der neue AStA wirbt um Vertrauen - angesichts des Desasters vom Vorjahr
kein einfaches Unterfangen. Da hatte sich die Koalition von TuWas und
FSI solange gegenseitig auf die Füße getreten, bis die FSI das Handtuch
warf. Ergebnis der Querelen: eine Wahlbeteiligung von 10 %. Das scheint
nun vergessen. Der neue AStA will aktiv sein und hat schon Entscheidungen
getroffen, z. B. zu BSZ oder Kulturcafé.
RUBENS: Der RCDS gewann im Dezember
die SP-Wahlen und wurde mit 9 Sitzen stärkste Liste. TuWas landete mit
8 Sitzen auf Platz 2. Jetzt bilden die 3 Listen mit den wenigsten Sitzen
den AStA. Wieso habt ihr die Entscheidung der Studierenden nicht akzeptiert?
Aptidou: Das kann man so nicht sagen. Der RCDS war keine Alternative
für uns. Er konnte gewinnen, weil die Wahlbeteiligung so gering war. Der
RCDS hat keine neuen Sitze dazu gewonnen. Er hält seinen Stimmenanteil
seit 5 Jahren. Auch TuWas war keine Alternative. Wegen der schlechten
Erfahrung im letzten Jahr konnten wir uns nicht vorstellen, gemeinsam
zu arbeiten. Ich denke, dass ich den Großteil der
Studierenden vertrete.
Jansen: Der RCDS ist die einzige konservative Liste an der RUB.
Dagegen gibt es bei den Linken die AL, die Lili, auch TuWas verkauft sich
als links. Zählen wir das zusammen, ist klar, dass der Großteil an der
Uni links wählt.
Aptidou: Die Wählerwünsche und das, was die Unis vom AStA verlangen,
gehen in Richtung Service. Mittlerweile müssen wir zittern, im AStA linke
Gruppierungen oder linke Politik durchzusetzen. Immer mehr konservative
Gruppen wie der RCDS erstarken, oder Initiativen wie die FSI, die nicht
als Liste auftreten und Studis und Fachbereichen bestimmte Änderungen
versprechen. Die Tendenz geht nach rechts, auch an der RUB.
RUBENS: Was macht ihr falsch?
Aptidou: Die Studierenden sind nicht mehr politisch interessiert.
Sie konzentrieren sich mehr auf ihr Studium, als sich an der Uni zu organisieren
und sich für gesellschaftliche Themen zu interessieren.
RUBENS: So viel über Andere. Jetzt
zu euch. Das Frauenarchiv "Leihse" fordert in einem offenen Brief ein
verbindliches Konzept, in dem haarklein steht, wie ihr die finanziellen
Altlasten begleichen wollt. Auch eine bessere Infopolitik wird verlangt.
Zudem beklagen die Frauen, für Januar und Februar weder Sachmittelzuwendungen
noch Honorargelder erhalten zu haben.
Aptidou: Was in dem Brief kritisiert wird, wollen wir ändern.
Leider haben unsere Vorgänger Finanzdinge ohne Rücksprache geändert. Am
Anfang des Jahres setzten sie einen unrealistischen Haushalt fest. Dann
war kein Geld mehr da - auch wenn der Etat noch nicht ausgeschöpft war
- und sie sagten es nicht den Betroffenen. Wir möchten persönlichen Kontakt
zu Gruppierungen wie Leihse haben. Das Frauenarchiv ist sinnvoll und wichtig.
RUBENS: Was wollt ihr in Zukunft anders
machen?
Aptidou: Unser Ansatz ist realistisch und berücksichtigt die Altlasten.
Wir verteilen Kürzungen auf alle Initiativen.
So verhindern wir, nach 9 Monaten zu den Betroffenen sagen zu müssen,
dass sie sich ihren Lebensunterhalt woanders verdienen sollen. Wir gefährden
keine einzelnen Projekte.
RUBENS: Was geschieht nun konkret
bei Leihse?
Aptidou: Die Hälfte haben wir schon durch die Rückmeldegelder
bezahlt, der Rest folgt bei den kommenden.
RUBENS: Und was passiert mit dem zurzeit
heimatlosen Zeitschriftenarchiv "notstand"?
Aptidou: Das kommt ins ehemalige Referat für Grund- und Freiheitsrechte.
RUBENS:Wie werdet ihr mit der FSI
zusammen arbeiten?
Jansen: Wir haben zwar unterschiedliche politische Hintergründe
und teils auch unterschiedliche Meinungen. Aber wir arbeiten miteinander
und nicht gegeneinander.
RUBENS:Woran?
Jansen: Ich habe kein konkretes Projekt im Auge. Ich beziehe mich
auf die tägliche Zusammenarbeit und dass man weiß, wo die Differenzen
liegen.
RUBENS: Wo liegen die?
Aptidou: Eine lag zum Beispiel bei der Förderung von politischen
Projekten. Da hatte die FSI Bauchschmerzen, war dann aber kompromissbereit.
Aber wir wären nicht in diesen AStA gegangen, wenn unsere politischen
Projekte, die wir auch vor 2 Jahren hatten, gefährdet gewesen wären. Umgekehrt
waren auch wir natürlich kompromissbereit, indem wir in einigen Referaten
sparten.
RUBENS: Was hält den Drei-Listen-AStA
zusammen?
Jansen: Der Wunsch nach Zusammenarbeit.
Aptidou: Keine Blockade, handlungsfähig sein.
RUBENS:Und nicht so sozialpädagogisch
ausgedrückt, sondern politisch?
Aptidou: Die FSI hat ja keine politische Projekte,
sondern ist auf Service ausgelegt. Im AStA ist sie für die
Finanzen verantwortlich.
RUBENS: Ich warte noch auf die gemeinsame
positive Formel ...
Jansen: Zuverlässigkeit und Projektsicherung fürs ganze Jahr.
Aptidou: Wir sind für Transparenz. Es gibt öffentliche AStA-Sitzungen,
wo jeder Studi für Anträge hinkommen kann. Zudem werden wir ein wöchentliches
AStA-Info über die laufenden Arbeiten der Referent/innen herausgeben.
Die BSZ wird nur noch einmal im Monat erscheinen, dafür aber mit mehr
Magazinbeiträgen.
RUBENS: Ist das euer Angebot zum Thema
Service?
Aptidou: Nein, das ist politische Arbeit, die die Arbeit der politischen
Referate in die Öffentlichkeit rückt. Unser Verständnis
von Politik beginnt bei Hochschulpolitik und endet bei der Allgemeinpolitik.
Jansen: Natürlich hat das auch einen Serviceaspekt. Als weiteres
Angebot wollen wir einen Initiativenraum als Treffpunkt in der Nähe vom
Kulturcafé einrichten, in dem es Computer und Telefon gibt. Wir wollen
den Servicebegriff politisieren, Angebote schaffen, die nur für den AStA
stehen - Jugendherbergsausweise kann ich mir auch woanders holen.
RUBENS: Inwieweit profitiert das Kulturcafé
vom frischen Wind?
Jansen: Das ist ab April wieder provisorisch auf und bleibt in
studentischer Hand, wird also vom AStA getragen. Der alte Geschäftsführer
und der alte Programmverantwortliche sind leider weg.
Aptidou: Wir arbeiten derzeit an einem neuen Modell und einem
neuen Kulturprogramm und denken über eine studentische Trägerschaft nach.
Bis zum Wintersemester soll das Konzept stehen.
RUBENS: Noch ein kurzer Blick auf
kommende Projekte.
Aptidou: Es gibt wieder die rote Ruhr-Uni, die Internationalismuswoche
und die feministische Winteruni, die erstmals vom AStA unterstützt wird.
Jansen: Weiterhin fördern wird das Videofestival, Radio c.t.,
die studentische AG gegen Antisemitismus und den Studienkreis Film.
RUBENS: Dafür gutes Gelingen und vielen
Dank!
Das Gespräch führte Thea Struchtemeier
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