BODO kommt!
   
  Editorial
 
 

"Eine der schwersten Künste für den Menschen ist wohl die sich Mut zu geben. Diejenigen, denen er fehlt, finden ihn am ersten unter dem mächtigen Schutz eines der ihn besitzt, und der uns dann helfen kann, wenn alles fehlt", philosophierte Georg Christoph Lichtenberg schon vor mehr als 200 Jahren über diese menschliche Eigenschaft.
Es muss schon ein recht ungebremster Mut die Rektorate der Unis Bochum und Dortmund angetrieben haben, als sie kürzlich die Fusion beider Hochschulen zur echten "Ruhr-Universität BODO" beschlossen. Dazu sind sie uneingeschränkt zu beglückwünschen! Die Hoffnung ist groß, dass aus dieser beherzten Verschmelzung erhebliche Synergieeffekte zugunsten der Menschen des Ruhrgebiets hervorgehen werden, einer Region, die von vielen Aufbrüchen der letzten Jahrzehnte leider viel zu lange verschont blieb.
Was kann nur alles Positive daraus hervorgehen? Wenn uns der Mut nicht verlässt, wenn sich die am stärksten von der Fusion betroffenen Bereiche aller Kleingeisterei entledigen und all ihre Courage aufbringen, so kann die "Ruhr-Uni BODO" das leuchtende Beispiel für DIE Reformuniversität Deutschlands werden. Bedenken wir nur die enormen Chancen: Eine gemeinsame Lehrerausbildung von der Primarstufe bis zur Berufsschule in allen Fächern! Eine Journalistenausbildung mit integrierter Publizistik und umgekehrt theoretisch gut ausgebildete Publizisten, die auch journalistisch zu schreiben gelernt haben! Informatiker mit juristischer Komplementärausbildung, die wissen was sie tun! Mediziner in Sozialhilfe geschult! Die Ingenieure, konkurrenzfähig mit Aachen! Und der Clou: Die ungemein innovative Ausbildung im neuen Studiengang "Verwaltungswesen" - getragen von erfahrenen, mit allen Wassern der Kameralistik gewaschenen Verwaltungsbeamten, leuchtende Beispiele für Dienstleistungsfreude und Menschenführung.
Bedenken wir aber auch die Chancen der technologischen Revolutionierung des Verkehrs in dieser von Staus und Kirchtumdenken geplagten Region: Die offene Frage über die neue Trasse des Transrapids im Ruhrgebiet könnte auch die Diskussion über die DU-E-BO-DO erneut aufflammen lassen. Oder BVB und VfL ...
Wenn wir diese Trümpfe in den nächsten Jahren wirklich ausspielen, strafen wir die These vom "Tod der Volluniversität" von NRW-Wissenschaftsministerin Gabriele Behler und des Vorsitzenden des Expertenrats, Prof. Erichsen, Lügen und wagen endlich den Quantensprung zum echten Qualitätspakt. Aber Achtung: Diese Fusion ist nur der erste Schritt! "Der Mut stellt sich die Wege kürzer vor", wusste schon Goethe.
Wir werden noch einen langen Atem brauchen, bis wir die wirklich echte "Ruhr-Universität" verwirklicht haben - mit der Integration der Abteilungen Duisburg, Essen und Hagen. jk

   
   
   
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01.04.2000