Warten auf Anne
   
  Theater im MZ
 
 

Wenn man auf der Bühne die ganze Zeit über von jemandem spricht, der überhaupt nicht erscheint, liegt der Verdacht nahe, dass hier gerade sehnlich auf Godot gewartet wird. Der ist der übliche Verdächtige, aber halt nicht der einzige. Seit 1997 macht ihm Anne Konkurrenz. Anne wurde vom britischen Autor Martin Crimp erfunden, und um noch mehr Ähnlichkeiten von vornherein zu meiden, nannte Crimp sein Stück "Angriffe auf Anne". Dass das nicht notwendig furchtbar brutal und martialisch sein muss, möchte die freie Theatergruppe von Regisseur Markus Gutierrez zeigen. Sie adaptierte das Stück für die Bühne im Musischen Zentrum.
Die Truppe zeigt, dass es ergreifend, hoch aktuell, verstörend, witzig, sexy, ernst, unterhaltsam, erhellend, düster und kryptisch sein kann, wenn sieben Personen in verschiedenen verbalen Annäherungen eine Frau umkreisen, die nie auftaucht: Anne, na klar. Mal ist Anne die missratene Tochter, mal die verlassene Geliebte, die Terroristin, die dreckige Schlampe, das Kriegsopfer oder die neue Automarke. Das mag konfus klingen, aber hinter all dem steckt die Sehnsucht nach dem wahren, echten Leben bzw. der wahren, echten Anne. ad

"Angriffe auf Anne", Saal des Musischen Zentrums, Premiere: 17.2., weitere Termine: 18./19./20.23./24./25.2., immer um 20 h.

   
   
   
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01.02.2000