UB - ein Kapitel für sich
   
  Reihe "Mein erstes Semester an der RUB"
 
 

Rund 4.400 neue Studierende suchen seit Oktober ihr Glück an der RUB. Eine von ihnen die 19-jährige Laura Streitbürger (sie studiert Anglistik, Sozialwissenschaft und Jura). Stellvertretend erzählt sie von ihren Erfahrungen auf dem Campus. Heute dreht sich alles um die UB.

"Entschuldige, wo finde ich die Bücherei?" "Die UB oder eine Fachausleihe?" Wie bitte? Ich dachte, wenn ich nach der Bücherei frage, sagt man mir, wie ich dahin komme, statt mich noch mehr zu verwirren. Warum hat mir keiner gesagt, dass es da irgendwelche Unterschiede gibt?
Da ich wie üblich recht irritiert aussehe, oute ich mich als Erstsemester und werde schmunzelnd aufgeklärt. Eine Fachausleihe habe überwiegend Fachliteratur eines bestimmten Bereiches in den Regalen. Vor allem könne man dort nur die "Präsenzausleihe" nutzen, sprich ein Buch dürfe den Raum maximal für ein Wochenende bzw. nur zum Kopieren verlassen. In der UB, der Bücherei für alle Fachbereiche, bekäme ich ein Buch für einen längeren Zeitraum mit nach Hause. "Alles klar, zu der will ich", bedanke ich mich und frage nach dem Weg. Nachdem ich eine "super konkrete" Wegbeschreibung erhalte - immer geradeaus und dann das große, eckige, hässliche Gebäude auf der linken Seite - mache ich mich auf die Socken.
Ich frage mich noch ein paar mal durch - ein einziger Kommilitone kann ja nicht den totalen Überblick haben - und erreiche endlich mein Ziel. Und jetzt? Wie läuft das hier ab? Zielstrebig steuere ich erst mal eine Bank in der Ecke an und beobachte das Geschehen aus sicherer Entfernung. Fast alle gehen zuerst zu den Schließfächern, um ihre Klamotten weg zu schließen. Wozu das? Ach, da hängt ein Schild: Taschen und Jacken sollen draußen bleiben. Anscheinend wird befürchtet, dass sonst einige Bücher unbemerkt für immer die UB verlassen.
Ich schlendere rüber zu den Schränken und lagere meinen Kram ein. Als ich absperren will, fällt mein Blick auf den Münzeinwurf - nur Fünfer. Toll, mein letzter ist eben für Zigaretten draufgegangen. Klamotten wieder raus und ab zum Ausgang - ich werde wiederkommen.
Nächster Versuch. Diesmal finde ich die UB sofort und habe sogar an den Fünfer gedacht. Bevor ich aber meine Sachen einschließe, fische ich meine Chip Card aus dem Portemonnaie. Wer weiß, wofür ich die noch gebrauchen kann? Mein Blick bleibt an zwei kleinen Menschenhaufen hängen. Was machen die vor den Plastikkabinen rechts und links? Gibt es da was umsonst?
"Nicht ganz, die warten darauf, ihre Chip Card vom Lesegerät scannen zu lassen und auf ihre Datenbank zugreifen zu können. Kontostand und so." Da habe ich wohl laut gedacht und eine Kommilitonin hat sich aufgefordert gefühlt mich aufzuklären. Nett von ihr. Letztendlich schleust sie mich durch die UB und zeigt mir, worauf ich achten muss.
Nach einer halben Stunde Crashkurs verabschiedet sich mein UB-Scout und lässt mich mit rauchendem Kopf zurück. Es war zu viel auf einmal. Vor meinem inneren Auge zieht nur die Quintessenz vorbei: Das 2. OG ist für Geisteswissenschaftler überlebenswichtig!
So viel steht fest. Ich werde noch einige Besuche in der UB hinter mich bringen, bevor ich weiß, wie der Laden läuft. Zum Glück sind die Regale des geballten Wissens ja geduldig und zur Not stelle ich mich davor und warte auf Kommissar Zufall.
Laura Streitbürger

   
   
   
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03.01.2000