Brücke soll Behinderten Umweg ersparen
   
  AkaFö will Europahaus und Schwimmbad verbinden
 
  16 Prozent aller Studierenden an RUB und FH Bochum sind behindert oder chronisch krank. Damit sie auf dem Campus und in seiner Umgebung genauso gut klarkommen wie alle anderen Studis, kämpft das Team des Servicezentrums für Behinderte der RUB um Harry Baus seit 1993 für eine behindertengerechte Gestaltung. Viel ist seitdem schon erreicht, aber immer noch gibt es Stellen, die dringend einer Änderung bedürfen. Zum Beispiel das Gelände zwischen Unicenter und dem Wohnheim "Europahaus" am Spechtsweg. Das Haus ist zwar dank Aufzügen und breiten Türen für Behinderte geeignet, stellt dennoch eine uneinnehmbare Festung dar: Wer vom Schwimmbadvorplatz auf den Parkplatz will oder umgekehrt, dem steht ein regelrechtes Survivaltraining bevor: Mannshohe Betonmauern wollen erklommen, überwucherte Trampelpfade entdeckt und Steigungen von über 10 Prozent überwunden werden. Und das obwohl der Höhenunterschied eigentlich nur 1,50 Meter beträgt. Zusätzliches Ärgernis: Im Spechtsweg sind zwar Behindertenparkplätze vorhanden; der ursprünglich geplante Aufzug zum Schwimmbad allerdings wurde nie eingebaut. Also bleibt Gehbehinderten nichts anderes übrig als ein Riesenumweg den Hustadtring entlang zur Rampe auf der anderen Seite des Unicenters. Dabei könnte alles so einfach sein: Es bedarf nur einer Brücke.
Um dieses Projekt voranzutreiben und in der Öffentlichkeit bekannt zu machen, hat das AkaFö zusammen mit Prof. Dr. Schmitz von der FH Bochum einen Stegreifwettbewerb unter Architekturstudierenden veranstaltet. Innerhalb von drei Tagen galt es, eine behindertengerechte Brücke zwischen Parkplatz und Unicenter zu entwerfen. Tobias Stratkemper machte das Rennen. Er plante eine Hängebrücke an zwei Pfeilern, die mit einer Steigung von ca. 5 Prozent und ihrer geriffelten rutschsicheren Oberfläche für einen gesundheitlich fitten Rollstuhlfahrer leicht zu überfahren ist. Durch ihre S-Form entsteht in der Mitte zum Ausruhen eine Plattform ohne Steigung. Als Modell existiert das Bauwerk bereits - für die Wirklichkeit ist die Stadt gefordert, denn es geht um städtisches Gelände. Nicht nur die Finanzierung müsste gesichert werden, auch tiefbauliche Probleme sind Sache der Stadt, schließlich müssen die Pfeiler im Boden verankert werden. Die zuständige Bürgermeisterin hat zwar Interesse und Verständnis für das Problem, verbindliche Zusagen gibt es aber noch nicht. Damit das Thema publik wird und bleibt, tanzte der Uniball für die Brücke. Schnappschüsse, Rosen und Zigarren wurden zu ihren Gunsten verkauft.
Für die großen und kleinen Probleme von Behinderten an der Uni hat das Servicezentrum außerdem eine neue Broschüre veröffentlicht. Darin gibt es Informationen und Beratung, z. B. einen Lageplan der behindertengerechten Toiletten und Hörsäle, eine Vermittlung von Pflegediensten und Hilfe bei Anträgen. Die Broschüre ist über das Servicezentrum zu beziehen, Tel. 0234/9702310 oder 3211530, oder kann vom Internet herunter geladen werden, www.akafoe.de/szb, "Serviceleistungen".
Meike Drießen
   
   
   
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03.01.2000