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Dr. Leopold Paczenski (für alle nur der "Poldi") aus Köln ist ein habilitierter
Linguist auf der Suche nach einem Ruf. Professor auf Lebenszeit möchte
er werden, natürlich. Einige Versuche hat er bereits hinter sich, stets
vergeblich, sein größter Erfolg bislang: ein 3. Platz auf der Berufungsliste
- irgendwo im Osten.
Doch endlich meint es das Schicksal gut mit ihm: Die Uni Holstenbek (alias
Flensburg) sucht einen Linguisten für die Lehrerausbildung, einen mit
Schulerfahrung. Genau die kann Poldi vorweisen, immerhin versuchte er
es nach der Promotion zunächst als Gymnasiallehrer, gab dieses Vorhaben
jedoch schnell auf. Dennoch spielt Paczenski nun den Trumpf "Schulerfahrung"
aus. Freund Ernie, er ist seit längerer Zeit Prof "irgendwo im Osten",
flankiert Poldis Bewerbung mit seinen zahlreichen Beziehungen, und siehe
da: Der Dr. Leopold wird zum Vorsingen in den hohen Norden geladen und
überzeugt sein Auditorium. Er erhält den Ruf!
Dass weder er, noch seine Frau, noch seine fechtenden Töchter großes Interesse
an einem Umzug von Köln nach Holstenbek zeigen, stört wenig. Denn auch
hier greift das so genannte Ernie-Prinzip (so auch der Titel des Romans).
Ernie ist sofort mit zahlreichen Tipps zur Stelle, wie sich aus dem eigentlich
kräfte- und zeitraubenden Fulltime-Beruf "Hochschullehrer" ein erträglicher
und trotzdem einträglicher Ein-Tages-Job machen lässt. Poldi muss bloß
seine Veranstaltungen auf den Mittwoch konzentrieren.
Kein Problem in Holstenbek! Die Hälfte der Professorinnen und Professor
verfährt nach diesem Prinzip. Die lehrende Belegschaft unterteilt sich
folglich in die Holstenbeker und in die IC-Fraktion. Die Holstenbeker
machen die Drecksarbeit (kümmern sich um Studierende und die Selbstverwaltung),
die IC-Leute fahren Mittwochmorgen und Mittwochabend Zug und machen sich
ansonsten ein schönes Leben.
Autor Eckhard Bodenstein, als Dozent an der Uni Flensburg wahrlich vom
Fach, spart auch ansonsten nicht mit unangenehmen Wahrheiten (fehlende
Begeisterung, kein Engagement, Betrügereien bei der Promotion, Intrigen
usw.) über einen Teil der deutschen Professorenschaft. Seine vergnügliche
Geschichte - garniert mit erotischen Episoden, darüber hinaus ohne
jeden, vielleicht ohnehin störenden, Tiefgang - liest sich locker und
leicht. ad
Eckhard Bodenstein: "Das Ernie-Prinzip", 220 Seiten, gebunden,
DM 29,80; Eichborn Verlag, Frankfurt/M. 1999.
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