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  Infonachmittag
 
   
  Der Infonachmittag für Magisterstudenten (RUBENS 47), den KoBra, das M.A.-Reformmodell, das Englische und das Romanische Seminar, das Germanistische Institut und das Hochschulteam des Arbeitsamtes Bochum am 19. November organisiert haben, war für alle Beteiligten ein voller Erfolg: 13 Firmen präsentierten sich mit professionellen Messeständen und Vorträgen, ca. 200 Studierende nahmen am Angebot teil.
Was an diesem Freitagnachmittag vor den GB Hörsälen zu sehen war, glich einer anderen Welt. Wo sonst nur weißgraue Klinkerlandschaft anödet, fanden überraschte Studenten eine bunte Messe vor: Zahlreiche Stände mit Beleuchtung zogen selbst die an, die eigentlich nur zufällig vorbeigekommen waren. Große Namen waren vertreten: Nokia, Siemens, das Auswärtige Amt, Jugend in Arbeit, die Technische Akademie Wuppertal - von der Versicherung bis zu Eventagentur waren Firmen und Weiterbildungsträger gekommen, um zu informieren und zu interessieren.
Nach der Begrüßung durch Prorektor Prof. Müller-Michaels gab es Kurzvorträge der Firmenvertreter, und die Gäste standen den Studierende Rede und Antwort. Die Veranstaltung sollte vor allem mit traditionellen und zum Teil falschen Vorstellungen der Studierenden aufräumen, die ihr späteres Berufsfeld immer noch in klassischen Feldern wie Journalismus und Lehrtätigkeit sehen oder noch ungenaue Vorstellungen haben von "irgendwas mit Medien". Hier hatten sie Gelegenheit, Einblick in andere Berufe zu bekommen und eigene Qualifikationen und Möglichkeiten überhaupt erst schätzen zu lernen: Ein großer Bereich, in dem Geisteswissenschaftler bestens aufgehoben sind, ist z. B. die Beratung im weitesten Sinne. Rund um die Herstellung eines Produkts sind Vermittlerfähigkeiten gefragt; Verkaufspersonal will geschult, Kunden informiert und überzeugt, der Umgang mit dem Produkt gelehrt werden. In den neuen Tätigkeitsfeldern der Wirtschaft muss der Magister Abstand nehmen von Studieninhalten und sich stattdessen seiner "Soft Skills" bewusst werden. Nur so kann er auch lernen, sich selbst gut zu verkaufen, z. B. bei Bewerbungen.
Eine wichtige Voraussetzung für den Einstieg in die Wirtschaft ist auch der gekonnte Umgang mit neuen Medien. Nokia etwa nimmt Bewerbungen nur noch per Email an, erforderliche Fremdsprachen beschränken sich nicht wie von vielen vermutet auf Englisch und vielleicht Finnisch, sondern schließen auch Programmiersprachen mit ein - einer von vielen Aha-Effekten des Infonachmittags.
Die gewonnen Infos über Anforderungen und Möglichkeiten geben vielen Studierenden Anstoß zu einer veränderten Praxis schon während des Studiums. Es zahlt sich z. B. aus, schon bei Referaten den Umgang mit Overhead oder Bildschirmpräsentationen zu üben.
Der Infonachmittag ist Teil eines Gesamtkonzepts der großen Institute der Philologie, das versucht, Studierende möglichst früh auf ihre spätere Tätigkeit vorzubereiten. Jedes Semester bieten sie z. B. eine Reihe von Arbeitsmarktkolloquien (siehe nebenstehenden Artikel) an, bei denen Berufstätige über ihre Erfahrungen sprechen und Fragen beantworten, und die Broschüre "Geisteswissenschaften studieren ... und was dann?" soll einen Leitfaden zur beruflichen Orientierung darstellen. Die Firmenmesse für Magisterstudierende wird es auch im nächsten Jahr geben: Der 8. November 2000 ist fest eingeplant, und der Dekan der Philologie hat schon zugesagt, unterrichtsfrei zu geben.
Mitorganisator Dr. Dieter Wessels ist mit dem Erfolg des Nachmittags mehr als zufrieden: "Für uns ist es ein ermutigendes Resultat - und man merkt, es tut sich schon was: Immer öfter nutzen Studierende neue Medien und informieren sich, blicken über den Tellerrand." Seiner Ansicht nach bleibt nur eins zu wünschen übrig: Die Dozenten müssen sich ihrer Verantwortung den Studierenden gegenüber mehr bewusst werden. Es wäre an ihnen, auf Veranstaltungen wie diese hinzuweisen und selbst zu informieren, anstatt sich auf die bloße Wissenschaft zu beschränken. Viel zu wenige interessieren sich dafür, was nach dem Examen aus ihren Seminarteilnehmern wird.
Meike Drießen
   
   
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03.01.2000