| Zum Qualitätspakt | |
| Kommentar des Rektors | |
|
|
|
| Eine Zwischenstation beim sog. Qualitätspakt ist erreicht.
Seit Anfang November liegen dem Expertenrat, der landesweit die Hochschulen
überprüft, 800 Seiten Strukturbericht vor, worin die Ruhr-Universität, die
Fakultäten und Institute Fragen zur Lage von Forschung , Lehre, Personal
und Ausstattung, vor allem aber zu ihren Entwicklungsperspektiven beantworten.
Der Senat hat dem Strukturbericht am 21. Oktober zugestimmt und zu den uns
von der Politik auferlegten Stellenabsetzungen (194 von ca. 3100 bis zum
Jahre 2010) kritisch Position bezogen. Zur Erinnerung: Die Landeshochschulen haben im Gegenzug die bitter benötigte Planungssicherheit für ihren Personalbestand ,zusätzliche Mittel aus einem neuen Innovationsfonds sowie das Ende der einjährigen Stellensperre zugesichert erhalten. Im Falle der RUB bedeutet dies im nächsten Jahr 3,7 Mio. DM zusätzlich sowie die Freigabe von etwa 60 - 70 Stellen, die in den vergangenen Jahren blockiert waren. Damit sind die Folgen des Stellenabbaus - weniger Lehrkapazität - nicht korrigiert, jedoch gemildert. Wie geht es weiter? Ab Januar werden Gespräche mit Mitgliedern des Expertenrats stattfinden. Dabei werden wir unsere Leitidee der vollständigen, fachlich breit differenzierten Universität offensiv vertreten. Dieses Konzept einer universitas litterarum, ich zitiere aus dem Vorwort unseres Strukturberichtes, entspricht den Forderungen des Gründungsauftrages, der für den größten industriellen Ballungsraum Europas ein Angebot in allen Wissensgebieten mit Forschung und Lehre vorsieht." Am Ende des Diskussions- und Überprüfungsprozesses, vermutlich im Spätsommer nächsten Jahres, wird der Expertenrat Empfehlungen an die Politik formulieren, sich dabei zur Fächerstruktur, zu Ausbildungskapazitäten, zu Verflechtungen zwischen den Hochschulen äußern. Dabei erwarten wir, dass sich Empfehlungen nicht vorrangig an Einsparpotentialen, sondern an der Qualität, an Zukunfts- und Gestaltungsfähigkeit der Unis orientieren. An diesem Maßstab werden wir unsererseits die Arbeit des Expertenrats messen. Auf was stützen sich unsere Argumente, was berechtigt uns, gegenüber Politik und Experten gelassen aufzutreten, gelassen auch in Zeiten knapper öffentlicher Kassen? Ich nenne einige zentrale Stichworte: Erstens: Die RUB nimmt eine führende Position im Felde der Forschung ein. Die Qualität und Konkurrenzfähigkeit zeigt sich u.a. in acht Sonderforschungsbereichen, zwölf Graduiertenkollegs und 100 Mio. DM Drittmittel jährlich. Breite und Qualität der Forschung ruhen auf dem breiten Fundament unserer Disziplinenvielfalt, von den Ingenieurwissenschaften und der Medizin bis zu Natur-, Sozial- und Geisteswissenschaften. Zweitens: Die RUB orientiert sich seit ihrer Gründung an ihrem bildungspolitischen Selbstverständnis, jungen Menschen professionelle und soziale Fähigkeiten zu vermitteln, nimmt zugleich den gesellschaftspolitischen Auftrag wahr, die Bildungsreserven innerhalb des Ruhrgebietes zu aktivieren und auszuschöpfen. Unsere Stärke besteht in der Fächer übergreifenden Vernetzung von Studienangeboten, in der Nutzung des großen Potentials einer Volluniversität. Drittens: Die RUB als Kern einer Hochschullandschaft mit 150.000 Studierenden wird auch in der Zukunft offensiv ihre regionalen Aufgaben wahrnehmen. Wir haben in der Vergangenheit einen bedeutsamen Beitrag zum Strukturwandel und zur kulturellen Attraktivität des Ruhrgebietes geleistet, z.B. durch Wissenstransfer und die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit den Problemen der Region. Viertens: Die RUB ist eine international orientierte Hochschule, sie wird den Prozess der Internationalisierung von Forschung und Lehre auch weiterhin aktiv betreiben. Unsere 20 Hochschulpartnerschaften sowie eine Vielzahl weiterer Vereinbarungen sind eine strategische Chance, die wir aktiv nutzen: Studierendenaustausch und Forschungskooperation gehören zum universitären Alltag. Fünftens: Die RUB wird in den nächsten Jahren ihren Weiterbildungsauftrag offensiv fortentwickeln, als vierte Säule neben grundständiger Lehre, Forschung und Transfer von Wissen. Als vollständige Universität nutzen wir die Chance, wissenschaftliche Weiterbildung qualitativ hoch stehend anzubieten. Beides wollen wir dabei verstärkt miteinander vereinbaren: Weiterbildung als gesellschaftspolitische Verpflichtung einerseits, als finanzielle Möglichkeit und Chance andererseits. Sechstens: Unserer Verantwortung für die eigenen Absolventen werden wir uns noch intensiver stellen als bisher. Bereits jetzt gilt: Die RUB nimmt bei Leuchtturmprojekten in der Lehre, bei Tutoren- und Mentorenprogrammen, innerhalb des Landes eine Spitzenstellung ein. Verbesserungen sind an der Schnittstelle zwischen Studium und Berufseinstieg angesagt und werden erprobt: durch Professionalisierung der Beratung, verstärkte Vernetzung mit der Arbeitsverwaltung und der Wirtschaft. Wichtige Schritte sind getan, beispielsweise mit regelmäßigen Gründermessen oder der Einrichtung von KOBRA. Ein Career Service nach dem Vorbild amerikanischer Hochschulen könnte in einigen Jahren ein wichtiges Angebot für die Studierenden sein. Zurück zum Qualitätspakt: Ich habe die Gründe benannt, weshalb wir uns selbstbewusst der verschärften Konkurrenz innerhalb des Hochschulsystems stellen, der Konkurrenz um gute Studierende, um Drittmittel und um Weiterbildungsmärkte. Konkurrenz schließt Zusammenarbeit mit benachbarten Hochschulen nicht aus, etwa beim Bündeln einzelner Studiengänge oder im Bereich der Weiterbildung. Kooperationen ermöglichen Spezialisierung auf hohem Niveau, befördern Pluralität in Forschung und Lehre. Derartige Zusammenarbeit gibt es derzeit nur punktuell, hier besteht Nachholbedarf. Dies gemeinsam mit Dortmund oder Essen zu korrigieren, Strukturpläne von Fächern besser abzustimmen, ist ein Gebot der Vernunft. Derartige Kooperation bei gleichzeitiger Konkurrenz schärft das Profil von Fächern, verbreitert Studienangebote und eröffnet die Chance, neue Projekte auf den Weg zu bringen. Und nicht zu vergessen: Bei der übernächsten Etappe des Qualitätspakt-Prozesses werden wir auch daran gemessen. Prof. Dr. Dietmar Petzina |
|
| Ihre Meinung ist gefragt! Schreiben Sie uns einen Leser(innen)brief! |
| zurückblättern | zur Themenübersicht | weiterblättern |
| 30.11.1999 |