| PIZZA HUT auf den Campus? | |
| Zur Lage des AkaFö | |
|
|
|
| Vor einiger Zeit titelte eine studentische Fachschaftszeitung
an der RUB: "Warum PIZZA HUT ... zum neuen Landeshochschulgesetz passt!".
Im Beitrag wurde kritisch angemerkt, dass sich das Land NRW und die Regierungsparteien
deutlich und massiv aus der öffentlichen Finanzierung von Bildungsaufgaben
zu Gunsten einer umfassenden "Privatisierungsstrategie" zurückziehen. In
der Folge gäbe es den Zwang, Privatisierungsvorhaben, die allein ein Kotau
vor dem Privatisierungsdiktat der Landesregierung seien, als moderne und
studentenfreundliche Maßnahmen zu kaschieren. Dabei seien die Studentenwerke,
die Infrastrukturaufgaben auf dem Campus übernehmen, so etwas wie Vorreiter.
Der "real existierende" Plan, Versorgungseinrichtungen für Studierende zu
Filialen von PIZZA HUT oder McDonalds zu machen, beweise dies zweifelsfrei. Die Autoren des Beitrags haben in der Weise mit ihrem Szenario recht, dass die öffentlichen Mittel einerseits aus vielerlei Gründen spärlicher fließen und andererseits der Aufwand, der zur Aufgabenerledigung notwendig ist, immer höher wird. Dies hat eindeutig auch mit den Versäumnissen der öffentlichen Hand in der Vergangenheit zu tun. Der zunehmende sichtbare Verfall öffentlicher Gebäude spricht in diesem Zusammenhang Bände. Das hat auch mit einer gesellschaftlichen und politischen Neuorientierung und einer veränderten Einschätzung zu tun, die eher auf finanzielle Beteiligung der Nutzer setzt. Die Nutzer der Einrichtungen des Studentenwerks sind dabei unzweifelhaft die Studierenden. In der Folge wird das Angebot innerhalb der Kernaufgaben eines Studentenwerks - Wohn- und Verpflegungsangebote für Studierende - teurer. Gleichwohl bleiben diese Angebote ein Teil der "mittelbaren Studienförderung". Diejenigen, die sich auf dem "privaten Markt" um preisgünstigen Wohnraum bemüht haben, stellen fest, dass bei realistischer Zusammenrechnung aller Kostenpositionen das Wohnangebot des Studentenwerks immer noch deutlich günstiger ist. Unabhängig davon bemühen sich die Studentenwerke ihren Wohnraum "studentenspezifisch" auszustatten, sich also auch um technische Ausstattungen (Datennetze zu den Hochschulrechenzentren) zu kümmern, die für eine zukunftsorientierte Nutzung notwendig ist. Im Bereich der Verpflegung gibt es eine Preisstruktur, die in weiten Teilen an den sozialen Bedürfnissen und den finanziellen Möglichkeiten der Studierenden orientiert ist. Ergänzend dazu besteht jedoch auch die Notwendigkeit, über die Preisgestaltung bei spezielleren Angeboten "Geld zu verdienen". Diese Notwendigkeit, die bei jedem privaten Anbieter - ob McDonalds oder Studentenkneipe - akzeptiert wird, führt zu regen Diskussionen über den "Sozialauftrag des Studentenwerks". Das Studentenwerk kommt jedoch in der heutigen Finanzsituation an dieser "Gewinnerzielungsstrategie" nicht vorbei. Das Studentenwerk braucht auf der Einnahmeseite Spielräume, um Erträge zu erwirtschaften, wie etwa ein "Campus-Café" mit gehobenerem Angebot. Nicht um "Kapitaleigner" mit Renditen auszustatten, sondern um sich zukunftsfähig zu halten und um Projekte und Aufgaben zu finanzieren, die auch zum Dienstleistungsangebot an den Hochschulen gehören müssen. Neben den "Kernaufgaben", wie Wohnen und Verpflegung, hat das AkaFö Beratungs- und Betreuungsaufgaben für die, die mehr Unterstützung bedürfen. Das sind behinderte Studierende, Studierende mit Kindern oder ausländische Kommilitoninnen und Kommilitonen. Für diese Dienstleistungen muss Geld aufgebracht werden. Genauso wie für Kulturarbeit mit und für Studierende. Kulturelle Vielfalt, die nicht nur Kommerz darstellt und Hilfestellung für Studierende in schwierigen Lebenssituationen sind unverzichtbare Bestandteile des Aufgabenspektrums eines Studentenwerkes. Das Ziel des Studentenwerkes ist die Förderung der Studierenden. Das ist der entscheidende Unterschied zu einem Privatunternehmen, das als alleiniges Ziel die Förderung seines Profits hat. Finanziert werden die Dienstleistungen des Studentenwerks über "Gewinne" aus den üblichen Geschäftsfeldern, wie etwa den Cafeten, und mit dem "Solidarbeiträgen" der Studierenden, den Semesterbeiträgen. Einige Studierende führen das Argument auf, dass sie die Dienstleistungen des Studentenwerkes gar nicht in Anspruch nehmen. Warum also dafür zahlen? Eine gesellschaftspolitische Neuorientierung hin zu mehr Eigenverantwortung ist unverkennbar. Es kann aber nicht sein, dass der Solidargedanke völlig aufgegeben wird. Mit den Beiträgen der Studierenden wird u. a. ein Servicezentrum für Studierende mit Behinderungen unterhalten. Es ist kein Luxus, dass behindertengerechte Computer einigen Studierenden die Möglichkeit bieten, ihr Studium durchzuführen. Wer darüber klagt, dass er zukünftig vielleicht DM 12,50 im Monat für die Aufgaben des Studentenwerkes über den Semesterbeitrag aufwenden muss, sollte sich der Tatsache bewusst sein, dass selbst ein Kinobesuch, der für viele regelmäßig zum unverzichtbaren Alltagsvergnügen zählt, für dieses "kleine Geld" heute nicht mehr zu haben ist. Im Übrigen wird es auch zukünftig keine Filiale von PIZZA HUT auf dem Campus geben. Wenigstens nicht so lange PIZZA HUT nicht auch kostenlose und qualifizierte Beratung und Betreuung für alle Studierenden anbietet. Jürgen Graf, Geschäftsführer des AkaFö Bochum |
|
| Ihre Meinung ist gefragt! Schreiben Sie uns einen Leser(innen)brief! |
| zurückblättern | zur Themenübersicht | weiterblättern |
| 30.11.1999 |