Herausragend und liebenswert
   
  Zur Erinnerung an Nimai-Kumar Mitra
 
  Am 14. Oktober 1999 ist Professor PhD Nimai-Kumar Mitra gestorben. Sein Tod trifft seine Familie, seine Freunde, Fachkollegen und Studenten schwer. Nimai-Kumar Mitra wurde am 24. Mai 1939 in Kalkutta geboren und studierte dort Maschinenbau. Nach dem Studium arbeitete er zwei Jahre lang bei Hindustan Motors. 1965 ging er in die USA und nahm dort ein Graduiertenstudium und eine wissenschaftliche Tätigkeit an der University of California auf. Im Oktober 1970 erwarb Mitra seinen Doktorgrad (PhD) im Fach Mechanical Engineering. Er war immer stolz darauf, dass seine Promotionsurkunde vom damaligen Gouverneur von Kalifornien, Ronald Reagan, dem späteren Präsidenten der USA, unterschrieben wurde.
1971 kam Nimai-Kumar Mitra nach Deutschland, als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Angewandte Gasdynamik der damaligen Deutschen Forschungs- und Versuchsanstalt für Luft- und Raumfahrt (heute DLR) in Köln, wo er an der Untersuchung von Gasströmungen unter hohen Machzahlen arbeitete. Mitra folgte 1977 der Einladung des damals neu berufenen Inhabers des Lehrstuhls für Wärme- und Stoffübertragung, Prof. Martin Fiebig, und wurde wissenschaftlicher Mitarbeiter der RUB. Hier erhielt er mit seiner Habilitation (1985) die Venia Legendi für das Lehrgebiet Wärme- und Stoffübertragung. Am 26.11.92 wurde er zum Außerplanmäßigen Professor ernannt.
Professor Mitra war ein hervorragender, international ausgewiesener Wissenschaftler auf dem Gebiet der Strömungen mit Wärmeübergang und ihrer Berechnung. Er hat wesentlich zur Entwicklung und Anwendung moderner numerischer Finite-Volumen-Verfahren beigetragen und auf diesem Gebiet großes Ansehen erlangt. Viele seiner Arbeiten erfolgten im Rahmen der Forschergruppe "Wirbel und Wärmeübertragung". Sie haben grundlegende Erkenntnisse zu wesentlichen Problemen der reibungsbehafteten Strömungen mit Wärme- oder Stoffübergang erbracht. Die Schwierigkeiten seiner Arbeiten schreckten ihn nicht, vielmehr vertrat Mitra die Meinung "Wer nicht zum Mars will, kommt nie auf dem Mond an".
Die mathematischen und physikalischen Fragen seines Arbeitsgebietes beschäftigten ihn viel mehr als die Präsentation seiner Forschung und seiner Person. Dennoch sind aus seiner Arbeit über 140 Publikationen hervorgegangen, die weitaus meisten davon in international anerkannten wissenschaftlichen Zeitschriften. Ergebnisse seiner Forschung auf dem Gebiet der Wärmeübertragung finden im Rahmen eines von der EU geförderten Projektes zurzeit Eingang in industrielle Anwendungen.
Nimai-Kumar Mitra war ein liebenswerter Mensch, im Umgang mit Kollegen und Studenten freundlich, aufmerksam und bescheiden, dabei auch klug und hilfsbereit in allen Fragen außerhalb seines Fachgebietes. Seine Doktoranden verdanken ihm vielfachen kompetenten Rat und engagierte Unterstützung. Viele von ihnen haben nach ihrer Promotion weiter engen und herzlichen Kontakt zu ihm gehalten.
Für den Lehrstuhl für Verfahrenstechnische Transportprozesse
   
   
   
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30.11.1999