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Leuchtend prangt es nun, in dunkelblauen Lettern auf gelbem Untergrund
am gerade vom Staatlichen Bauamt sanierten Treppenturm des Verwaltungsgebäudes:
RUHR-UNIVERSITÄT BOCHUM. Ein Blick in die Entstehungsgeschichte des Namens
belegt: Diese Hochschule hatte ihren Namen
sozusagen schon weg, bevor sie überhaupt begründet, ja sogar bevor über
ihren Standort entschieden war. Tatsache ist indes auch: Niemand,
insbesondere kein universitäres Gremium, hat sich je mit der Namengebung
im Hinblick auf eine formelle Entschließung auseinander gesetzt. Vielmehr
waren in Düsseldorf und Bochum von verschiedenen Seiten Fakten geschaffen
worden, die, zusammen genommen, in der heute allgemein akzeptierten Bezeichnung
mündeten.
Erstmals ins Spiel gebracht wurde der Name "Ruhr-Universität" nach eigenem
Bekunden vom Ministerialdirigenten Freiherr. v. Medem, 1960/61 Leiter
der Hochschulabteilung des Kultusministeriums, bei inoffiziellen Tischgesprächen
anlässlich der ersten Sondierungsgespräche in Bochum (RUBENS
38). Er hatte nicht nur die Hochschule im und für das Ruhrgebiet im
Sinn, sondern er wollte mit dem scheinbar versöhnenden Vorschlag auch
die leidige Standortfrage entschärfen (was ihm freilich nicht gelang).
In der öffentlichen Diskussion wie sie sich in der Presse jener Zeit widerspiegelte,
war man ohnehin bereits auf Begriffe wie "Revier-Uni" oder "Ruhrgebiets-Universität"
übergegangen, nachdem sich ein Standort im westfälischen Teil des Ruhrgebiets
herauskristallisiert hatte. Hier - auf der Achse Münster-Köln/Bonn - sollten
die Bildungsreserven des großen Ballungsraumes mobilisiert werden und
hier warben die in Frage kommenden Städte immer auch mit ihrem großen
Einzugsgebiet.
Seitens der Landesregierung sprach man bereits im Frühsommer 1961 vom
"Standort der neuen Ruhr-Universität" und versah diesen Titel nach der
Landtagsentscheidung am 18. Juli mit dem Zusatz "Bochum". Fernschriftlich
teilte man der Stadtverwaltung am 24.7.61 mit, "dass bei allen verordnungen,
verhandlungen und schriftsaetzen im zusammenhang mit der ruhr-universitaet
ab sofort der offizielle arbeitstitel ‚ruhr-universitaet bochum' verwandt
werden soll." Dem im September 1961 konstituierten "Beratenden Gründungsausschuß
für die Ruhr-Universität Bochum" gab Kultusminister Schütz zu verstehen,
dass die verwendete Bezeichnung keineswegs verbindlich sei. Zu den Vorbehalten
erklärte der Minister laut Protokoll: "Für den Außenstehenden könnte das
Wort ‚Ruhr-Universität' vielleicht einen provinziellen Beigeschmack haben.
Auf der anderen Seite sei es zweckmäßig, gewissen Interessen des Landesteiles
Westfalen auch in der Bezeichnung Rechnung zu tragen."
Dessen ungeachtet gründeten Bochumer Interessierte im Januar 1962 die
"Gesellschaft der Freunde der Ruhr-Universität Bochum", womit sie ein
weiteres Präjudiz schufen. Konsequent (und formal korrekt) war es aber
auch, dass der Vorsitzende des Gründungsausschusses immer nur mit "...der
Universität Bochum" titelte (auch die viel zitierten "Empfehlungen" dieses
Gremiums nehmen an keiner Stelle den Arbeitstitel auf), dass die Professoren
an die "Universität Bochum" berufen wurden oder dass in der Urkunde zur
Grundsteinlegung des ersten Gebäudes der Uni am 2.7.62 (einem Wohnheim)
nur diese unstrittige, weil neutrale Bezeichnung Eingang gefunden hat.
Gerade im letzten Fall hatte die Zurückhaltung der Landesregierung ihre
Berechtigung, war doch wenige Tage zuvor die Entscheidung gefallen, in
Dortmund eine weitere Hochschule zu errichten.
Kein Zweifel konnte aber schließlich mehr bestehen, als der von der Vollversammlung
der Bochumer Professoren 1965 erarbeitete Verfassungsentwurf für die Hochschule
vom Kultusminister genehmigt wurde. Wie selbstverständlich tauchte hier
in Titel und Text die Bezeichnung "Ruhr-Universität Bochum" auf. Jörg
Lorenz
Mehr über das Universitätsarchiv: http://www.ruhr-uni-bochum.de/archiv
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