| 10 Jahre Wissenschaftstransfer | |
| Bochum und die neuen Bundesländer | |
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| 10 Jahre nach der Wende zur deutschen Einheit sollte erwähnt
werden, dass auch von den Bochumer Hochschulen personalmäßig wie wissenschaftlich
wichtige Transferimpulse in den Hochschulbereich der neuen Bundesländer
ausgingen. Die vollständige Geschichte dieses Beitrags ist noch zu
schreiben, aber an einige Fakten sollte man sich bereits jetzt erinnern. Der vielleicht spektakulärste Auftrag erging an den ehemaligen Rektor der RUB, Prof. Knut Ipsen, als Gründungsrektor die wieder erstandene Universität "Viadrina" in Frankfurt/Oder aufzubauen. Ein weiteres wichtiges Kapitel ist die vielfältige Amtshilfe, die vom Rektorat, insbesondere vom damaligen Kanzler, Dr. Bernhard Wiebel, und von Prof. Rolf Grawert, damals Prorektor der RUB, als Gründungsdekan der neuen Juristischen Fakultät für die Uni Potsdam geleistet wurde. Heute ist der Jurist Prof. Wolfgang Loschelder Rektor dieser Uni. Aus der Fakultät für Wirtschaftswissenschaft wurde Prof. em. Schmitt-Rink als Gründungsdekan für die Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät der Uni Halle-Wittenberg berufen, wie auch in der gleichen Funktion Prof. em. Hans Besters an die TU Merseburg-Leuna. Auch aus der FH Bochum unterstützten verschiedene Professoren (Neu-)Gründungen an ostdeutschen Hochschulen. Ein weiteres Feld des Transfers stellen die Berufungen auf Professuren dar. An die Humboldt Universität Berlin gingen der Wirtschaftsjurist Prof. Eberhard Schwark und der Pädagoge Prof. Jürgen Henze. Der Skandinavist Prof. Walter Baumgartner wurde an die Uni Greifswald berufen. Besonders intensiv hat sich die Beziehung zu den Leipziger Hochschulen entwickelt. Zehn Hochschulangehörige der RUB wurden nach Leipzig berufen, einer davon ist jetzt in Chemnitz tätig. Bei zwei Berufungen stand zunächst wieder der Gründungsaspekt im Vordergrund. So war der Pädagoge Prof. Dieter Schultz als Gründungsdekan für den Aufbau der Erziehungswissenschaftlichen Fakultät der Uni Leipzig verantwortlich; heute wirkt er dort als Lehrstuhlinhaber. Prof. Christian Uhlig, früher Institut für Entwicklungsforschung und Entwicklungspolitik, wurde als buchhändlerisch vorgebildeter Wirtschaftswissenschaftler mit der Gründungsprofessur für das neue Fach Buchhandel/Verlagswirtschaft im Fachbereich Buch und Museum der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur Leipzig (FH) betraut. Auch er war dort später bis zu seiner Emeritierung als Professor tätig. Der Historiker Prof. Winfried Eberhard wurde als Direktor des Geschichtswissenschaftlichen Zentrums Osteuropa an die Fakultät für Geschichte, Kunst- und Orientwissenschaften der Uni Leipzig berufen und der Pädagoge Prof. Wolfgang Hörner übernahm einen Lehrstuhl in der dortigen Erziehungswissenschaftlichen Fakultät. Einen sehr ehrenvollen Ruf erhielt der Mathematiker Prof. Jürgen Jost als Direktor an das neu gegründete Max-Planck-Institut für Mathematik und Naturwissenschaften in Leipzig. Der Mediziner Prof. Christian Josten wurde Direktor der Unfall- und Wiederherstellungschirurgie im Zentrum für Chirurgie der Leipziger Medizinischen Fakultät. Der Germanist Prof. Frank G. Königs wurde zum Direktor des Herder-Instituts der Philologischen Fakultät der Uni Leipzig berufen, wechselte jedoch inzwischen nach Marburg. Der Chemiker Prof. Helmut Papp übernahm einen Lehrstuhl in der Fakultät für Chemie und Mineralogie der Uni Leipzig und fungiert dort zurzeit als Dekan. Als einer der ersten Bochumer wurde der Chemiker Prof. Peter Welzel auf einen Lehrstuhl in der Fakultät für Chemie und Mineralogie der Uni Leipzig berufen. Für seine wissenschaftlichen Verdienste erhielt er inzwischen die dortige Universitätsmedaille. Der Mediziner PD Dr. Ernst-Wilhelm Schmidt ist am Klinikum Chemnitz, Lehrkrankenhaus der Uni Leipzig, tätig. Prof. Engelbert Plassmann, früherer Bibliotheksrat in der UB der RUB, fungierte als Gründungsdekan des Fachbereichs Buch und Museum der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur Leipzig (FH) und ist heute Prof. für Bibliothekswissenschaft an der Humboldt Universität Berlin. Aus eigener Erfahrung lässt sich feststellen, dass alle Kollegen mit bemerkenswertem Engagement, aber auch großer Zufriedenheit ihre Arbeit leisten oder geleistet haben. In Leipzig hat sich zudem eine sehr gutes Zusammengehörigkeitsgefühl der Ehemaligen erhalten. Sie gründeten mit Kollegen, die von anderen Hochschulen in NRW, insbesondere aus Münster, kamen, fast wie im Mittelalter eine landsmannschaftliche "bursa", d. h. sie treffen sich regelmäßig zu einem Stammtisch mit dem bezeichnenden Namen "Westfälischer Reiter". Die Entwicklung der Hochschulen in den neuen Bundesländern in Forschung und Lehre ist trotz vieler Übergangsprobleme sehr positiv zu bewerten. Sie agieren heute gleichwertig und gleichberechtigt im deutschen, europäischen und weltweiten Hochschulspektrum. Dafür mit einen Beitrag geleistet zu haben, können sich die Bochumer Hochschulen, insbesondere die RUB, durchaus rühmen. Dieser durchweg gelungene Wissenschaftstransfer ist ein positives Zeichen für das Funktionieren der notwendigen wissenschaftlichen Kooperation und ein wichtiger Beitrag zur Angleichung der Lebensverhältnisse in Ost und West. Christian Uhlig |
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| 30.11.1999 |