Ersti-Frühstück bei den Sowis
   
  Reihe "Mein erstes Semester an der RUB"
 
  Rund 4.400 neue Studierende suchen seit Oktober ihr Glück an der RUB. Eine von ihnen die 19-jährige Laura Streitbürger (sie studiert Anglistik, Sozialwissenschaft und Jura im Magisterreformmodel). Stellvertretend für alle Neuen erzählt sie ab dieser Ausgabe von ihren Erfahrungen auf dem Campus, von der ersten Vorlesung oder vom ersten Essen in der Mensa. Heute schildert sie das "Ersti-Frühstück" in der Sozialwissenschaft.
  "Montag, 4.10. bis Donnerstag, 7.10.99, Einladung zum Ersti-Frühstück ab 10 h" - so ähnlich lauteten die Worte im Ersti-Info der Fachschaft Sowi. Da ich in diesem Semester mit dem Studium beginne, habe ich mich natürlich angesprochen gefühlt. Am Dienstag folgte ich der Einladung, bewaffnet mit Notizpapier, Kuli und Kaffeetasse.
Als ich kurz vor 10 bei der Fachschaft aufkreuzte, saßen an den Tischgruppen bereits viele zukünftige Mitstudenten. Ich hatte den Eindruck, dass sich die meisten untereinander schon kannten: Entspannt saßen Kleingrüppchen an den Tischen, gemütlich vereint rund um den Aschenbecher und in scheinbar spannende Diskussionen vertieft.
Auf der Suche nach einem Platz irrte ich eine Weile durch die Reihen, bis sich mir das Prinzip der Sitzverteilung erschloss: Jeder Tisch war für einen Teilbereich der Sozialwissenschaft bestimmt. Jetzt konnte ich zielstrebig "meinen" Tisch ansteuern. Er war strategisch günstig platziert. Ich hatte nicht nur einen fabelhaften Blick auf die übrigen Gruppen, der Tisch war auch nur einen Katzensprung vom provisorischen, mit Brötchen, Kaffee, Tee, etc. bestückten Buffet entfernt.
Ich kam mit meinen Kommilitonen ins Gespräch. Wir unterhielten uns über unsere Fachkombinationen, über die Schwierigkeit, sich in den Gebäuden zurecht zu finden, über unsere schulische Vergangenheit usw. "Ich hab Lust auf einen Kaffee, aber da vorne sehe ich gar keine Tassen", sagte einer. Ich dankte innerlich meinen Bekannten, die mich über diese Facette des Unialltags (fehlende Tassen) informiert hatten. In aller Ruhe holte ich meine Tasse heraus, grinste in die Runde, und holte mir einen Kaffee. Ich fühlte mich den Anderen ganz klar überlegen, quasi als alter Unihase, aber diese Vorstellung erwies sich schon 2 Minuten später als völlig falsch.
Um 10 Uhr sollte es losgehen, also zückte ich erwartungsvoll den Kuli, wie die anderen Frischlinge auch, um Wichtiges mitzuschreiben. Und fand mich nach den kurzen Worten des Fachschaftlers unsanft auf dem Boden der Tatsachen, sprich im Kreis der anderen Erstsemester wieder. Lächelnd erzählte er uns, dass die Veranstaltung wie üblich "c.t." beginne.
Mir war plötzlich sonnenklar, dass ich wohl noch ziemlich grün hinter den Ohren war. Diese Erkenntnis hatte zufolge, dass ich mich die übrige Zeit darauf konzentrierte, die Anderen zu beobachten und den Mund zu halten. Ein höheres Semester sprach mich schließlich an, warum ich denn so still sei. Ich beichtete zerknirscht meine Selbstüberschätzung und erntete keine spöttischen Sprüche, sondern ein verständnisvolles Lächeln und die Erklärung, dass es etwa jedem Dritten so ginge wie mir. Ich solle mich nicht entmutigen lassen, sondern den Status als Frischling so oft wie möglich nutzen, um jeden mit Fragen zu löchern, der mir über den Weg läuft.
Diese Worte waren echt aufbauend. Ich denke, dass viele Andere ähnlich fühlten. Erstsemestertreffen sind eben doch wichtig, vom informativen Nutzwert nach dem akademischen Viertel ganz zu schweigen - deshalb: DANKE.
Laura Streitbürger
   
   
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31.10.1999