Kriminalistik & Archäologie
   
  Ausstellung
 
 

Leichen pflasterten ihren Weg. Die Frage ihres Ehemannes, des britischen Archäologen Max Mallowan (1904-1978), ob es ihr etwas ausmache, jemanden zu heiraten, der Tote ausgrabe, beantwortete Agatha Christie (1890-1976) lakonisch: "Ich liebe Leichen". Archäologie und Kriminalliteratur profitierten von der glücklichen Ehe. Christie begleitete den Ehemann seit 1930 regelmäßig zu Ausgrabungen, zeichnete und fotografierte die Fundstücke und griff auch in den Tiegel ihrer Gesichtscreme, um das frei gelegte Elfenbein vorsichtig von Erdbrocken zu reinigen. Bedeutende Funde legte Mallowan im nördlichen Irak frei, die er im Buch "Nimrud and its Remains" beschreibt. Während der Grabungen und auf zahlreichen Reisen ließ sich Christie vom archäologischen Drumherum inspirieren. In "Tod auf dem Nil" zieht Hercule Poirot enge Parallelen zwischen detektivischem Vorgehen und archäologischer Fundfreilegung. 1931, auf der Fahrt mit dem Orientexpress blieb die Autorin für zwei Tage im Schnee stecken. Diese Erfahrung verarbeitete sie in "Mord im Orientexpress" - bei dem, so RUB-Anglizist Prof. Reinhold Schiffer in seinem Ausstellungsbeitrag, der Titel jedoch nur orientalische Kulisse ist, da im Buch nicht ein einziger türkischer Mokka vorkommt. Die Ausstellung im Ruhrlandmuseum beginnt wie eine Reise: Ausgehend von der Victoria Station in London mit den vielen Plakaten aus der großen weiten Welt beginnt die Fahrt mit dem Orientexpress 1928 und endet 1958 bei der letzten Grabungsteilnahme in Ninive. Christie hielt sich nicht nur im Irak, sondern auch in Syrien und Ägypten auf. Die Ausstellungsmacher förderten erstmalig über 30 Jahre literarische und archäologische Segmente über die Erfinderin der Miss Marple zutage. Zur Ausstellung gibt es ein umfangreiches Begleitprogramm mit wissenschaftlichen Vorträgen, spannenden Filmnächten, politischen Podiumsdiskussionen sowie einem orientalischen Menü für DM 38 inklusive Ausstellungsbesuch. Lohnend! tas

"Agatha Christie und der Orient. Kriminalistik und Archäologie", 19.10.99-5.3.00, Ruhrlandmuseum Essen. Der Museumskatalog kostet DM 39,90.

   
   
   
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31.10.1999