| Mommsen sprach | |
| Vortrag zur NS-Rüstungsindustrie | |
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In Erinnerungen an die Wirtschaft des "Dritten Reichs" und auch in wissenschaftlichen Publikationen wird immer wieder das Bild eines Modernisierungsschubs gezeichnet, der vor allem die Industrie einer erheblichen Dynamik unterworfen und für eine hohe Akzeptanz des NS-Regimes in der Bevölkerung gesorgt habe. Prof. em. Dr. Hans Mommsen (Fakultät für Geschichtswissenschaft der RUB) widerlegt in seinem Essay diese Ansichten als Mythos. Anhand konkreter Beispiele aus der Industrie und vor allem der Rüstungsproduktion weist er nach, dass die Wirtschaft des "Dritten Reiches" nicht rationeller und moderner organisiert war als die der Weimarer Republik. Die Behinderung der Grundlagenforschung und die Vernachlässigung der Infrastruktur bewirkte ebenso wie die kurzfristigen Reaktionen auf Produktionsengpässe und Rüstungserfordernisse keine Produktivitätssteigerung. Die erheblichen Leistungen der Kriegswirtschaft verdankten sich vielmehr dem lmprovisationsvermögen der beteiligten Manager und Rüstungsbürokraten und dem rücksichtslosen Raubbau an Menschenleben, der zum massenhaften Tod durch Arbeit der ausländischen Zwangsarbeiter führte. Mommsen kommt zu dem Ergebnis, dass es im "Dritten Reich" statt zu einem Modernisierungssprung eher zu einer Stagnation kam. Erst in der Nachkriegszeit kam es, unter den Bedingungen der Marktwirtschaft, zur Entfaltung vorhandener Potentiale und damit zu einem Modernisierungsschub in der deutschen Wirtschaft. ad
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| Hans Mommsen: Der Mythos von der Modernität. Bemerkungen zur Rüstungsindustrie im "Dritten Reich"; Stuttgarter Vorträge zur Zeitgeschichte, Bd. 4, 64 S., brosch., 18,-; Klartext Verlag, Essen 1999 | |
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| 30.09.1999 |