| Vermittler zwischen allen Stühlen | |
| Bochumer Geograph macht Unternehmen Umweltschutz schmackhaft | |
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| Seit zwei Jahren ist Stefan Christochowitz sein eigener Chef.
Noch ist seine Firma Decon ein Ein-Mann-Unternehmen, was sich allerdings
bald ändern soll. Decon nimmt Firmen Arbeit
ab, indem es Genehmigungsverfahren abwickelt, Produktionsabläufe optimiert
und auf ökologische Arbeitsweise achtet. Stefan Christochowitz kommt aus Nürnberg, wo er auch sein Grundstudium der Geographie absolvierte. Da es dort keinen Diplomstudiengang gab und er außerdem "weg aus Bayern in die sprichwörtliche große Freiheit des Ruhrgebiets" wollte, hat es ihn an die RUB verschlagen. Schon während der letzten beiden Jahre seines Studiums hat er als studentische Hilfskraft in Projekten mitgearbeitet, z. B. ein Bodenkataster für die Stadt Hamm erstellt. Nach dem Diplom arbeitete er zwei Jahre lang bei einer Dortmunder Firma, bis diese in Konkurs ging. Chistochowitz war ein Jahr lang arbeitslos, aber nicht untätig. Nach Fortbildung und freier Mitarbeit stand 1997 die Entscheidung fest: der Sprung in die Selbständigkeit. "Der Wunschjob war nicht in Aussicht und die Idee, mein eigener Chef zu werden, war nicht neu, nur hatte ich mir das nicht so schnell und nicht im Alleingang vorgestellt", begründet er den Entschluss. Zuerst hat er sich gründlich informiert: beim Arbeitsamt, bei der IHK, bei der Wirtschaftsförderung, in Zeitungen. Nur so konnte er die nötigen Fördermittel beschaffen, denn eigenes Startkapital hatte er nicht. Als das geschafft war, ging der Stress allerdings erst richtig los: Buchführung und Akquisition waren Neuland, Mitarbeiter noch zu teuer, 60 bis 70 Stunden Arbeit in der Woche normal und an Urlaub nicht zu denken. Am Ende mancher Monate war "weniger als die Sozialhilfe" zum Leben übrig. "Aber bereut habe ich den Schritt nicht", sagt er, "die Strapazen wurden durch den Spaß an der Sache aufgewogen." Die Lorbeeren für gute Arbeit selber einstreichen zu können, von Verhandlungspartnern als ebenbürtig angesehen zu werden, die Arbeit nach eigenem Gutdünken erledigen zu können, all das sei in einem Angestelltenverhältnis nicht möglich. Heute sieht es für Decon schon weit besser aus: die Kunden kommen teilweise von selbst, Folgeaufträge belohnen das Engagement. Hauptsächlich berät Christochowitz Behörden und Betriebe bei Genehmigungsverfahren und der Umsetzung der Agenda 21, dem Umwelt- und Sozialplan der Vereinten Nationen. Außerdem hält er landesweit Vorträge zu diesen Themen und hat einen Leitfaden geschrieben. Immer wieder sitzt er als Vermittler mit allen Parteien an einem Tisch. Wenn z. B. eine Firma den Bau eines neuen Werks genehmigen lassen will und eine Bürgerinitiative dagegen protestiert, versucht er zu schlichten. Das heißt aber nicht, dass er sein eigenes Umweltengagement als Jugendsünde begraben hat: "Man muss den Unternehmen den Umweltschutz schmackhaft machen" ist seine Devise, denn "Umweltschutz ist immer noch Kostensache." Ein Unternehmen könne z. B. einen Imagegewinn erzielen und Abfallgebühren einsparen, indem es ökologisch produziert, das müsse man den Verantwortlichen zeigen. "Außerdem nehme ich nicht jeden Auftrag an. Wenn ich z. B. weiß, das Unternehmen ist an Kernenergie beteiligt, sage ich ab." Decon selbst tut sein Möglichstes: "Aufs Auto kann ich nicht verzichten, aber es muss ja kein dicker Dienstwagen sein. Und überflüssige Wege erspare ich mir, indem ich mit meinen Partnern im Netzwerk arbeite." Zukünftigen Existenzgründern rät Christochowitz, sich vor allem gut zu informieren, Kontakte schon während des Studiums aufzubauen und zu pflegen und Förderprogramme in Anspruch zu nehmen. Gerade im Dienstleistungsbereich dürfe man sich nicht von der Skepsis der Banken einschüchtern lassen. Dass jeder junge Unternehmer seine Krisen habe, sei normal, wichtig sei es, gegenseitig Erfahrungen auszutauschen und durch Ausdauer und Idealismus das Tief zu überwinden. Dass man da genau wissen muss, was man will, versteht sich von selbst. "Einen Versuch ist es auf jeden Fall wert, und nachdem ich den schweren Anfang durchgestanden habe, bin ich stolz", ist sein Fazit nach zwei Jahren. Nur ein großer Wunsch ist bisher unerfüllt geblieben: "Ich brauche dringend mal Urlaub!" Meike Drießen |
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| Decon sucht übrigens immer mal wieder studentische Hilfskräfte, Kontakt: Stefan Christochowitz, Ilandstraße 42, 44579 Castrop Rauxel, Tel. 02305/546916 o. 0171/4852059, Fax: 02305/546917, Email: Christo@decon-online.de, Internet: www.decon-online.de | |
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| 30.09.1999 |