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Rubentem dicere verum, errötend die Wahrheit sagen - das
ist, frei nach Horaz, das Motto eines faulen Professors, der im folgenden
seine geheimen Gedanken outet.
Oh Schreck: Die Semesterferien, irreführend auch Vorlesungsfreie Zeit genannt,
sind bald vorüber! Nach drei Monaten dolce far niente soll man wieder lehren?
Vorbei die schönen Tage, die müßig dahingingen mit der Abfassung eines Forschungsberichts,
zweier läppischer Kongressbeiträge, eines Projektantrags und eines Habilitationsgutachtens,
mit der Lektüre von Hausarbeiten, der Korrektur von Examensklausuren und
der Durchführung eines Ferien-Workshops! Wären da nicht wenigstens außerordentliche
Seminar-, Fakultäts- und Senatssitzungen im Rahmen des Qualitätspakts gewesen
- man wäre glatt vor Langeweile gestorben. Und das soll bald alles wieder
anstrengender Lehre weichen? Acht volle Wochenstunden
lästigen Studenten widmen, Sprechstunden noch nicht eingerechnet?
Doch zum Glück ist alles halb so schlimm: Man braucht sich ja praktisch
nicht mehr vorzubereiten, und den Rest übernehmen die Assistenten. Außerdem
hat man ja noch genügend Freizeit: das bißchen Geschäftsführung, die neue
Studienordnung, der Lehrbericht, das Erichsen-Papier - alles schnell gemacht.
Beim Prüfungsvorsitz kann man so schön dösen, und am Wochenende flüchtet
man sich einfach in die Forschung. War da nicht noch eine Berufungskommission
und eine Interessenvertretung? Ach was - Kinkerlitzchen! Und zwischendurch
mal eben einen Sammelband herausgeben, ein paar Rezensionen schreiben und
einen Vortrag konzipieren für die Lehrerfortbildung, das macht keine Mühe,
ist bloße Routine. In ein paar Wochen sind Semesterferien, und vielleicht
streiken ja die Studenten wieder. Gut, das Freisemester ist seit
Jahren überfällig, aber eigentlich merkt man sowieso keinen Unterschied.
Und wenn man erst mal Dekan ist, bekommt man ja ohnehin Deputatsminderung.
IGEL (Autor ist der Redaktion bekannt) |