Sie kamen nach der Flut
   
  Chinesische Hochwasserexperten zu Gast
 
  1 Mio. Flutopfer, untergebracht in Zelten und Baracken, 3.656 Tote, 2,5 Mio. Hektar überschwemmtes Land, 5,6 Mio. eingestürzte Häuser und 23 Mio. Stück totes Vieh, so lautete die offizielle Bilanz zur Flutkatastrophe am Jangtse im Oktober 1998. Die nächste Flut ist garantiert. "Solche Ereignisse wie das Hochwasser am Jangtse wiederholen sich alle 30 bis 50 Jahre", erklärte Dr. Andreas Schumann (Lehrstuhl für Hydrologie, Wasserwirtschaft und Umwelttechnik, Prof. Gert A. Schultz).
Zusammen mit den Wissenschaftlern Japheth Onyando (Kenia), Dipl.-Ing. Dr. Markus Quirmbach (RUB) und Dr. Zongxue Xu (China) informierte er am 17. Mai im Staatshochbauamt der RUB über Forschungsarbeiten des Lehrstuhls auf dem Gebiet der Hochwasservorhersage und des präventiven Hochwasserschutzes. Interessierte Zuhörer waren Jiang Deng (Direktor der staatlichen Zentrale für Hochwasser und Dürrebekämpfung in der VRR China) und 27 chinesische Hochwasserexperten. Sie reisten auf Einladung der Carl-Duisberg-Centren zu verschiedenen Infoveranstaltungen in Europa.
Der Deichbau am Jangtse hat in China eine lange Tradition. Die ersten Deiche wurden 1540 gebaut. Nach und nach wurde dem Fluß sein natürliches Überschwemmungsgebiet genommen, die Sedimentfracht konnte sich nur noch im eigenen Flußbett ablagern. Entsprechend mußten die Deiche erhöht werden. Der Jangste fließt heute auf einem rund 15 m erhöhten Niveau. Die Deichlinie ist 64.000 km lang, davon sind 13.300 km mehr als 20 m hohe Hauptdeiche.
Die Zahl der Poldergebiete, die Wasser aufnehmen und damit den Hochwasserwellen ihre Spitzen nehmen können, ist von 1949 bis 1977 um 60 % gesunken. Jeder Deichbruch wird zur Katastrophe, da weite Teile des Hinterlandes überschwemmt werden. Ein Drittel der Bevölkerung Chinas lebt in diesen Gebieten, rund 40 % der Agrar- und Industrieproduktion des Landes werden hier erzeugt.
Nach den vier Flutwellen des letzten Jahres wurde inzwischen für alle Naturwälder in den Provinzen Sichuan und Yunnan ein Holzschlagverbot erlassen. Zehntausende Dorfbewohner von Poldergebieten wurden umgesiedelt, um dem Strom seine Überlaufflächen wiederzugeben.
Die chinesischen Gäste informierten sich auf ihrer Reise über europäische Ansätze: so z.B. beim Service des Grands Lacs de Seine in Paris über operative Maßnahmen im Akutfall, an der RUB über Vorausberechnungen der Flutwellen mit Computertechnik und Niederschlagsvorhersagen mittels Radar und beim Ruhrverband in Essen über die Talsperrenbewirtschaftung mit Datenfernübertragung. Petra Wahl
   
 
zurückblättern zur Themenübersicht weiterblättern

30.06.1999