Studierende und Kultur
   
  Wissenschaftliche Studie
 
  Nach der Generation X kommt die Infotainment- und Fun-Generation? Die Erstsemester kennen Bücher noch aus Papis Regal, für sie ist Dostojewski eine neue Wodkamarke? Falsch. Viele Sozialwissenschaftler haben in der grauen Theorie über fehlende Kommunikationsmöglichkeiten für und über die mangelhafte Ausbildung der Studierenden an den Massenunis philosophiert. Mit Dr. Martin Bischoff (Angewandte Sozialforschung der RUB) hat jetzt erstmals ein Wissenschaftler genau gefragt, welche Studierenden sich warum für Kultur auf dem Campus interessieren. Überraschendes Ergebnis: Überproportional viele Erstsemester nehmen das kulturelle Angebot für Studierende an.
Als Motiv wird im wesentlichen "die Möglichkeit, Leute kennenzulernen" genannt. Neben der Integration in das Campusleben wollen die Studierenden ihre kommunikativen und sozialen Fähigkeiten verbessern. Knapp 50% der Befragten messen dem Kulturangebot sehr große bzw. große Bedeutung zu. 20% sind im Durchschnitt vier Stunden pro Woche kulturell aktiv. Das kommt etwa im Maschinenbau- oder Jurastudium oft zu kurz.
Die Ergebnisse der Studie sind im übrigen für alle Massenunis relevant, so Bischoff. Das kulturelle Angebot für Studierende ist ein wichtiger Faktor gegen die typischen Nachteile einer großen Hochschule, wie etwa mangelnde Kommunikations- und Gestaltungsmöglichkeiten. Der RUB fehlt der "Kuschelfaktor", den die kleinen Ostunis offensichtlich besitzen. In Bochum wird dem seit zwölf Jahren mit der studentischen Kulturarbeit von boSKop entgegengewirkt. Mittlerweile ist boSKop als Institution auf dem Campus nicht mehr wegzudenken. Jedes Semester werden mehr als 40 Kurse von Tai Chi bis Jazzimprovisation angeboten. Weiterhin unterstützt boSKop studentische Gruppen und Projekte bei der Umsetzung kultureller Aktivitäten. Uwe Kleinkes
  Die Studie "Studierende und Kultur in Bochum - Eine empirische Studie am Beispiel der Bochumer Studentischen Kulturoperative (boSKop)" von Martin Bischoff ist zu beziehen beim Tectum Verlag, Am Rödchen 13, 35043 Marburg, Tel. 06421/4815523.
 
zurückblättern zur Themenübersicht weiterblättern

30.06.1999