Beliebter Lehrer
   
  Professor Martin überraschend verstorben
 
  Die Fakultät für Ostasienwissenschaften der RUB trauert um Prof. Dr. Helmut Martin, der in der Nacht zum 8. Juni überraschend verstorben ist. Mit ihm verliert die deutsche Sinologie einen ihrer engagiertesten und international bekanntesten Vertreter, einen bei seinen Studierenden beliebten Lehrer und einen außerordentlich produktiven Wissenschaftler, der als Kollege überdies wie nur wenige stets in der Lage war, neidlos die Qualitäten anderer anzuerkennen. Die Ruhr-Uni wird ihm stets ein ehrenvolles Andenken bewahren.
Helmut Martins Schwerpunkt innerhalb der Sinologie war die moderne chinesische Literatur, deren Erforschung und Vermittlung er mehrere Hundert Publikationen gewidmet hat. Ein besonderes Anliegen war ihm in den letzten Jahren die im Ausland wenig bekannte Literatur Taiwans. Als anregender und um die Förderung des Nachwuchses besonders bemühter Lehrer zog er eine große Zahl von Studierenden nach Bochum. Auch in der akademischen Selbstverwaltung und in der Wissenschaftspolitik brachte er seinen Ideenreichtum und seine Fähigkeit zu perspektivischem Denken gewinnbringend ein. Gemeinsam mit seiner Frau Tienchi Martin-Liao wurde er zum wohl wichtigsten sinologischen Förderer der chinesischen Demokratiebewegung auf dem Festland wie auf Taiwan, für die er auf vielen Veranstaltungen und durch zahlreiche Stellungnahmen öffentlich seine Stimme erhob. Außerdem wurde er immer wieder von Regierungsstellen als Berater konsultiert.
Helmut Martin, geboren 1940 in Kassel, studierte Sinologie und Slawistik in München, Belgrad, Paris und Heidelberg. Seit 1979 war er Professor für Sprache und Literatur Chinas an der RUB. Daneben lehrte er als Gastprofessor an einer Reihe von Universitäten in Ostasien und den USA. Martin war außerdem Gründer und erster Direktor des Landesspracheninstituts NRW. Einen Ruf an die Uni Tübingen lehnte er ab und gründete statt dessen 1993 an der RUB das Richard-Wilhelm-Übersetzungszentrum - eines von weltweit drei Übersetzungszentren für chinesische Literatur, das seitdem mit zahlreichen Übertragungen für die Verbreitung moderner Literatur Chinas und Taiwans im deutschen Sprachraum gesorgt hat. Zudem war Martin Vorsitzender der Deutschen Vereinigung für Chinastudien und Herausgeber von mehreren China-kundlichen Publikationsreihen. jk
   
 
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30.06.1999