Außergewöhnliche Persönlichkeit
   
  Ehrendoktorwürde für Berthold Beitz
 
  Die Fakultät für Geschichtswissenschaft der RUB würdigte mit Prof. Dr. h.c. mult. Berthold Beitz eine der ehemals führenden Persönlichkeiten der Industrie. Die Verleihung des Grades eines "Doktors der Philosophie ehrenhalber" erfolgte auf einem Festakt am 15. Juni im Musischen Zentrum der RUB in Anwesenheit des künftigen Bundespräsidenten Johannes Rau.
Gut für die Region ist, was dem Wissenschaftsstandort Ruhrgebiet nützt - so etwa könnte man das Wirken Berthold Beitz' in den vergangenen drei Jahrzehnten zusammenfassen. Er hat seit Gründung der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung deren Kuratorium geleitet und, wie schon zuvor als Unternehmer, den Aufbau der Ruhr-Uni wohlwollend begleitet.
Sein untadeliges, Beispiel setzendes Verhalten in der Zeit des Nationalsozialismus hat die Fakultät für Geschichtswissenschaft veranlaßt, diese beeindruckende Persönlichkeit der Zeitgeschichte auszuzeichnen. Beitz wirkte seit 1941 als kaufmännischer Leiter eines Energiekonzerns im besetzten Polen. Er hat in dieser Funktion, unter den Bedingungen und dem Eindruck der terroristischen Besatzungsherrschaft, Menschlichkeit bewiesen und gezeigt, daß sich ein einzelner Verantwortlicher fürsorglich, schützend und lebenswahrend verhalten konnte. Er handelte aus zutiefst humanitärem Impuls und lehnte deshalb den Nationalsozialismus ab. Sein Abscheu gegen die Gewaltherrschaft verstärkte sich durch das erzwungene Miterleben von Massakern und Pogromen. Er rettete jüdische Menschen, indem er sie, entgegen den Befehlen der Besatzer, aus den zur Tötung bestimmten Transporten oder an den Sammelstellen reklamierte und in seiner Firma schützend beschäftigte. Erst die Einberufung zum Kriegsdienst setzte seinem Wirken ein Ende. jk
   
 
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30.06.1999