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Nun ist er da, der erste Mann: Prof. Dr. Robert W. Connell,
der derzeit als erste Instanz in Sachen kritische Männer- und Geschlechterforschung
gilt, hat zum Sommersemester die seit 1994 erstmals männlich besetzte Marie-Jahoda-Professur
für Frauenforschung angetreten. Nachdem ihn seine neuen Kolleg/innen und
eifrigen Helfer/innen freundlich begrüßt haben und er sein noch etwas karges
Büro bezogen und wichtige Fragen geklärt hat - "Where
does one get a haircut?" - , will er sich der Erforschung des deutschen
Mannes widmen.
Deren Artgenossen in seiner Heimat Australien, in Südafrika und in Amerika
hat er schon untersucht und ist nun neugierig auf Unterschiede zu Europäern.
Durch seine internationale Tätigkeit möchte Connell zur besseren Zusammenarbeit
in der Forschung beitragen und "Wissenschaft für ein demokratisches Zusammenleben
nutzbar machen". Seine Untersuchungen sind ein kleiner Schritt auf dem immer
noch weiten Weg zur Gleichheit der Geschlechter. Er betrachtet sich als
Teil einer "New Wave" der Männerforschung in einer Zeit der Krise der Maskulinität.
Denn besonders die Frauenbewegung hat erheblichen Einfluß auf die Rolle
der Männer. Und so ist Connell natürlich auch
auf die deutsche Frau gespannt. Seiner Erfahrung nach sind Veranstaltungen
zum Thema "gender" bei Frauen sogar beliebter als bei Männern. Nennt er
das Thema allerdings "masculinity", ist das Verhältnis etwa gleich. Andere
Fragen lauten: Wie "machen" und "besitzen" Männer Männlichkeit? Welchen
Veränderungen unterliegt sie im Leben des einzelnen Mannes und dem ganzer
Bevölkerungsgruppen? Wie wird sie durch die fortschreitende Globalisierung
beeinflußt? Interessierte können Connell am 2. Juni beim Workshop "Geschlechterforschung
und Geschlechterdemokratie" in der Bochumer Verwaltungs- und Wirtschaftsakademie,
10-18 Uhr erleben oder bis Anfang Juli an seinen Vorlesungen teilnehmen.
Meike Drießen |