15 Jahre Hilfe für ausländische Studierende
   
  Jubiläum eines Bochumer Vereins
 
  Viele reden ja viel über die dringend notwendige Verbesserung der Attraktivität des Studienplatzes Deutschland sowie der Studienbedingungen von ausländischen Studierenden in unserem Land, einige tun etwas konkret - und das schon seit langem. So wurde vor 15 Jahren in Bochum der Verein "Hilfe für ausländische Studierende in Bochum e.V." gegründet. Die Gründung geht auf eine Initiative von Vertretern der Bochumer Hochschulen, der Asten der RUB sowie der FH und der beiden Studentengemeinden zurück. Die Schirmherrschaft über den Verein haben die Rektoren von RUB und FH Bochum übernommen.
Inzwischen hat der Verein 75 Mitglieder - eigentlich bei der Größenordnung des wissenschaftlichen und nichtwissenschaftlichen Personals an den Hochschulen viel zu wenige. Diese Initiative ist in ihrer Art etwas besonderes in der deutschen Hochschullandschaft, ist es hier doch gelungen, eine enge Zusammenarbeit mit den Asten der beiden Hochschulen zu erreichen.
Beide Gremien finanzieren etwa zwei Drittel des Vergabefonds, ein Drittel kommt durch Spenden, insbesondere von Hochschulmitgliedern, sowie durch Mitgliedsbeiträge und sonstige Spender, z. B. den Lions Club, herein. Die Asten könnten in diesem Jahr - wenn alles klappt - tatsächlich die allgemein Forderung erfüllen, daß je Student DM 1,- aus den Sozialbeiträgen für eine solche Solidaritätsmaßnahme zugunsten der ausländischen Studierenden zur Verfügung gestellt wird. Darum kämpft man an anderen Hochschulen bisher meist vergeblich.
Was ist denn der konkrete Hintergrund für die Notwendigkeit solcher Hilfe? Es ist bekannt, daß der größte Teil der ausländischen Studierenden an deutschen Hochschulen sich traditionell selbst finanzieren muß, also kein Stipendium erhält. Aber, wenn man sich die wichtigsten Herkunftsländer der Studierenden ansieht - Iran, Palästina, Marokko, Korea, Türkei, afrikanische und asiatische Länder der Dritten Welt und inzwischen im zunehmenden Maßnahme Osteuropa -, so wird auch dem Laien klar, daß es den dort lebenden Familien außerordentlich schwer wird, die Studien ihrer Kinder voll und regelmäßig zu finanzieren. Wollen wir deshalb darauf verzichten, zur Ausbildung dieser später tragenden Schichten in diesen Ländern beizutragen? Das kann ja wohl weder der Sinn unserer Ausbildungsangebote noch unser Interesse sein.
Tatsächlich ist aber festzustellen, daß aufgrund der materiellen Schwierigkeiten der Familien in Übersee - Armut, Inflation, Währungsabwertung - die wirtschaftliche Situation ihrer studierenden Kinder hier äußerst prekär werden kann. So wurden im letzten Jahr die koreanischen Studierenden durch die Währungsabwertung in ihrem Land besonders getroffen. Das bedeutet, daß das Nötigste für den Lebensunterhalt, auch der Kinder, fehlt, daß Miete, Krankenkasse und Sozialbeiträge nicht gezahlt werden können. Dadurch wird das Studium stark gefährdet, zumindest aber in die Länge gezogen. Ein Ausgleich durch Jobben, also Werkarbeit, ist aufgrund der Arbeitsmarktlage, der ausländerrechtlichen Bestimmungen sowie des durch Prüfungen vorgegebenen Zeitplanes nur begrenzt möglich. Die Folge ist Armut und damit oft verbunden Verzweiflung.
Tatsächlich muß man davon ausgehen, daß die größte soziale Not im Hochschulbereich sich bei vielen ausländischen Kommilitoninnen und Kommilitonen findet, denn diese haben kein soziales Netz im Hintergrund! Der Hilfsfonds "Hilfe für ausländische Studierende in Bochum" versucht, die größten und gefährlichsten Lücken durch eine prinzipiell einmalige Nothilfe, die Zahlung von Miete, Krankenkassenbeitrag oder Lebensunterhaltszuschuß, zu schließen und damit den Anschluß an sonstige Zahlungen zu erreichen, um das Weiterstudium zu sichern.
Weit über 5.000 ausländische Studierende gibt es in Bochum, in etwa 250 bis 300 Fällen pro Jahr können wir helfen. 1997 konnten wir dafür DM 126.000,- als Unterstützungszahlungen zur Verfügung stellen - DM 70.000,- von den Asten und DM 56.000,- aus Spenden und Mitgliedsbeiträgen. Das sind ganze DM 420,- pro Fall! Es bleibt ein Tropfen auf den heißen Stein, aber er hilft!
Ohne die Bereitschaft zu Spenden seitens der Mitglieder der Hochschulen und aus deren Umfeld könnten wir nicht so viel tun, das ist wahr. Aber vielleicht könnte es noch mehr sein. Wenn nicht nur die Studenten über die Asten zum Fonds beitrügen, sondern jedes - verdienende - Mitglied der Hochschule nur jährlich DM 20.- beisteuerte, könnten wir für DM 100.000,- mehr Hilfe leisten. Bitte denken Sie mal daran!
Es ist übrigens erfreulich, daß immer wieder engagierte Hochschullehrer/innen auch unsere Adresse für Spenden zum runden Geburtstag, zur Emeritierung oder für sonstige Anlässe nutzen. Darüber freuen wir uns sehr, denn das hilft konkret.
Wenn Sie mehr über uns wissen wollen, schreiben Sie uns, oder am besten werden Sie gleich unser Mitglied (erwünschter Jahresbeitrag DM 100,- = ein Krankenkassenbeitrag/Monat). Übrigens: Zum Unifest (2. Juni) betreiben wir das Café Welt zugunsten der Hilfe für ausländische Studierende. Dort können Sie für einen guten Zweck Kaffee trinken und Kuchen essen - und Informationen bekommen. Geht's noch einfacher?
Christian Uhlig
  Kontakt: "Hilfe für ausländische Studierende in Bochum e. V.", PF 25 03 24, 44741 Bochum oder: Institut für Entwicklungsforschung RUB, GB 1/58. Spendenkonto: Sparkasse Bochum (BLZ 43050001), Konto 33304700.
 
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31.05.1999