Helden wie wir
   
  Studentisches Theater Zwei
 
  Nach "Blut, Galle, Wasser, Schleim" und "Brecht nicht so romantisch" stellt die Bühne Bernhardiner Bochum diesmal einen "Helden wie wir" vor: Klaus Uhltzscht. Uhltzscht, ehemals Flachschwimmer, Toilettenverstopfer und Sachenverlierer aus dem Osten Berlins, Erfinder der Perversionskartei, Klappkartenträger, selbstgekürter Nobelpreisanwärter, ist derjenige, der die Berliner Mauer öffnete. Die Geschichte seines verklemmungs- und obsessionsreichen Erwachsenwerdens brennt Autor Thomas Brussig als Feuerwerk respektlos-phantastischer Einfälle ab.
So wie Oskar Mazerath, der Wachstumsverweigerer von Günter Grass, zum Menetekel der nationalsozialistisch anfälligen Kleinbürgerwelt wurde, ist Klaus Uhltzscht die satirische Verkörperung des Identitätsverlusts im real existierenden Sozialismus und der Sinnentleerung eines von Tabus beherrschten Lebens überhaupt. Seine um Verdrängung und Allmachtswahn kreisende Selbstdarstellung, seine Unfähigkeit, jemals etwas zu begreifen oder gar zu durchschauen, wirken herrlich komisch in zahllosen Details und grotesk-beklemmend im Ganzen.
Das Stück (Inszenierung: Heiner Fangerau-Lefèvre) ist eine glänzende Satire auf unsere Zeit, geschrieben mit dem kühlen Zorn eines jungen Autors, der leben will und welthistorischen Experimenten gründlich mißtraut. ad
  Termine: 6./9./11./12./17./18.6., je 20 h, 20.6.,11.30 h (Matinee), Medizinhistorische Sammlung der RUB, Malakowturm, Markstraße 258a, 44799 Bochum, Haltestelle Glücksburger Straße
 
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31.05.1999