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Wußten Sie, daß es in Bochum vier Hochschulen gibt? Und wissen Sie eigentlich,
was hinter den verschlossenen Türen der Labors und Institute passiert?
Die RUB, die Fachhochschule Bochum (FH), die Technische Fachhochschule
Georg Agricola (TFH) und die Evangelische Fachhochschule Rheinland-Westfalen-Lippe
(EFH) wollen erstmals gemeinsam Antworten geben und sich den Bürgern vorstellen
- in Wort und Bild, mit Vorträgen und im Dialog, mit Anfaß- und Erlebbarem.
Hier sind alle Sinne angesprochen: Da dienen z. B. Äpfel als Aufhänger
für einen wissenschaftlichen Vortrag über Qualität mit dem Titel "Schmeckt's?",
und die Besucher sollen anschließend selbst herausfinden, was Qualität
ist. Ein Inline-Skater dreht seine Runden, während Sportmediziner die
drahtlos übermittelten Belastungsmessungen am PC darstellen - eine "Modesportart
unter der Lupe". Im virtuellen akustischen Labor kann man "vorbeihören"
und sich zeigen lassen, wie reale Hörerlebnisse mittels Computer erzeugt
werden. Den Einkaufszettel eben noch im Kopf gehabt, aber auf dem Weg
zum Supermarkt die Hälfte schon wieder vergessen? Psychologen demonstrieren,
warum unser Gedächtnis uns zuweilen Streiche spielt, und laden die Besucher
zum Selbsttest ein.
Alles Infotainment? Nein, aber auf die Art der Darstellung kommt es an.
Hinter den 63 Exponaten stecken laufende oder abgeschlossene Forschungsarbeiten,
die eins gemeinsam haben: Sie sind ein Ausschnitt
der umfangreichen Palette an Forschungsaktivitäten der vier Hochschulen.
Sie zeigen, was hinter den sonst verschlossenen Türen passiert, sprich,
wofür die Bürgerinnen und Bürger einen Teil ihrer Steuern zahlen und welchen
Gegenwert sie dafür erhalten. Weniger Grundwasserbelastung in Garzweiler;
ein neuartiges, hochpräzises Teleskop, mit dem die RUB auch auf der EXPO
2000 vertreten ist; ein verbesserter Seitenaufprallschutz für Pkw und
der Ausbau der noch jungen Disziplin Pflegeforschung zur Qualitätssicherung
oder -steigerung bei der Betreuung alter und kranker Menschen - auch das
sind Forschungsaktivitäten, die auf dem Dr.-Ruer-Platz präsentiert werden.
So kombiniert der "Treffpunkt Forschung" das Angenehme mit dem Nützlichen.
Ein Rahmenprogramm mit Musik und Kabarett begleitet die wissenschaftlichen
Darbietungen, auf zwei Bühnen finden Podiumsdiskussionen und Vorträge
statt. All dies geht weit über den ursprünglichen Messecharakter der Veranstaltung
hinaus.
Und so verschieden wie die Präsentationsformen und Themen aus Geistes-,
Natur- und Ingenieurwissenschaften sowie Medizin sind, so unterschiedlich
soll auch das Zielpublikum sein. Kurz: Alle sind eingeladen, sich am "Treffpunkt
Forschung" über das zu informieren, was sie interessiert. Ob Angehörige
der Hochschulen - Studierende, Mitarbeiter, Lehrende -, ob Studierende
von morgen oder Absolventen, ob Enkeltochter oder Großvater, für jeden
Geschmack ist etwas dabei. Die EFH bietet in einem der kleineren Zelte
eine Kinderbetreuung an.
Das leidige Schlagwort vom "Standort" ist in den letzten Jahren allzu
oft strapaziert worden. Dennoch: Bei aller Unterhaltung und Information
der Bürger hat auch der "Treffpunkt Forschung" einen politischen Hintergrund.
In Zeiten knapper Kassen und der wachsenden Konkurrenz unter den Hochschulen
geht es vor allem um die Legitimation von Wissenschaft, speziell von Forschung,
in der sog. "öffentlichen Meinung". An die allgemeine Frage "Warum brauchen
wir Wissenschaft" schließt sich die konkrete Frage an: "Warum
brauchen wir Wissenschaft ausgerechnet in Bochum?" Darauf versuchen
die Hochschulen eine Antwort zu geben. "Mit diesem Projekt wollen wir
Ihnen die Vielgestaltigkeit unseres Hochschul- und Forschungsstandortes
vorstellen und zugleich auf unsere verstärkten Kooperationsanstrengungen
hinweisen.
Alle vier Hochschulen verstehen sich als Teil der Region, wollen gemeinsam
zum Strukturwandel des Ruhrgebiets beitragen", heißt es daher im Vorwort
der vier Rektoren im Programmheft. Und nicht zuletzt wegen dieser politischen
Bedeutung hat Ministerpräsident Wolfgang Clement die Schirmherrschaft
übernommen, er wird den "Treffpunkt Forschung" zudem mit einer Rede eröffnen.
Die Organisatoren und Veranstalter stoßen auf eine breite Zustimmung.
Zu der ideellen Unterstützung durch Politiker gesellt sich die tatkräftige
Mithilfe der Stadt Bochum und der IHK zu Bochum, die sich von Anfang an
als Partnerinnen der vier Hochschulen engagiert haben. Und auch in der
Wirtschaft blieb das Anliegen, zum Gelingen dieser bisher einzigartigen
Veranstaltung beizutragen, nicht ohne Gehör. Als Hauptsponsoren konnten
die Sparkasse Bochum, der USB (Umweltservice Bochum), die WAZ, die IG
Metall, die Viterra AG (vormals VEBA Immobilien AG) sowie die Firmen Silicon
Graphics und Parametric Technology gewonnen werden. Weitere kleinere Engagements,
z. B. in Form von Exponatpatenschaften, zeigen, daß es nicht unmöglich
ist, mit einer attraktiven Darstellung von Wissenschaft finanzielle Unterstützung
einzuwerben - wenn auch nicht ganz kostendeckend, so doch zum Teil. Und
in Zukunft vielleicht noch mehr. jw
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