Ärger im AkaFö
   
  Verwaltungsausschuß gegen Geschäftsführer: Schuldzuweisungen statt Zusammenarbeit - Folge: Wissenschaftsministerium bestimmt Wirtschaftsplan von oben
 
 

"Mit der Einführung eines neuen Studentenwerkgesetzes wurde in den Führungs- und Kontrollorganen erstmals die Option einer studentischen Mehrheit etabliert", freute sich kürzlich das AStA-Organ BSZ (Nr. 500, 14.4.99) und verwies auf die Mehrheitsverhältnisse in Verwaltungsausschuß und -rat des AkaFö. Beiden Gremien sitzt ein Student vor.
Offensichtlich hat man sich zu früh gefreut. Nur wenige Tage später (27.4.99) brachte der AStA ein Flugblatt unters Volk, indem den Studenten in den genannten Gremien eine "ausländerfeindliche Politik" vorgeworfen wird. Anlaß ist der angebliche Versuch des Ausschusses, die Ausländer/innen-Beratung von AkaFö und AStA zu kippen.
Parallel dazu bekam die RUBENS-Redaktion Besuch vom AkaFö. Ein Mitglied aus der Führungscrew (das anonym bleiben möchte) berichtete von den Zuständen im AkaFö: Die Arbeit werde momentan vom Verwaltungsausschuß erheblich behindert, der Vorsitzende habe nichts besseres zu tun, als morgens in den Büros aufzulaufen und "Tagesbefehle" auszugeben ("Alle Haushaltsordner seit 1994 kopieren!"). Zudem gebe es Probleme mit dem von der Geschäftsführung vorgelegten Wirtschaftsplan für 1999, der noch nicht verabschiedet ist. Grund sei ein Minus von rund 2 Mio. DM, das der Ausschuß nicht akzeptiere. Momentan bastele der Ausschuß an einem eigenen Entwurf für den Wirtschaftsplan. Darin tauche die Ausländer/innen-Beratung nicht mehr auf. Dies bestätigte unaufgefordert ein weiterer Mitarbeiter des AkaFö (der ebenfalls nicht genannt werden möchte).
Schließlich wurde zeitgleich offiziell bekannt, daß das vom AkaFö geplante Campus-Café vom Ausschuß gestoppt wurde. Wir baten daraufhin die studentischen Mitglieder im Ausschuß um eine Stellungnahme (s. Kasten) und warfen einen Blick auf die Organisation des AkaFö.
Die Aufgaben des AkaFö, das zuständig ist für die RUB, die FH Bochum und die FH Gelsenkirchen, sind in § 2 des Studentenwerkgesetzes (StWG) festgelegt. Es erbringt u. a. Dienstleistungen auf sozialem und wirtschaftlichem Gebiet, fördert die kulturellen Interessen der Studierenden oder ergreift Maßnahmen der Studienförderung. Organe sind der Verwaltungsrat, der Verwaltungsausschuß und der Geschäftsführer (§ 3 StWG):
- Der 15köpfige Rat (sieben Studenten der drei Hochschulen, vier andere Mitglieder der Hochschulen, zwei Bedienstete des AkaFö, eine Rechtsanwältin sowie einer der Kanzler) ist u. a. zuständig für die Wahl des Verwaltungsausschusses (der sich aus Mitgliedern des Rates zusammensetzt) und die Entgegennahme und Erörterung des Jahresberichts des Geschäftsführers. Die studentischen Mitglieder des Rates werden durch die beteiligten Studentenparlamente (SP) gewählt.
- Der 6köpfige Ausschuß (zwei Studenten, ein Hochschulmitglied, ein Bediensteter, die Rechtsanwältin, der Kanzler) stellt Grundsätze über die Tätigkeit des Studentenwerks auf und erläßt Richtlinien für die Geschäftsführung, er ist zuständig für die Beschlußfassung über den jährlichen Wirtschaftsplan und die Entlastung des Geschäftsführers.
- Der Geschäftsführer wird vom NRW-Wissenschaftsministerium (MSWWF) bestellt und abberufen. Er leitet das Studentenwerk, vertritt es gerichtlich und rechtsgeschäftlich.
Vereinfacht gesagt könnte die Situation wie folgt dargestellt werden: Die vom SP bestimmten Rats- und Ausschußmitglieder blockieren nicht nur die Arbeit des AkaFö, sondern auch die des AStA, denn sie wollen angeblich mit der Ausländer/innen-Beratung einen zentralen Bestandteil der AStA-Arbeit streichen.
Einfach muß aber nicht automatisch richtig sein, wie die o. g. Stellungnahme andeutet. Man muß außerdem wissen, daß sich die Mehrheitsverhältnisse im SP der RUB (das ja ebenfalls den AStA wählt) seit der Wahl der Vertreter für den Verwaltungsrat geändert haben. So wurden zwei Mitglieder der damals dominierenden Linken Liste gewählt, mittlerweile jedoch regiert die TuWas-Liste. Beide Listen, so zeigte die Vergangenheit, mögen sich nicht.
Kurz vor Redaktionsschluß schließlich luden AkaFö und AStA zusammen zur Pressekonferenz und verkündeten Neues vom umstrittenen Wirtschaftsplan für 1999: Den zimmerte jetzt das Wissenschaftsministerium - als abgespeckte Version des 1. Entwurfs, mit der Stelle für sie Ausländer/innen-Beratung - zurecht, weil man sich in Bochum nicht anders einigen konnte.
Ein einmaliger Vorgang, den das Ministerium damit begründete, die "Handlungsfähigkeit des AkaFö" sicherzustellen. Auf der Konferenz wiederholte im übrigen der Geschäftsführer des AkaFö die uns bereits lancierten Vorwürfe an die Ausschußstudenten. ad

Angeblicher Zankapfel: AStA-/AkaFö-Ausländer/innenberatung
Die Beratungsstelle wurde 1997 als Kooperation von AStA und AkaFö initiiert und beschäftigt als hauptamtlichen Berater den Iraner Davood Zamani. Ausländische Studierende sind rechtlich meist schlechter gestellt, haben Sprachprobleme, stehen häufig vor unbekannten bürokratischen Hürden. Für sie ist soziale Not noch bedrohlicher, als für Studierende mit deutschem Paß. Im vertraulichen und auf Wunsch anonymen Gespräch klärt Zamani Probleme und versucht, Wege aus der Hilflosigkeit zu zeigen. Rund 6.000 Studierenden mit ausländischem Paß kann der Ausländer- und Sozialrechtsexperte Zamani u.a. folgendes anbieten: Sozialberatung und -betreuung, Rechtsberatung, Jobberatung, Familienberatung oder Beratung in Wohnungsangelegenheiten.

Stellungnahme: Unglaubliche Vorwürfe!
In den vergangenen Wochen ist massive Kritik bis hin zu Rücktrittsforderungen an den Mitgliedern des Verwaltungsausschusses geübt worden. Im folgenden eine knappe erste Stellungnahme zu den teils unglaublichen Vorwürfen: In der BSZ vom 28.4. schrieb der kaufmännische Leiter des AkaFö, der Verwaltungsausschuß habe am Wirtschaftsplan nur Seitenzahlen kritisiert und in der Vielzahl von Sitzungen werde nichts beschlossen. Von anderen Seiten wird uns vorgeworfen, wir wollten angeblich die Ausländerberatung, die Sozial- und Behindertenberatung sowie boSKop zumachen und viele andere Stellen streichen. Die neue BSZ (Nr. 502) titelt mit dem Elefanten im Porzellanladen und wirft uns "Schlanker Staat"-Ideologien vor. Garniert wird das Ganze mit vom AStA gedruckten Flugblättern, auf denen die Vorwürfe bis hin zu faschistoidem Verhalten und anderen dunklen Machenschaften gehen. Die vielfältigen Vorwürfe entzünden sich fast alle an der Behandlung des Wirtschaftsplanes 1999 in den Gremien. Hierzu ist zunächst festzustellen, daß die Geschäftsführung ihre Aufgaben nicht erfüllt hat. Die Satzung fordert, daß ein Wirtschaftsplan bis zum 30.11. des Vorjahres beschlossen werden soll. Ein erster Entwurf ist uns aber erst im Februar vorgelegt worden.
Dieser Entwurf enthielt bei Gesamtausgaben von ca. DM 45 Mio. eine Unterdeckung von DM 2,3 Mio. - also ein Loch, das so groß ist, wie der gesamte AStA-Haushalt. Dieses Defizit entsteht u.a. durch die Erweiterung des Tätigkeitsfeldes auf die FH Gelsenkirchen (DM 1.000.000), eine Erhöhung der Energiekosten für das Mensagebäude durch die Uni (DM 300.000) und eine Steigerung der Kosten der Hauptverwaltung um DM 600.000 auf DM 3,8 Mio.
Die Geschäftsführung schlug in ganzen vier Zeilen des 200 Seiten umfassenden Dokuments vor, wie man einen Planausgleich erreichen könne: Durch Erhöhung der Sozialbeiträge (plus DM 10 ab WS 99/00, später mehr), der Wohnheimmieten (plus DM 10 ab Mai 99), der Mensapreise (+ 50 Pf ab Mai 99) und der Preise in den Cafeten (+ 5 %).
Nachdem die Geschäftsführung sich über zwei Monate hinweg geweigert hat, einen zweiten Planentwurf zu erstellen ("Alles nur Einzelmeinungen"), äußerte der mit im Ausschuß sitzende Kanzler die Meinung, die Geschäftsführung sei zur Vorlage eines (!) Planentwurfes verpflichtet; wenn uns dieser nicht passe, seien wir dran.
Da es inzwischen April geworden war, drohte das Ministerium Ersatzvornahme an, wenn man nicht bis Ende April einen Wirtschaftsplan beschließe. Somit wurde der Verwaltungsausschuß vor Aufgaben gestellt, die er nicht erfüllen kann und laut Gesetz auch nicht erfüllen soll. Er soll einen ausgeglichenen Plan beschließen, nicht jedoch einen Wirtschaftsplan für ein Großunternehmen selbständig aufstellen und ausgleichen. Wir haben dennoch versucht, diese Aufgabe zu lösen; bisher leider ohne abschließenden Beschluß.
Neben moderaten Preissteigerungen im Bereich der Mensa haben wir eine Reihe von Kürzungen beschlossen (Braucht die Hauptverwaltung Investitionen für "Ersatz- und Ergänzungsinventar" in Höhe von DM 140.000?). Im Bereich Personal haben wir eine einzige Stelle gestrichen: eine halbe Hilfskraft bei boSKop, die lange nicht besetzt war. Die Behindertenberatung haben wir nicht angetastet. Allerdings haben wir uns geweigert, neue Planstellen einzurichten, ohne daß uns eine Stellenbeschreibung vorgelegt wird. Dies traf neben einer Erweiterung der Pressestelle eine neu zu schaffenden Abteilungsleitung für "Organisation und Verwaltung" (DM 200.000) und eine Controllerstelle. Dasselbe gilt auch für die Stelle der AusländerInnenberatung, die wir selbstverständlich nicht abschaffen wollen. Lediglich wollen wir auch bei dieser politisch und sozial wichtigen Stelle eine Stellenbeschreibung sehen, bevor wir der Einrichtung einer hoch dotierten Dauerstelle zustimmen.
Das Konzept der Geschäftsführung, von dem die BSZ schreibt, hat der Verwaltungsausschuß bislang leider noch nicht gesehen! Für mich als Mitglied des Verwaltungsausschusses ergibt sich der Eindruck, daß gegen die (nicht nur studentischen) Mitglieder, die gegenüber der Geschäftsführung kritisch eingestellt sind, massive Kampagnen gefahren werden.
Die Geschäftsführung hat offensichtlich seit längerem ein sehr problematisches Verhältnis zu ihren Kontrollgremien, was sich auch darin äußert, daß fast alle Beschlüsse der Gremien beanstandet werden und so erst verzögert in Kraft treten können. Im Zweifelsfall handelt die Geschäftsführung auch gerne, ohne die Gremien überhaupt zu informieren. Da wir hier einhaken, werden wir als Querulanten dargestellt, die versuchen, das gesamte AkaFö handlungsunfähig zu machen.
Aus Platzgründen kann hier nur sehr begrenzt Stellung genommen werden. Zusätzlich wird eine Stellungnahme dadurch erschwert, daß die Satzung von den Mitgliedern des Verwaltungsausschusses Verschwiegenheit fordert. Auf ein Flugblatt der studentischen Fraktion hat der Geschäftsführer bereits mit Anwaltsdrohungen reagiert. Auf Anschuldigungen muß man aber reagieren können, Verschwiegenheitspflicht hin oder her.
PS: Zum Campus-Café: Selbstverständlich gibt es zu wenig Kommunikationsräume an der Uni. Doch ist es nicht sinnvoller, vorhanden Räume, wie z.B. die große Mensa-Cafeteria, zu reaktivieren, als neue Gebäude zu bauen?
Peter Reinartz, studentisches Verwaltungsausschußmitglied

 

Kommentar: Behauptungen und Vorwürfe
Weil man sich im AkaFö nicht einigen konnte, hat das Düsseldorfer Wissenschaftsministerium sozusagen von oben einen Wirtschaftsplan fürs Bochumer Studentenwerk beschlossen. Das ist traurig. Traurig ist auch, daß sich Geschäftsführung und Verwaltungsausschuß dafür gegenseitig die Schuld in die Schuhe schieben.
Wir haben mit vielen Leuten geredet, eine Pressekonferenz besucht, viele Flugblätter und Artikel gelesen und zumindest den 1. Entwurf zum Wirtschaftsplan 1999 der AkaFö-Geschäftsführung gesehen: datiert vom 23.1.99; er weist das genannte Minus und die Ausgleichsvorschläge aus. Das sind die Fakten. Tatsache ist weiterhin, daß ein 2. Entwurf des Wirtschaftsplanes nicht rechtzeitig beschlossen wurde. Alles andere sind Behauptungen und Vorwürfe.
Die Studenten in Verwaltungsausschuß und -rat blockieren die Arbeit des AkaFö - so lautet der Vorwurf des AkaFö. Der Vorwurf der Studenten vom Ausschuß lautet: Die Geschäftsführung des AkaFö würde am liebsten ohne Kontrollgremien arbeiten.
Der AStA schlägt sich hierbei vehement auf die Seite der AkaFö-Geschäftsführung: In der BSZ (Nr. 501, S. 3) werden dem Kaufmännischen Leiter des AkaFö in einem langen Interview Rechtfertigungen passend in den Mund gelegt. Dazu tauchen Flugblätter (größtenteils ebenfalls vom AStA) auf, in denen die studentischen Ausschußmitglieder als "ausländerfeindlich" bezichtigt werden.
Die angegriffenen Studenten (nicht sie allein, sondern vier von sechs Mitgliedern im Ausschuß) wollen erreichen, daß auch Ausländer/innen, die zunächst nur einen Deutschkurs besuchen, das Recht haben, im Wohnheim zu wohnen - ist das "ausländerfeindlich"? Oder wird hier nur Stimmung gemacht?
Arne Dessaul

 
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31.05.1999