| Geisterhafte Knochenhände | |
| Röntgen im Deutschen Museum | |
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| Wer sich den Arm oder ein Bein bricht, wird geröntgt, damit
der Arzt sich ein genaues Bild von der Verletzung machen kann. Und das im
wahrsten Sinne des Wortes. Soviel weiß jedes Kind. Wie es aber zur Entdeckung
der Strahlen kam, die Einblicke ins Innere des Körpers erlauben, ist weit
weniger bekannt. Noch bis zum 4. Juli 1999 zeigt das Deutsche Museum Bonn
deshalb eine Versuchsanordnung, mit deren Hilfe
der Physiker Wilhelm Conrad Röntgen die Eigenschaften der später nach ihm
benannten X-Strahlen erforschte. Die Ausstellung setzt die Reihe
"Meisterwerke aus dem Deutschen Museum" fort. Gut 100 Jahre liegt die Entdeckung der Strahlung zurück, die der medizinischen Diagnostik ungeahnte Möglichkeiten eröffnete. Am Neujahrstag 1896 verschickte Röntgen eine Mitteilung über seine Entdeckung an einige Freunde. Zwei weitere Berichte folgten. Er legte auch ein Beweisstück bei: eine Aufnahme der Hand seiner Frau, durch deren Umrisse die Handknochen zu sehen waren. Wie Röntgen genau auf die geheimnisvolle Strahlung stieß, ist nicht bekannt. Man weiß lediglich, daß er mit elektrischen Strömen in luftleeren Glasgefäßen experimentierte. Die im Glasgefäß erzeugten Elektronenströme beobachtete er mit einem Fluoreszenzschirm, der aufleuchtete, wenn er von einem Elektronenstrahl getroffen wurde. Vermutlich bemerkte der Forscher am 8. November 1895 ein grünliches Leuchten an der Glasinnenwand und stellte fest, daß der Schirm auch außerhalb des Gefäßes, ja sogar in einiger Entfernung aufleuchtete. Da Elektronenstrahlung nur eine Reichweite von wenigen Zentimetern hat, mußte er eine neue Art von Strahlung entdeckt haben. Schließlich stieß er auf deren bemerkenswerte Eigenschaft, das Innere von Objekten sichtbar werden zu lassen. So unheimlich dieser Effekt Röntgen und seinen Zeitgenossen zunächst erschienen sein mag - schon bald erhielt er für seine Entdeckung, die weite Teile der Medizin revolutionierte, zahlreiche Ehrungen, 1901 schließlich den ersten Nobelpreis für Physik. Röntgen verzichtete darauf, seine Entdeckung zum Patent anzumelden, und stellte die Nutzung zum Wohle der Menschheit frei. Als Vorstandsmitglied des Deutschen Museums in München ließ Röntgen jene Versuchsanordnung, gerade in Bonn zu sehen ist, aus Originalteilen nachbauen. Mit ihrer Hilfe konnte Röntgen verschiedene Eigenschaften der X-Strahlen bestimmen, z. B. die Durchlässigkeit von verschiedenen Materialien bei unterschiedlichen Dicken. ad |
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| Deutsches Museum Bonn, Ahrstraße 45, 53175 Bonn, Öffz.: Di-So 10-18 h | |
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| 31.05.1999 |