Fast so gut wie Goethe
   
  Image der Profs
 
  Also, die Professoren können nun wohl kaum schuld am schlechten Image der RUB in der SPIEGEL-Umfrage sein, wie sie ja überhaupt nicht schuld sein können an dem durchweg schlechten Erscheinungsbild der deutschen Hochschulen. Das jedenfalls bescheinigen ihnen die repräsentativen Umfrageergebnisse der großen alten Dame der Meinungsforschung in Deutschland, Elisabeth Noelle-Neumann. Wie in "Forschung und Lehre" (Mai 99), dem Magen- und Leiborgan der vereinigten Habilitierten, zu lesen ist, haben von den insgesamt 2.000 befragten deutschen Bürgern immerhin 57 Prozent eine sehr hohe Meinung von unseren Wissenschaftlern und nur 8 Prozent keine gute Meinung; 35 Prozent sind noch unentschieden. Ein noch besseres Ergebnis - "Ein Meinungsklima, um das andere die Wissenschaftler beneiden können" - erzielen sie bei der Frage, "Darauf kann man als Deutscher Stolz sein": Zwar kommen sie nicht heran an die 82 Prozent für den deutschen Wiederaufbau nach dem Krieg. Aber mit 67 Prozent rangieren sie nur kurz hinter Goethe, Schiller und anderen größeren Dichtern (79 Prozent) sowie Beethoven, Bach und anderen klassischen deutschen Komponisten (ebenfalls 79 Prozent), und wer hätte es gedacht: noch vor den Leistungen der deutschen Sportler (66 Prozent), den technischen Leistungen der deutschen Industrie (65 Prozent) und den Autos aus der Bundesrepublik (64 Prozent). Nun, gar den Vergleich mit den Politikern brauchen unsere Wissenschaftler überhaupt nicht zu scheuen, er endet für jene nur peinlich. Auf die Frage, welche Berufsgruppe besonders viel heuchelt, stehen die Politiker mit 87 Prozent weit an der Spitze - gefolgt übrigens von Gewerkschaftsfunktionären (47 Prozent) und Unternehmern (43 Prozent) - während die Professoren mit nur 7 Prozent das diesmal positive Schlußlicht bilden. Deutsche Wissenschaftler sind einfach zu ehrlich, und sie lassen sich wohl zurecht kaum mit Politikern ein, weshalb ja bekanntlich in Deutschland nur wenige Wissenschaftler in der Politikberatung einen Ausgleich von der Forschung und Lehre finden. Übrigens: Interessant wäre in diesem Zusammenhang die Frage nach dem Image von Rita Süsmuth und Kurt Biedenkopf, zwei Wissenschaftler, die die Fronten gewechselt haben. Profitieren sie noch von langlebigen positiven Trends, etwa ihrer aktiven Dienstzeit als Wissenschaftler? Aber so speziell sind die Bürger leider nicht befragt worden. Wer ist also schuld am schlechten Image der deutschen Hochschulen, und der RUB im besonderen? Etwa doch die Studenten, die, einem ebenso langlebigem Vorurteil zufolge, seit '68 angeblich nur noch gammeln, kiffen, faulenzen ... jk .
   
 
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31.05.1999