3,5 Stellen weniger
   
  Gastbeitrag: Neuer AStA kürzt bei der FSVK
 
  Der neue AStA in Bochum, ein Konglomerat aus der TuWas- Liste (TWL) und der sog. Fachschaftsinitiative FSI will im nächsten Jahr die FachschaftsvertreterInnenkonferenz (FSVK) schwächen. Die FSVK ist das entscheidende Gremium, in dem sich Fachschaften uniweit organisieren und ihre Interessen abstimmen und vertreten. Jetzt sollen hier insgesamt 3,5 Stellen gestrichen werden.
Die Stelle der FSVK-Sprecher/in war bisher mit einer vollen Stelle bezahlt. Ab sofort steht hier nur noch eine halbe Stelle zur Verfügung. Als Begründung wird angegeben, daß die FSVK ihren Aufgaben "seit längerer Zeit nicht gerecht" (Koalitionsvertrag, kurz KO-Vertrag) wird. Eine genaue Analyse der Stärken und Schwächen findet jedoch nicht statt. So läuft es also im neuen AStA: Wer nicht TWL/FSI gefällt, kriegt weniger Geld. Auch der große Raum, indem sich die Fachschaften bisher wöchentlich getroffen haben, wird gestrichen. Hier kommt das auf zwei Stellen erhöhte Servicereferat hinein. Die FSVK muß sich künftig mit dem Gremienberater einen Raum in Besenkammergröße (ca. 10 qm) teilen. Wie hier eine sinnvolle Arbeit oder gar eine "Klimaverbesserung zwischen den Teilen der studentischen Interessenvertretung" (KO-Vertrag) möglich sein sollen, bleibt ein Geheimnis von TWL und FSI.
Bisher hatte die FSVK auch das Recht, drei Redakteur/innen der BSZ zu stellen. Auch dies gilt nun nicht mehr. Demnächst wird die BSZ aus zwei TWL- und einem FSI-Redakteur bestehen, die restlichen zwei Stellen werden öffentlich ausgeschrieben. "Der AStA-Vorstand definiert und betreut das Ausschreibungsverfahren", heißt es hierzu im neuen KO-Vertrag. Damit steht wohl fest, daß auch die anderen beiden Stellen durch TWL/FSI-nahe Personen besetzt werden. Bisher wurden diese Stellen durch die FSVK ausgeschrieben und dort darüber unabhängig abgestimmt. Auch hier wird den Fachschaften vor den Kopf gestoßen, und die BSZ wird zum Instrument der TWL und FSI. Die FSVK-Stellen wurden im Frühjahr 1995 durch eine Univollversammlung (VV) auf Druck der TWL eingerichtet. Der jetzige KO-Vertrag steht also im krassen Gegensatz zu diesem VV-Beschluß. Die designierte AStA-Vorsitzende Sina-Marie Pobloth (TWL) antwortete auf die Frage, ob die Beschlüsse der VV denn gültig wären: "Wir werden schauen, was wir davon verwenden können". Ein Hinweis, daß sich der neue AStA nur an solche Beschlüsse halten wird, die ihm in den Kram passen.
Fazit ist: Mit den im KO-Vertrag gemachten Vereinbarungen geht der neue AStA auf Konfrontationskurs mit den Fachschaften. Jahrelang gewachsene Strukturen der Selbstverwaltung werden systematisch finanziell ausgetrocknet und zerstört. Und - noch anders als im Wahlkampf vollmundig angekündigt - die Fachschaften erhalten auch dieses Jahr keine Mark mehr. Die Bilanz nach einem Tag Koalitionsvertrag ist erschütternd.
Heiko Jansen (Fachschaftsrat Film- und Fernsehwissenschaft, FSVK-BSZ-Redakteur und im SP für die Alternative Liste)
   
 
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30.04.1999