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"Demokrasi", "Reformasi" und "Korrupsi"
- das sind wohl die beliebtesten indonesischen Wörter seit Beginn der
Maiunruhen vom vergangenen Jahr, die bisher über 1.200 Menschen das Leben
kostete. Der Ruf nach Demokratie ertönte damals so laut, daß sogar Staatspräsident
Suharto seinen Amtssessel räumte.
Am 13. November 1998 flammte die Demokratiebewegung
- ausgehend von den Universitäten Indonesiens und getragen von einem breiten
Bündnis Studierender und Dozenten - erneut auf. Der Erfolg ihrer
Kämpfe: Heute wird der Präsident und seine Familie und mit ihm einige
Regierungsmitglieder der Korruption angeklagt, die ähnlich unermeßlich
hoch wie die des Ehepaares Marcos vom Nachbarstaat Philippinen beziffert
wird.
Vor so viel Übermacht mußte sich dann selbst der Nachfolger und Suharto-Günstling,
Yusuf Habibie, beugen, den der Potentat samt Kabinett noch zu Amtszeiten
selbst bestellte. Aus derselben autokratischen Schule stammend, wird auch
dessen Rücktritt schon lange gefordert, weil man dem Schützling wenig
Vertrauen entgegenbringt. Doch in diesem Mai stehen Neuwahlen vor der
Tür. Geht man nach der Mobilisierungsstärke angesichts der roten und grünen
Fahnen in den Regionen sowie der Stimmung auf der Hauptstadtinsel Java
in der Bevölkerung und englischsprachigen Presse, so liegen der Muslimführer
Amien Reis und die Tochter des ehemaligen Präsidenten Sukarno, Megawati
Sukarnoputri, im Rennen weit vorne.
Als ein letztes Argument gegen Habibie spricht, daß sein Oberbefehlshaber
und Verteidigungsminister Wiranto im November in die demonstrierende Menge
schießen ließ. An diesem "schwarzen Freitag"
verloren in Jakarta mindestens 15 Studierende ihr Leben. Danach
gingen in vielen Geschäften der Großstädte des multiethnischen Inselarchipels
die Glasscheiben zu Bruch. In den Bankenvierteln starren jetzt schwarzverkohlte
Löcher aus verbrannten Ruinen. Jeder, der noch etwas mit seinem Nachbarn
zu "bereinigen" hatte, versäumte es in diesen Tagen nicht. Täglich berichteten
die englischsprachigen Blätter "Jakarta Post" oder "The Indonesian Daily
News" von Übergriffen auf die chinesischstämmige Bevölkerung; Christen
und Moslems zündeten sich gegenseitig ihre Gotteshäuser an. Aber nicht
nur auf Java rumorte es, sondern auch in der nördlichen Provinz Aceh auf
Sumatra, in Osttimor und den Molukken standen sich Gruppierungen von Regierung,
Rebellen oder Religionsanhängern hart gegenüber. Und immer waren dabei
diese drei Wörter mit im Spiel - gegen "Korruption" und für mehr "Demokratie"
durch "Reformen".
Noch als die krisengeschüttelte Lage in der Vielvölkerrepublik nicht stabil
war, packten Prof. Heiner Dürr (Wirtschafts- und Sozialgeographie, Fakultät
für Geowissenschaften der RUB) und sein 16köpfiges Exkursionsteam die
Koffer und brachen in den Osten Indonesiens, zu den Inseln Bali
und Lombok, auf. Aus Sicherheitsgründen wichen sie aber vorsorglich von
der ursprünglichen Route ab, die von der Hauptstadt Jakarta durch ganz
Java bis in den Osten führen sollte. Von Bali und seiner Heimatinsel Lombok
dagegen brachte ein Doktorand Dürrs, der Indonesier Mansur Afifi, beruhigende
Nachrichten mit. "Trotzdem", so der DAAD-Stipendiat und Wirtschaftsdozent
der Uni Mataram, der sich mit der Sozioökologie der Korallenriffe beschäftigt
sowie den Effekten des Tourismus und ihrer Einflüsse auf die Fischerei,
"ist auch auf Lombok vieles in Bewegung geraten, und die Menschen äußern
mehr Mut."
Für die Geographiestudierenden ist dies die zweite Indonesienexkursion,
auf der es zur räumlichen Entwicklung der Dörfer, zur Geburtenplanung
und zur Organisation von Stadtentwicklung bis hin zur "grünen Revolution
im Reisanbau" viel zu beobachten und zu erfragen gibt. "Auch wenn die
politische Disqualifikation Suhartos klar auf der Hand liegt", so Geographieprofessor
Dürr, "war doch sein landwirtschaftliches Reisselbstversorgungsprojekt
erfolgreich. Gleiches gilt für die Geburtenplanung, bei der er mit wenig
Repressionen für die 195 Millionen Inselbewohner/innen hohe Erfolge erzielte."
Ein anderes Augenmerk gilt einem von der Gesellschaft für technische Zusammenarbeit
(GTZ) unterstützten Armutsbekämpfungsprojekt im Osten Lomboks, bei dem
Bewässerungsanlagen die Trinkwasserversorgung verbessern.
Ein weiteres Anliegen bindet Dürr an Indonesien. Seit 1995 berät er die
GTZ bei der Dezentralisierung Indonesiens in Zusammenarbeit mit dem indonesischen
Innenministerium. In allen 27 Provinzen der Republik sollen die Verwaltungs-
und Planungsbefugnisse auf die unteren Instanzen wie ländliche Bezirke
oder Dörfer hin delegiert werden. Die indonesische Bürokratie gilt bei
In- und Ausländer/innen wegen ihrer Schwerfälligkeit und ganz "eigenen
Gesetze" als ein Schreckgespenst. Bis in die
90er Jahre entschied noch die Zentralregierung in Jakarta allein über
80 % der Staatseinkünfte. Bei einem möglichen Wandel fragen die
Bürokraten zuerst nach den Möglichkeiten, inwieweit zusätzliche Einkommen
für sie verfügbar sind. Als es endlich Änderungen gab, wurden als erstes
die "trockenen" Aufgaben, die nicht mit eigenen Einkommensquellen verbunden
waren, verlagert.
Weil mit dem Abtritt Suhartos bislang nicht sämtliche Familiengünstlinge
verschwanden, sieht Dürr die Probleme seines Projekts ganz offen: "Die
Bereitschaft, Macht und wichtige Befugnisse des Staates an untere Instanzen
zu delegieren ist - vorsichtig gesagt - beschränkt und so wird es wohl
auch noch in naher Zukunft bleiben." Über den Verlauf der Wahlen im Mai
wagt er kein Urteil zu geben. Daß der Provinzregierung Aceh die Ahndung
der Menschenrechtsverletzungen auf Sumatra vom Juli 1998 in die Hände
gelegt wurde, betrachtet Dürr dennoch als Erfolg von Dezentralisierungsbemühungen.
tas
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