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Das Blutdruckmessen gehört heute neben der Ermittlung der Körpertemperatur
und der Herzfrequenz zu den wichtigsten Methoden der ärztlichen Diagnostik.
Doch bis zur Entwicklung praktikabler Instrumente war es ein langer Weg.
Die 1628 publizierte Entdeckung des großen Blutkreislaufes durch William
Harvey (1578-1657) und der Nachweis von Niels Stensen (1638-1686) aus
dem Jahre 1664, daß es sich beim Herzen um eine Art Muskelpumpe handelt,
schufen die erkenntnistheoretischen Voraussetzungen für das Messen des
Blutdrucks. Der Engländer Stephen Hales (1677-1761)
beschrieb 1733 erstmalig eine blutige Blutdruckmessung (am Pferd).
Da diese Methode nicht auf den Menschen übertragen werden konnte, blieb
sie zunächst ohne Einfluß in der Medizin. Es dauerte bis zum Jahr 1881,
als der Wiener Privatdozent Ritter von Basch (1837-1905) ein Instrument
zur "indirekten" Blutdruckmessung vorstellte, mit dem der Blutdruck nicht
mehr intraarteriell und folglich blutig, sondern der zur Unterdrückung
des Pulses aufgebrachte Gegendruck "unblutig" gemessen wurde. Mit diesem
"Sphygmomanometer", das den Ausgangspunkt für systematische Messungen
am Menschen bildete, wurde es den Medizinern möglich, den Blutdruck und
seine Veränderungen in der klinischen und ärztlichen Praxis zu kontrollieren.
Basch selbst lobte seine Erfindung als vorzügliches Instrument, um "die
Organe in ihrer vollen Thätigkeit zu belauschen."
Doch die Interpretation
der Blutdruckwerte blieb zunächst heftig umstritten.
Noch zur Jahrhundertwende glaubten einige Ärzte, der Blutdruck
sei Maß für die Herzkraft - nicht Herzarbeit - und ein hoher
Blutdruck daher Ausdruck für Gesundheit. Erst nach der Differenzierung
der Ursachen des Blutdrucks und der in den 20er Jahren erfolgten Einteilung
in die noch heute gültigen Hauptformen primäre und sekundäre Hypertonie
konnte die Messung des Blutdrucks für den Arzt tatsächlich von diagnostischer
und prognostischer Relevanz sein.
Daneben galt es, die in der Handhabung recht komplizierten und ungenauen
Instrumente zu verbessern. Der italienische Arzt Riva-Rocci (1863-1937)
entwickelte 1896 den Prototyp der noch heute verwandten Geräte, der bereits
über eine Staumanschette und ein Quecksilbermanometer zur manuellen Messung
des systolischen Blutdrucks verfügte.
Trotz heftiger Proteste in der Frühphase der Blutdruckmessung gegen die
Entsubjektivierung der Diagnostik
setzte sich die neue Technik schnell durch. Die Illusion traditionsorientierter
Ärzte, "daß kein Instrument den Finger zu ersetzen vermag", wurde alsbald
zerstört angesichts der Aufwertung technisch erzeugter Körperdaten: Die
Standards der naturwissenschaftlich orientierten Medizin zur Jahrhundertwende
forderten quantifizierbare Meßwerte. Modelle wie das abgebildete Blutdruckmeßgerät,
das ebenfalls nach dem "System Riva-Rocci" funktionierte, kamen zu Beginn
der 1930er Jahre auf den Markt. Gepriesen wurden vom Hersteller insbesondere
der nicht auslaufbare Quecksilberbehälter und das "bruchfeste Etui" aus
"Preßstoff" oder Holz. In der Nachkriegszeit wurden dann Instrumente,
bestehend aus Blasebalg mit Federmanometer und Staumanschette konstruiert,
die den heutigen vergleichbar sind. Die handlichen und leicht zu bedienenden
Geräte gelangten in den letzten Jahrzehnten zunehmend auch in die Hände
der Patienten und erlaubten diesen die Messung auch ohne Arzt. Die
jederzeit meßbare Blutdruckzahl wurde zum Maßstab der eigenen Befindlichkeit.
Michael Martin
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