Mobbing an der RUB
   
  Herausforderung für den Personalrat

 

Mit dem Phänomen des Mobbing wird der Personalrat der RUB in zunehmendem Maße konfrontiert. Zum Schutz der direkt Betroffenen, aber auch zur Erhaltung eines solidarischen Arbeitsklimas ist es dem Personalrat wichtig, Mobbing in all seinen Erscheinungsformen entgegenzutreten. Dabei darf Mobbing nicht mit zwischenmenschlichen Konflikten verwechselt werden, die immer wieder auftreten können. Mobbing ist kein neues Wort für „Konflikt“. Von Mobbing (“to mob” = anpöbeln) spricht man erst, wenn der Psychoterror zur Routine wird. Mobbing ist ein direkter, über lange Zeit andauernder Angriff auf die sinnvolle Kommunikation im sozialen Umfeld, auf das gesellschaftliche Ansehen, die Berufsausübung und die Gesundheit in Form von Übergriffen, Beleidigungen oder dummen Scherzen. Die Folgen sind nicht nur ein tiefes Mißtrauen gegenüber anderen Menschen und der Verlust des Selbstwertgefühls. Der Psychoterror am Arbeitsplatz führt häufig zur völligen seelischen und körperlichen Erschöpfung. Experten schätzen, daß viele Selbstmordfälle in Deutschland durch Mobbing ausgelöst werden. Für die Betroffenen bleibt oft am Ende nur Versetzung oder Kündigung.

Beispiel fürs Mobbing

Hierzu ein zwar erfundenes, aber mögliches Beispiel: Else A. ist eine erfahrene Sekretärin, ihr Vorgesetzter wurde kürzlich emeritiert. Nun kommt ein junger dynamischer Prof an seine Stelle – ihm ist Else A. viel zu langsam, er hätte lieber die jüngere Sabine B. Diese ist Halbtagskraft, ihr Vertrag noch nicht sicher. Ein Aufstieg wäre ihr Traum. Prof. X. nutzt die Situation und kontrolliert die Arztbesuche von Else A. Sabine B. beginnt, über die Krankheiten von A. auf dem Flur zu erzählen. Dabei dichtet sie ein paar Nachlässigkeiten hinzu. Else A. ist so etwas nicht gewohnt und sagt zunächst nichts. Dann nimmt sie den ersten Krankenschein. Immer häufiger finden die junge Kollegin und der Chef etwas an ihr auszusetzen. Nach der ersten Attacke folgt die zweite, dann die dritte – darauf sind verschiedene Krankmeldungen Else A.’s die Folge.

Frühwarnsystem gefordert

Die bisherige Forschung und die Erfahrungen der Beratungsdienste stellten fest, daß Mobbing primär (in 9 von 10 Fällen) unter Beamten und Angestellten auftritt; Männer und Frauen werden gleich oft gemobbt. Es gibt keine zuverlässigen Studien, die einen statistischen Zusammenhang zwischen bestimmten Ursachen und Mobbing aufzeigen. Minutiöse Fallanalysen und qualitative Studien deuten aber darauf hin, daß mehrere Punkte vorliegen müssen, damit sich ein „normaler“ Konflikt zum Mobbing entwickelt, wie mangelnde Arbeitsorganisation, unklare Kompetenzregeln, eine Über- oder auch Unterforderung der Beschäftigten oder schlichtweg ein “mieses Betriebsklima”. Schlimm wird es, wenn Ärzte und Psychologen im Patientengespräch die Situation nicht erkennen. Mobbing straf- oder zivilrechtlich in den Griff zu bekommen, scheidet weitgehend aus, obwohl es objektiv eine Körperverletzung ist. Es gelingt aber selten, den Zusammenhang zwischen bestimmten Verhaltensweisen und gesundheitlichen Störungen nachzuweisen. Hinzu kommen die üblichen Probleme, wenn soziale Mißstände im Einzelfall nachgewiesen werden müssen. Dienststelle und Personalrat haben gemäß § 62 Landespersonalvertretungsgesetz NW darüber zu wachen, daß alle in der Dienststelle tätigen Personen nach den Grundsätzen von Recht und Billigkeit behandelt werden und daß die freie Entfaltung der Persönlichkeit der im Betrieb beschäftigten Arbeitnehmer/innen geschützt ist. Deshalb können Mobbing begünstigende Strukturen durch eine Dienstvereinbarung zwischen Personalrat und Dienststelle verhindert oder eingeschränkt werden. Grundlegend schlagen wir eine Beschwerdeinstanz vor. Zudem muß ein Frühwarnsystem entwickelt und die Vorgesetzten (Dekane, Dezernenten usw.) geschult werden, daß sie erste Symptome von Mobbing erkennen und rechtzeitig eingreifen. Die Fähigkeit, zuzuhören und an der richtigen Stelle einzugreifen, ist hier gefragt. Eine Überprüfung von Führungsrichtlinien kann sinnvoll sein, die Mobbing begünstigenden Strukturen zu verändern. Teamarbeit und Organisationsstrukturen mit offenen Kommunikationsangeboten müssen gefördert werden. Die hohen Kosten des Mobbing (laut jüngster Erkenntnisse rund 25 Mrd. DM jährlich in Deutschland) angesichts der angespannten Haushaltslage und die enormen Folgen für die Betroffenen erfordern auch im öffentlichen Dienst gesteigerte Wachsamkeit. Vertrauensvolle Beratung und Hilfe erhalten Sie beim Personalrat (Tel. -2266). Werner Schwarz, Personalratsvorsitzender
Aktuelle Broschüren zum Thema: “Mobbing –Psychoterror am Arbeitsplatz” sowie die Zusammenfassung der Fachkonferenz “Arbeiten mit Angst“, je DM 5, Bezug über: AOK Hamburg, Tel. 040-2023933.

   
   

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01.04.1999