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Als er vor 30 Jahren seine Tätigkeit als Zeichner am Lehr-
stuhl Allgemeine Botanik aufnahm, wußte Hans-Jürgen Rathke nur, daß es im
Sommer draußen grün ist und im Herbst bunt wird. Bevor der gelernte Zeichner
und Graphiker also an die Arbeit gehen konnte, besuchte er erst einmal die
Einführungsvorlesungen, ging mit den Studierenden in den “Schnibbelkurs”
und las jede Menge Fachliteratur. Da das ND damals noch nicht fertig war,
quartierte man Rathke zunächst ins IC ein. Und dort, wo heute die Bibliothek
ist, entstand schließlich auch seine allererste Schautafel über den “Bau
des Blattes”.
Die bunten Schautafeln mit dem Innenleben der Pflanzen stehen mittlerweile
im Archiv, heute zeichnet Rathke für Skripte, Dias und Overhead-Folien.
Außerdem verwaltet er das Fotoarchiv am Lehrstuhl. Zu dessen Umfang hat
er maßgeblich beigetragen, schließlich hat er die Fotos für den Führer durch
den Botanischen Garten der RUB geschossen. Auch eine ganze Reihe Schautafeln
in Garten und Tropenhaus hat er illustriert. Ein Job, um den ihn viele beneidet
haben. Denn anstatt im muffigen Büro zu sitzen, durfte er durch den blühenden
Garten ziehen.
Kein Wunder also, daß der Zeichner mittlerweile ein Botanikexperte ist;
Rathke kennt sich bestens aus mit Querschnitten von Wurzeln, Blättern und
Pilzen. Zu letzteren hat er ein ganz besonderes Verhältnis. 1983 bat ihn
sein damaliger Chef, Prof. Karl Esser, für den er ein Buch über Pilze illustriert
hat, doch eine Weihnachtskarte mit einem lustigen Pilzchen zu entwerfen.
Gesagt, getan. Doch aus dem Arbeitsauftrag wurde in Rathkes Freizeit mehr,
es entstanden die „Pilzlinge“. Bergbau, Gentechnik, Umweltverschmutzung
und natürlich Politik – alles nahm Rathke in seinen Pilzcartoons auf die
Schippe (siehe Cartoon). Gezeichnet hat er sie unter dem Pseudonym „Myko“,
was sich vom lateinischen „Mykophyta“ für Pilz ableitet. Und obwohl die
Pilzlinge bereits zwischen ’83 und ’86 entstanden sind, haben sie nichts
an Aktualität verloren.
30 Jahre lang zeichnet und illustriert Hans-Jürgen Rathke nun schon am Lehrstuhl
für Allgemeine Botanik, zum Dienstjubiläum am 1. Februar ’99 haben ihm die
Kollegen sogar ein Ständchen gebracht. Einmal allerdings ist er der Botanik
doch untreu geworden. Um bei archäologischen Ausgrabungen im italienischen
Este als Zeichner dabeisein zu können, nahm er extra Urlaub. In drei Jahren
wird der Graphiker in Rente gehen. Daß er vorher noch einen Nachfolger einarbeitet,
glaubt er allerdings nicht. Wahrscheinlich übernimmt seinen Job dann Kollege
Computer. Sabine Raddatz |