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Prof. Dr. Uwe-K. Ketelsen (Germanistisches Institut der RUB) präsentiert
in seinem gerade erschienen Buch „Ein Theater und seine Stadt“ die Geschichte
des Bochumer Schauspielhauses. Er zeigt, wie sich das Modell Stadttheater
zu Beginn des 20. Jahrhunderts gegen konkurrierende Konzepte durchsetzte.
Dabei stellt Ketelsen die Entwicklung kommunaler Kulturpolitik vor dem
Hintergrund der politischen und sozialen Entwicklung der Stadt Bochum
dar. Gleichzeitig analysiert er die künstlerische Konzeption der Bochumer
Intendanten, in Text und Bild vergegenwärtigt er zudem die Leistung von
Regisseuren, Bühnenbildern und Schauspielern; ein Register der in Bochum
aufgeführten Stücke macht es möglich, den Wandel des Aufführungsstils
an konkreten Beispielen zu verfolgen.
80 Jahre währt die Geschichte des Bochumer Schauspielhauses in der heutigen
Form, also mit eigenem Ensemble. Es begann 1918/19, als Saladin Schmitt
samt Ensemble nach Bochum kam. Sein bürgerliches Theater prägte das Schauspielhaus
während der Weimarer Republik, der NS-Zeit und der ersten Nachkriegsjahre.
Schmitt folgte 1949 Hans Schalla, der etwas modernere Kunst nach Bochum
brachte und damit auch auf Widerstand stieß. Ebenfalls umstritten, jedoch
geradezu revolutionär in ihrem Verständnis von Theater waren Schallas
Nachfolger, Peter Zadek und Claus Peymann. Ihnen widmet sich Ketelsen
ebenso ausgiebig wie den folgenden Intendanten, Frank-Patrick Steckel
sowie dem scheidenden Leander Haußmann.
Insgesamt gewährt Ketelsen einen umfassenden Einblick in die Bochumer
Theatergeschichte, er liefert Hintergründe und interessante Details aus
Kultur und Politik. Dabei erweist er sich als eifriger Theatergänger,
zudem als enorm kenntnisreich und analytisch; er verfällt dabei kaum ins
Wertende, selbst dort nicht, wo es sich anbieten würde, wie bei Saladin
Schmitt und dessen Wirken während der NS-Zeit. ad
Uwe-K. Ketelsen: Ein Theater und seine Stadt. Die Geschichte des Bochumer
Schauspielhauses, SH-Verlag Köln 1999, 405 S., über 50 Abb.,
79 DM
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