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Bochums Studierende brauchen demnächst das leere Blatt nicht mehr zu
fürchten. Eine neue Software, “CAUSA” (Computer Aided Undertaking for
Student’s Advancement), bietet ihnen umfassende Hilfen für das Verfassen
schriftlicher Haus- und Examensarbeiten. Da die auf neuronaler Basis programmierte
Software zudem auf die Kriterien individueller Prüfer trainiert werden
kann, können Studierende schon auf eine bestimmte Note hinwirken. CAUSA
ist ein Produkt des Schreibzentrums der RUB. Entwickelt wurde es von Schreibforschern
und -beratern, Lernpsychologen, Neuroinformatikern und Studienberatern
der RUB. Ab 1.4.99 ist es im Studienbüro der RUB zum Preis von DM 250
käuflich zu erwerben.
CAUSA sucht Zitate
Die Klagen von Professoren und Dozenten an Hochschulen, daß Schüler nicht
mehr das notwendige Rüstzeug für ein Studium mitbringen, sind Legion.
Bemängelt wird besonderes die Schreibfähigkeit. Studienarbeiten werden
gar nicht oder zu spät abgegeben, es fehlt der rote Faden, sie sind sprachlich
unbeholfen, häufig wimmelt es auch von Rechtschreibfehlern. Nicht nur
die Studierenden, auch die Hochschulen sind hier offenbar überfordert.
Übervolle Veranstaltungen und Sprechstunden und ein aufgeblähter Wissenschaftsjargon
sind nicht dazu angetan, diese meist schon aus der Schule mitgebrachten
Schreibprobleme auszubügeln.
Überlange Studienzeiten und hohe Abbrecherquoten sind die von der Gesellschaft
zurecht beklagten Folgen, die die RUB-Arbeitsgruppe mit dem sehr komfortablen
CAUSA-Programm bekämpfen will. Entstanden ist in Bochum ein elektronischer
Schreibtrainer ganz besonderer Art.
Den Studierenden bietet CAUSA eine Reihe wertvoller Arbeitshilfen: Sie
werden dazu angeleitet, eine Fragestellung für die Arbeit zu entwickeln,
die eine sinnvolle, präzise Auseinandersetzung mit ihrem Thema ermöglicht.
Anhand weiterer Leitfragen wird die Grobstruktur des Textes bestimmt,
eine Arbeitsgliederung entworfen und festgelegt, welches Material zugrunde
gelegt werden muß und in welcher Weise es verarbeitet werden soll. CAUSA
errechnet einen Arbeitsplan, nachdem die Gliederung, das zu bearbeitende
Material, der Abgabetermin, die geforderte Seitenzahl und die persönlich
zur Verfügung stehende Zeit eingegeben wurden. Dieser Plan erinnert die
Studierenden schon beim Einschalten des PC ans tägliche Pensum.
Der Einstieg in den Arbeitstag wird durch Fragen erleichtert, die den
Arbeitsprozeß in überschaubare Teiletappen zerlegen. Ein zusätzliches
Modul verbindet den Schreibenden bei erkanntem Bedarf direkt mit dem Internet
bzw. den online-Recherchehilfen der Unibibliothek. Hier sucht es Zitate
in der verzeichneten Literatur und stellt selbständig Literaturrecherchen
zusammen. Studierende mit besonders starken Schreib blockaden können bei
Bedarf ihren Text in das Mikrofon des PC sprechen. Ein Spracherkennungsprogramm
übersetzt den Text in Schriftsprache. Zudem wird über die Tastatur registriert,
wenn die Schreibenden übermäßig an ihren Texten feilen und dadurch den
Blick fürs Ganze verlieren; bei exzessiven Korrekturen an einer Textstelle
ertönt ein akustisches Warnsignal. Halten sich die Studierenden nicht
an den von der Software vorgegebenen Arbeitsplan, erscheint ein kurzes
Video, in dem eine Schreibberaterin Fragen stellt, die in den Schreibprozeß
zurückfinden lassen.
Die systematische Nutzung der CD-ROM befreit Lehrende von zeitaufwendiger
Routinearbeit in der Betreuung von Studienarbeiten und ermöglicht so eine
stärkere Konzentration auf die inhaltliche Beratung. Lehrende können ihre
individuellen Beurteilungskriterien in das Programm eingeben. Das Programm
errechnet bei Bedarf jederzeit den derzeitigen Leistungsstand der Arbeit.
Zudem erhalten die Schreibenden Rückmeldung, inwieweit der Text den allgemeinen
Anforderungen an sprachlicher Präzision, Kohärenz und Paraphrasierung
entspricht.
Gegen hartnäckige Arbeitsstörungen und Schreibwiderstände ist das Programm
indes machtlos. Aber das soll nicht so bleiben. Die umtriebigeRUB-Arbeitsgruppe
entwickelt schon die Grundlagen eines Moduls, das den Studierenden auch
bei tiefer sitzenden Schwierigkeiten helfen soll. Studienbüro/jk
Informationen: Ludger Lampen, Studienbüro, Tel. 0234/700-3859, Email:
ludger. lampen@ruhr-uni-bochum.de
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