Am Anfang war die Henne
   
  Serie: Archivsplitter

 

An dieses Tier jedenfalls fühlten sich die Mitglieder des beratenden Gründungsausschusses für die RUB sogleich erinnert, als sie die großformatige Karte des Grundstückes erblickten, auf dem die neue Uni erbaut werden sollte. Es handelte sich um das von der Stadt Bochum ab 1958 sukzessive angekaufte Querenburger Gelände, das ab September 1961 vom städtischen Liegenschaftsamt im Auftrag der Landesregierung erweitert bzw. arrondiert worden war.

Ausschußarbeit

Um eine zügige Errichtung der ersten Nachkriegsuni zu gewährleisten, wurde unmittelbar nach der Entscheidung des Landtages für Bochum als Standort ein interministerieller Ausschuß sowie ein Sonderbauamt (das spätere Staatshochbauamt), ins Leben gerufen. Es war aber hauptsächlich der Gründungsausschuß – in diesen hatte der Kultusminister im September ‘61 16 namhafte Professoren und den Generalsekretär des Wissenschaftsrates berufen –, der durch seine Strukturüberlegungen und -pläne wesentliche Prämissen für die konkrete Bauplanung setzte.
Die Denkschrift dieses Gremiums, die im Entwurf (als Strukturpläne) bereits am 4.5.62 von der Landesregierung gebilligt worden war, konnte und mußte als Bauempfehlung betrachtet werden: “Die äußere Voraussetzung des Grundprinzips der Verflechtung der Disziplinen ist die einheitliche räumliche Gestaltung der Universität. Institution und Organisation der gesamten Universität müssen an einem Platze und ungeteilt beieinander liegen.”
In einer schematischen Darstellung legte der Ausschuß sogar die räumliche Zuordnung der 18 Abteilungen zueinander in der Art fest, daß sie annähernd kreisförmig um die zentral gelegenen, gemeinsam genutzten Einrichtungen angesiedelt werden sollten. Hier waren nicht einfach kurze Wege gefragt, um befürchtete Autoströme zu unterbinden, sondern es sollte die interdisziplinäre Zusammenarbeit der Wissenschaftszweige gefördert werden. Um die Trennung durch die herkömmlichen Fakultätsgrenzen zu überwinden, hatte man auch eine Gliederung der Uni in kleinere “Abteilungen” zugrunde gelegt.
Zusammen mit den Details der Raumplanung waren das enge Vorgaben für die Architekten, die sich in der zweiten Jahreshälfte ‘62 dem städtebaulichen Ideenwettbewerb stellten. Von den ursprünglich 220 Interessierten hatten nach Einsicht in die Unterlagen 105 die Modellplatte für die Darstellung ihrer Gesamtkonzeption angefordert; 86 schließlich reichten ihre Entwürfe ein. Um die Angelegenheit nicht ganz dem Zufall zu überlassen, hatte man an acht renommierte ausländische Architekten besondere Einladungen verschickt, darunter A. Aalto, M. v. d. Rohe (beide sagten ab) und W. Gropius.
Nach 4tägiger Klausur verkündete das Preisgericht am 14.2.63 die Sieger. Der mit 50.000 DM dotierte 1. Preis ging an das Architektenbüro Hentrich/Petschnigg in Düsseldorf. Die Juroren – einer von ihnen klagte, daß ihnen die Henne nächtens als Fata Morgana erschienen sei – entschieden sich damit für eine baulich verdichtete Lösung im Norden des Geländes, die obigen Prämissen am besten zu entsprechen schien.

86 Entwürfe für die RUB

Neben der Vergabe von drei weiteren Preisen (zus. 52.000 DM) wurden noch drei Arbeiten zu je 5.000 DM angekauft. Zur Grundlage der weiteren Arbeit des am 1.4.63 eingerichteten zentralen Planungsbüros wurde neben dem Siegerentwurf auch der vom Preisgericht mit einer Sonderauszeichnung bedachte Entwurf des außer Konkurrenz beteiligten Staatshochbauamtes gemacht. Insbesondere sah man hier die Anbindung des Gebäudekomplexes der Uni an das vorgesehene “zivile” Forum (später Uni-Center) verwirklicht. Das Planungsbüro erledigte seine Aufgabe binnen acht Monate, so daß im Januar ‘64 mit der Errichtung der ersten Gebäude (IA, IB) begonnen werden konnte. Jörg Lorenz, Uniarchiv

   
   

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01.04.1999