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Neue Wege beschreitet Dr. Christoph Ribbat (Institut für American
Studies). Statt die 110 Teilnehmer des landeskundlichen Seminars “Photography
and the American City” als Zumutung anzusehen, machte er sich die Masse
zunutze und schickte die Studierenden auf Streifzüge in die Schnappschußästhetik
nach Nan Goldin. Das Thema des Experiments lautete: “Amerika im Ruhrgebiet”.
Bewaffnet mit Einwegkameras, die Fuji zur Verfügung stellte, waren die Studierenden
dem Einfluß der USA auf das Ruhrgebiet auf der Spur. Sie hielten Straßen
und Einkaufszentren fest, U-Bahnen, Unis und Kinos, Supermärkte, Fast-Food-Restaurants
und Discos. Sie porträtierten die Menschen dieser Region mit ihren Baseballkappen
und Turnschuhen, wie sie Burger und Milchshakes zu sich nehmen, versuchten
die Bedeutung von amerikanischen Filmen, Kunst und Musik einzufangen.
Das Ruhrgebiet weist viele Parallelen zu den Metropolen der USA auf: Wie
New York, Boston und Chicago entwickelte es sich im 19. Jahrhundert zu einer
großflächigen Stadtlandschaft. Die Schwerindustrie erwies sich für die Zuwanderer
aus vielen Nationen als kultureller Schmelztiegel. Seit den Nachkriegsjahren
beeinflußt die US- Kultur massiv unsere Region: Diese Spuren finden sich
auf den Straßen zwischen Duisburg und Dortmund, für Ribbat “die Glitzerwelt
Amerikas in der Tristesse des Ruhrgebiets”. Die entstandenen Bilder fangen
das Private ein und machen es öffentlich: stark und pathetisch, witzig und
lächerlich, absurd und hintersinnig. Zusammen mit Esther Ruelfs von der
fotografischen Sammlung des Folkwang Museums wählte Ribbat aus über 2.000
Bildern die eindringlichsten aus. Mit Teilnehmern des Seminars will er im
Sommersemester eine Ausstellung organisieren und hofft, Sponsoren für einen
Katalog zu gewinnen. Stefanie Neumann
Info: Dr. Christoph Ribbat, Tel. 0234/700-5059 |