| Wenn Samira so rege weitermacht, wird aus ihr bestimmt so eine Powerfrau wie die Mama. Geschickt greift sie zur Maus und in die Computertasten, hangelt sich an Büroschränken entlang zu Mamas Handtasche und leert diese - als Mama gerade mal nicht hinschaut - mit einem Ruck aus. Erst ein Jahr alt, wird Samira im neuen Jahr zu den jüngsten Universitätsmitgliedern zählen. Wenn alles schnell geht und klappt, dann liegt ihr erster Uniort im abgetrennten Teil der ehemaligen GA-Cafete. Da erging es ihrer älteren Schwester Mirjam noch ganz anders. Als sie geboren wurde, studierte die Mama, Tagrid Yousef, gerade Biologie an der RUB. Und sie hatte auch vor, das Studium zu Ende zu bringen. Einen Betreuungsplatz fürs Kind gab es aber damals nicht in unmittelbarer Nähe - Mirjam kam zu einer Tagesmutter, die die damalige Studentin aus eigener Tasche vom studentischen Hiwi-Job bezahlte. Noch heute erinnert sich die Zehnjährige daran, daß sie manchmal "lieber zu Hause bleiben wollte", obwohl sie auch "viele tolle Sachen" mit der Tagesmutter unternahm. "Wenn Studierende gezwungen sind, wegen der Kinderbetreuung das Studium abzubrechen oder das Kind bei einer Oma oder Tagesmutter abzugeben, verschwindet das Problem von der Uni", meint die resolute Kämpferin, die heute als promovierte Biologin am Lehrstuhl für Neurophysiologie bei Prof. Dr. Ulf Eysel (Medizinische Fakultät) arbeitet. | |
| Flexible Kinderbetreuung |
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| Tagrid Yousef sah deshalb ihre Chance gekommen, als Anfang 1998
die Fragebögen vom Frauenbüro zur Situation der studierenden und arbeitenden
Mütter an der Uni auf ihren Arbeitsplatz flatterten. Im Juli darauf
trafen sich die ersten, an einer Kurzzeitbetreuung von Kindern Interessierten
und arbeiteten ein Vereins- und Versicherungskonzept aus. Am 31.8.98
war es dann soweit: Der Verein "Uni-Zwerge" zur "Förderung Hochschulangehöriger
der RUB mit Kindern" gründete sich als Träger der kommenden Betreuungsinitiative.
Tagrid Yousef ist eine der sechs Vorsitzenden im Verein, der mittlerweile
schon über 21 Mitglieder (Frauen und Männer) und 25 Kinder angehören.
"Der Bedarf an einer flexiblen Kinderbetreuung an der RUB ist sehr
hoch", so Yousef, "die Kinder können auch stundenweise bei uns abgegeben
werden, wenn die Eltern mal eben eine Vorlesung besuchen wollen. Damit
unterscheiden wir uns grundlegend von solchen Kindertagesstätten,
die Eltern und Kindern die Öffnungszeiten streng vorschreiben." Ähnlich
formulierten es auch die beiden Psychologinnen Karin Mohn und Susanne
Döblitz in ihrer Veröffentlichung der Befragungsergebnisse zu "Mit
Kindern an die Uni", in der sie eine Kinderbetreuung, angepaßt an
die Bedürfnisse der RUB-Angehörigen forderten, das heißt uninah und
zeitlich flexibel (RUBENS
39). Außer dem Raum, der der Elterninitiative vom Rektor der RUB,
Prof. Dr. Dietmar Petzina, und von Regierungsbaudirektor Johannes
Schevel (Dezernat 5, Technische Hochschulbetriebe) angeboten wurde,
finanziert sich der Verein selbst. Die geplante Kinderbetreuungsstätte
wird täglich zwischen 9 und 17 Uhr geöffnet sein. Geld- und Sachspenden
wie Spielzeug, Kinderkommoden, -matratzen oder -betten werden noch
dringend benötigt. Von den 30 DM pro Semester Mitgliedsbeiträgen soll
später auch eine Erzieherin eingestellt werden. Zum kommenden Sommersemester
wollen die großen und kleinen Uni-Zwerge auf der Unibrücke auf sich
aufmerksam machen und sich lautstark Gehör für ihre Initiative verschaffen.
Wer also demnächst kleine "Männchen" mit bunten Mützchen in der Uni
sieht, träumt nicht vom Märchenpark.
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| tas |
| Kontakt: Tel.: 702701, Konto: Spk Bo, Kto. 334 069 01, BLZ 430 500 01. |
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