| Für viele Lehramtsstudierende kommt nach der Uni erst einmal der "Praxisschock". Auf das, was sie an den Schulen wirklich erwartet, sind sie oft nicht richtig vorbereitet. Nicht wenige geben frustriert auf. Das soll sich für die Studierenden in Bochum nun ändern, denn seit kurzem hat die RUB ein Zentrum für Lehrerausbildung. | | Entstanden ist das Zentrum im Zuge eines Modellversuchs, den das Land ausgeschrieben hatte. Obwohl die Bewerbungsfrist bereits abgelaufen war, stellte Prof. Karl-Richard Bausch (Seminar für Sprachlehrforschung) zusammen mit dem damaligen Rektor, Prof. Manfred Bormann, und dem Prorektor für Lehre, Studium und Forschung, Prof. Harro Müller-Michaels, einen nachträglichen Antrag auf Beteiligung. Mit Erfolg, vor allem weil Bochum nur Sek. II-Lehrer/innen ausbildet. Noch in diesem Jahr soll das Zentrum in eine Zentrale Wissenschaftliche Einrichtung überführt werden. |
| Zur Verbesserung der Lehrerausbildung wurden vier neue Stellen geschaffen (s. Kasten), die nach Ablauf des Versuchs erhalten bleiben. Müller-Michaels sieht die wesentliche Aufgaben des Zentrums in einer Verstärkung der Integration aller Lehramtsfächer, in der Koordination zwischen den Fakultäten, in Anstoß und Koordinierung von Forschung und in der konzeptionellen Fortführung der Lehrerausbildung. Dazu gehören z.B. ein grundständiges Studium, gestufte Studiengänge und ein Praxissemester. Prof. Bausch tritt zudem für einen stärkeren Berufsfeldbezug ein. |
| Den Anfang zur Verbesserung der Lehrerausbildung macht eine Umfrage unter den Lehrenden, in der zunächst die lehramtsspezifischen Angebote der einzelnen Fächer zusammengetragen und ausgewertet werden sollen. Wie werden die Studierende betreut und unterstützt, wenn sie ihre schulpraktischen Studien absolvieren? Wieviel Personal kümmert sich überhaupt um die Lehramtsstudierenden? Erfaßt werden soll auch, welche Bestrebungen und Projekte zur Verbesserung der Ausbildung der Studierenden es bei einzelnen Fächern unabhängig vom Zentrum gibt. Die Ergebnisse dieser Umfrage sollen im Rahmen einer Werkstatt sowohl uniintern als auch nach außen vorgestellt werden. Sie dienen dann als wichtige Grundlage für die weitere Arbeit des Zentrums. |
| Aufbauend auf dieser Evaluation werden zusammen mit den Lehrenden gewisse Richtlinien erarbeitet, die den einzelnen Lehramtsfächern trotzdem noch genug Eigenständigkeit lassen. Dabei geht es, so Müller-Michaels, um eine intensivere Verbindung von Theorie und Praxis. Denn die angehenden Lehrer/innen bekommen an der Uni zwar ausreichend Wissen mit auf den Weg, können aber oft nur schlecht einschätzen, was sie von diesem Stoff an die Schüler/innen weitergeben sollen, und wie sie ihn vermitteln können. |
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| Praxissemester |
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| Hier könnte u.a. ein Praxissemester helfen, das direkt nach der Zwischenprüfung absolviert wird; es könnte später auf das Referendariat angerechnet werden. Dadurch würde sich den Studierenden frühzeitig die Möglichkeit bieten herauszufinden, ob sie wirklich ihren "Traumberuf" gefunden haben, ob sie dem Streß des Schulalltags gewachsen sind, und wo sie in ihrem weiteren Studium Akzente setzen. Doch die Realisierung eines solchen Vorschlags dauert, denn die Einführung eines Praxissemesters beträfe alle Unis, an denen ein Lehramtsstudium angeboten wird, und dazu sind weitreichende Änderungen der Lehramtsprüfung notwendig. Für April hat Müller-Michaels die Zentren anderer Unis nach Bochum eingeladen, damit gemeinsam die bisher erarbeiteten Ergebnisse und Möglichkeiten diskutiert werden können. Daß sich etwas an der Lehrerausbildung verbessern muß, daß ist spätestens seit 1982 klar. Damals sollte Bochum, ebenso wie z.B. Bonn, im Rahmen des sog. Konzentrationserlasses die Lehrerausbildung verlieren. Dagegen wehrte sich sie RUB erfolgreich. Müller-Michaels und Bausch sind daher froh, daß Bochum die Teilnahme am Modellversuch genehmigt wurde. Durch das Zentrum ist - gerade angesichts der aktuellen Debatte um Stellenabbau - die Lehrerausbildung an der RUB auf lange Zeit gesichert. Müller-Michaels betont aber, daß trotz aller Kritik die Ausbildung, die die Lehrämtler/innen jetzt erhalten, "nicht schlecht ist, sondern nur anders." |
| Damit die Studierenden auch selber mitreden können, wünscht sich Bausch die Gründung einer Fachschaft Lehramtsstudiengänge, die gemeinsam mit dem AStA die spezifischen Belange und Wünsche dieser Studierenden vertritt. Außerdem möchte das Team des Zentrums zentrale Anlaufstelle für alle Lehrämtler/innen werden, wie es an anderen Unis, so in Paderborn, schon der Fall ist. Dort werden die Studierenden - in Koordination mit den Fachberatern - fachübergreifend betreut. Bis Ostern soll das Zentrum vom FNO in neue Räume unter der kleinen Mensa ziehen. |
| Sabine Raddatz |
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