| Fischteller ist die Bezeichnung für eine Gattung der antiken Keramik, die im ausgehenden 5., vor allem aber im 4. Jahrhundert v. Chr. zuerst in Attika, später in verschiedenen Landschaften Unteritaliens produziert wurde. Es handelt sich um flache Teller, deren Oberseite rotfigurige Bilder verschiedener Tiere des Meeres zeigt. Verständlich also, daß die moderne Archäologie diese Teller als Geschirr zum Auftragen und Vorsetzen von Fischspeisen interpretierte. Es ist aber auch eine andere, mehr in die Tiefe führende Deutung denkbar. Sie sieht diese Teller zwar ebenfalls im Zusammenhang mit dem abendlichen Symposion, bei dem vornehme Athener gemeinsam tafelten und tranken, leitet jedoch die Bemalung aus einer Verwendung ab, die nichts mit dem Verzehr von Speisen zu tun hat, vielmehr mit einem lustigen Unterhaltungsspiel zusammenhängt, bei dem die in Becken schwimmenden Teller durch "Weinschüsse" aus den Trinkschalen versenkt werden sollten. Im Wasser des Beckens wirken die Bilder der versunkenen Teller wie leibhaftige Fische. Erst diese Deutung macht die große Vielfalt von Meerestieren verständlich, vor allem aber, warum unter diesen mancherlei ungenießbare Tiere erscheinen. Die Bilder der Fischteller stellen eben keine Auswahl unter dem Gesichtspunkt der Eßbarkeit, sondern ein (fast) vollständiges Kompendium der Meeresfauna dar. Sie sind nichts anderes als ein erster Versuch, die rational begriffene und systematisierte Vielfalt der Meeresbewohner im Bilde festzuhalten; sie sind Reflexe der frühen naturkundlichen Forschung, zu der auch die Tierkunde des Aristoteles gehört. Zugleich ergibt sich, weil die Meeresfauna auch heute noch unverändert existiert, die einzigartige Möglichkeit, den Modus der bildlichen Umsetzung an den realen Vorbildern zu kontrollieren. | | Der aus der Sammlung Funcke stammende Pästanische Fischteller wurde zum Grundstein für eine bedeutende Fischtellersammlung, die die Sparkasse Bochum den Kunstsammlungen geschenkt hat. Keine andere Sammlung der Welt bietet eine ähnlich umfassende Übersicht dieses seltsamen Genres der griechischen Vasenkunst. |
| Nobert Kunisch |
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