| "Amerikanische Avantgarde der 50er und 60er Jahre" heißt die Ausstellung, die zur Zeit im GB/02 zu sehen ist. Zusammen mit dem Sammler Heimo Bachstein, der ein umfangreiches Filmwissenschaftliches Archiv besitzt, hat das Institut für Film- und Fernsehwissenschaft (FFW) Material zusammentragen können. Die Ausstellung, die begleitend zum gleichnamigen Seminar von Prof. Wolfgang Beilenhoff konzipiert und realisiert wurde, gewährt Einblick in den Produktionskontext von Avantgardefilmen. Zudem thematisiert sie die Rezeption der Bewegung und ihrer verschiedenen Ausläufer in der wissenschaftlichen Literatur sowie in der Zeitschrift Film Culture. | | RUBENS: Was hat dein Interesse am Film geweckt? |
| Bachstein: Film hat mich immer interessiert, zuerst als Abenteuer und Unterhaltung. Dann bekam ich zum Geburtstag ein Taschenbuch, Siegfried Kracauers "Von Caligari zu Hitler". Das Buch hat mich so fasziniert, daß ich über die Leute und die Filme, die da genannt wurden, mehr wissen wollte. |
| RUBENS: Bevorzugst du ein bestimmtes Genre oder eine Epoche? |
| Bachstein: Am Anfang habe ich den sowjetischen Film der 30er und 40er Jahre bevorzugt und kaufte mir während meines Studiums Mary Seaters Biographie "Eisenstein"; von da an konnte ich mich nicht mehr von Eisenstein trennen, habe alles gekauft und gesammelt, was es zu ihm gab. Zuerst nur Bücher - ich bekam auch aus der DDR einige geschenkt, die waren dann der Grundstock für meine Filmbibliothek. Es ist kein Archiv, weil ich die Sachen nicht so geordnet habe, daß ich sie nach Stichpunkten herausnehmen kann, sondern ich habe sie grob gerastert. |
| RUBENS: Wie kamst du mit der amerikanischen Avantgarde in Berührung? |
| Bachstein: 1971 habe ich meinen ersten Film gedreht. Paul Adams Sitney reiste mit einem Filmpaket durch Deutschland, und da wurden die wichtigsten Filmemacher vorgestellt. Ich habe mich natürlich für Filme von Andy Warhol interessiert, weil die ganz anders waren; sie sprengten die Sehgewohnheiten der damaligen Zeit. Z.B. "Sleep" ein Film über sechs Stunden und ohne Handlung im üblichen Sinne. Nur Personen, die eine Zigarre rauchten, schliefen oder eine Banane aßen. Das hat mich interessiert, ich lernte einige Leute kennen, bin mit den wichtigsten Filmemachern der USA in Kontakt gekommen: Stan Brakhage, Bruce Conner, Jonas Mekas. Adolfas Mekas, Jonas' Bruder, lernte ich in Mannheim auf dem Internationalen Filmfestival kennen, Mekas war dort Jurymitglied. |
| RUBENS: Bist du auch auf Festivals? |
| Bachstein: Seit 1967 bin ich jedes Jahr nach Mannheim gefahren und habe die ersten Jahre dort als Zuschauer verbracht, bis mich eines Tages der Leiter der Oberhausener Kurzfilmtage gebeten hat, Mitglied in der AG der Filmjournalisten zu werden, und da hatte ich die Möglichkeit, von dieser AG aus in Jurys berufen zu werden. |
| Das hat mir dann natürlich noch mehr Freude gemacht, weil man dann die Filme mit ganz anderen Augen gesehen hat. So habe ich auch sehr viele Leute kennengelernt, die wichtige Rollen im amerikanischen Avantgardefilm gespielt haben. |
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| Mit Bachstein sprachen Karin Woyke und Igor Ramet (beide FFW). |
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