| Ende November '98 war es in Düsseldorf erstmals zu bewundern: das am Astronomischen Institut der RUB entwickelte "Hexapod-Teleskop" (HPT). Das HPT zählt zu den "Weltweiten Projekten der EXPO 2000" und ist das einzige Hochschulprojekt aus NRW. Während der EXPO wird es (dezentral) auf dem Campus der RUB nahe dem Botanischen Garten zu besichtigen sein. Das HPT ist eine Synthese mehrerer neuartiger Komponenten, die im Teleskopbau bisher nicht eingesetzt wurden: | | Montierung: Anstelle der klassischen Zwei-Achsen-Montierung dienen beim HPT sechs verstellbare Beine (Hexapod) mit präzisen Spindeln dazu, das Teleskop auf das gewünschte Objekt zu richten und entsprechend der durch die Erdrotation verursachten Bewegung der Gestirne nachzuführen. Das Hexapod erlaubt komplizierteste Bewegungen. So können Schwingungen, wie sie beim Einsatz auf Stratosphärenballons, Flugzeugen und Satelliten auftreten, ebenso leicht kompensiert werden wie Bildfeldrotationen beim erdgebundenen Einsatz. Dank der Rotationsfähigkeit können auch Polarisationseigenschaften des Sternlichtes (d.h. winkelabhängige Intensitätsschwankungen) untersucht werden, was sonst nur mit komplizierten Zusatzgeräten möglich ist. |
| Hauptspiegel: Der Hauptspiegel ist als Hybrid-Struktur ausgeführt. Sie besteht aus einer Konstruktion aus kohlenstoffaserverstärktem Kunststoff und einer 55 mm dicken Platte. Ferner halten piezoelektrische (elektrisch durch Druck) keramische Positionierelemente den dünnen Hauptspiegel computergesteuert in der idealen Form. Gegenüber klassischen Konzepten, wo ein vergleichsweise dicker Spiegel in einer überwiegend geschlossenen Metallspiegelzelle von mehreren Tonnen untergebracht ist, ergeben sich zahlreiche Vorteile: (a) Das Gewicht wird deutlich gesenkt; das spart Kosten bei Luft- und Raumfahrtprojekten und schont die Umwelt. |
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| Genauester Teleskopspiegel weltweit |
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| (b) Durch die offene Struktur und die extrem kleinen Massen ist der Hauptspiegel in kürzester Zeit im thermischen Gleichgewicht mit seiner Umgebung, was sich in besserer und stabilerer Bildqualität ausdrückt. (c) Der HPT-Spiegel ist der erste Hauptspiegel, der aufgrund der festen Verbindung mit seinen 36 Unterstützungspunkten auf Druck und auf Zug reagiert und als Folge seiner großen Elastizität damit eine Konstanz der idealen, optischen Oberfläche gewährleistet; damit wird er zum genauesten Teleskopspiegel weltweit. |
| Sekundärspiegel: Bei herkömmlichen Teleskopen treten Verbiegungen der Teleskopstruktur auf, für deren Kompensation es bisher keine Lösung gibt. Beim HPT sorgt eine weitere rechnergesteuerte Hexapodhalterung dafür, daß sich auch der Sekundärspiegel unabhängig von der Teleskopposition immer in der optimalen Lage befindet. Bei geeignetem Standort mit stabilen atmosphärischen Bedingungen läßt sich daher mit dem HPT eine Bildschärfe erreichen, wie sie derzeit nur vom Weltraum aus möglich ist. |
| jk |
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