| Seit 1908 haben sich Frauen den Zugang zu deutschen Unis erobert. Dennoch spricht das Positionspapier der Arbeitsgemeinschaft Sozialdemokratischer Frauen (ASF), die sich im Juni zur Bundeskonferenz traf und jetzt ihren Bericht veröffentlichte, weiterhin von einer "Hochburg männlicher Dominanz". Obwohl die Zahl der Studentinnen seit der Jahrhundertwende kontinuierlich stieg und 1995 Frauen in Europa mit 52,2 % erstmals die Mehrheit der Studienanfänger/innen stellten, bildet Deutschland mit 77 Frauen zu 100 männlichen Studenten das Schlußlicht. So geht es dann weiter: Nur in Deutschland erwerben weniger Frauen (83:100) einen akademischen Abschluß, der europäische Durchschnitt liegt bei 110:100. | | Für die einzelnen Fächer stellt die ASF erhebliche Unterschiede fest: Zwei Drittel der Studentinnen wählen ein Fach aus den Sprach- und Geisteswissenschaften, am häufigsten Romanistik. Die wenigsten Frauen studieren Elektrotechnik (3 %). Immerhin stieg der Anteil der Studentinnen in Ingenieurwissenschaften allgemein seit 1980 von 9 auf 15 %. Zum Vergleich: An der RUB betrug der Anteil der Studentinnen in Geisteswissenschaften im Studienjahr 1997 48 %, in Sprachwissenschaften 64 % und in Ingenieurswissenschaften 11 %. |
| Bundesweit entschließen sich immer mehr Frauen zur Promotion. Auf die Stellenbesetzungen an den Hochschulen hatte das kontinuierlich qualifiziertere Potential von Frauen jedoch bislang keine Auswirkungen. Nach wie vor stagniert die Zahl der C 4-Professorinnen unter 5 %, hält der Bericht fest und setzt noch drauf, daß ihre Zahl in den 20er Jahren, als die ersten Professorinnen an die deutschen Unis kamen, kaum geringer war. |
| Der Wissenschaftsrat stellte 1995 fest, daß für den niedrigen Frauenanteil an Hochschulen die diskriminierenden Strukturen im Wissenschaftsbetrieb verantwortlich sind. Je mehr Frauen akademische Qualifikationen erlangen, desto deutlicher wirke sich die harte Männerkonkurrenz aus, die ihre informellen Netzwerke, strukturellen Barrieren und Vorurteile gegen weibliche Wissenschaftler verstärke. |
| Was Männer können, können Frauen auch, deshalb fordert die ASF den verstärkten Ausbau von Karriereberatungen für Frauen, Frauennetzwerke und ihre Verankerung in den Frauenförderplänen. Zudem sollen Frauen verstärkten Einfluß auf die Inhalte von Forschung und Lehre nehmen. Auch beim Umbau der Strukturen möchten Frauen mitgestalten. Gleichstellung, so fordert die ASF, muß in Zukunft ein relevantes Element von Hochschulsteuerung werden und verankert sein in moderner Organisations- und Personalentwicklung. |
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| Dokumentation der 13. ASF-Bundeskonferenz, hg. v. Frauenreferat d. SPD, Ollenhauerstr. 1, 53113 Bonn. |
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