| Sie kommen nicht auf leisen Sohlen daher, sonst hätten sie nicht so viel erreicht: seit dreieinhalb Jahren einen hellen, großen Raum im neuesten Gebäude der Uni, dem Forum Nordost (FNO), zudem rollstuhlgerecht; dazu eine gut dotierte Auszeichnung als Referenz. Aber zum Namen der Frauenleihbibliothek "Leihse" stehen sie, der sich aus "leihen" und dem leicht pädagogischen Bibliotheksvokativ "pscht, leise!" zusammensetzt und irgendwie auch an anheimelnden Ruhrgebietsdialekt erinnert. | |
| Lore-Agnes-Preis gewonnen |
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| Vor über 20 Jahren entstand das Frauenarchiv durch eine Raumbesetzung von Frauen und Lesben der autonomen Frauenbewegung, die mit den Lerninhalten an der männerdominierten Uni unzufrieden waren und einen eigenen Ort zum Forschen haben wollten. Danach bezogen sie offiziell einen kleinen Raum unten im HZO. Dort sammelten sie fleißig alles, was sie an Frauen- und Lesbenliteratur zwischen die Finger bekamen. Mittlerweile umfaßt der Bestand 4.600 Bücher und Broschüren sowie 200 Diplom- und Magisterarbeiten, die Frauen an der RUB zu allen sie interessierenden Themen schrieben. Hinzu kommen 27 Ordner mit Hausarbeiten und 100 prall gefüllte Zeitschriftenboxen. "Leihse" verlockt zum Eintauchen in wieder entdeckte Heilmethoden, informiert zu Politik oder Widerstand; seit einem Jahr gibt es das spanischsprachige Lateinamerikaarchiv. |
| "Seit den Anfängen hat sich vieles geändert", blickt eine der Archivmitarbeiterinnen, Petra Lehn, zurück. Nicht nur die Räume wurden größer und schöner, auch der Bestand erweiterte sich und steht nun ordentlich sortiert und handsigniert in langen Regalreihen. Seit einigen Jahren überweist auch der AStA einen regelmäßigen Festbetrag für Bücher und Aufwandsentschädigungen. "Dafür kaufen wir neue Bücher", freut sich Eva Hennemann, eine weitere der sechs Frauen vom Bibliothekskollektiv. Der im April '98 an die Bibliotheksfrauen verliehene Lore-Agnes-Preis "für hervorragendes Engagement für frauenfördernde Maßnahmen an der RUB" brachte "Leihse" - neben dem Renommee - das nötige Kleingeld, um mittels Werkverträgen die noch liegen gebliebenen Signierungen fertigzustellen. "Wir haben das erste Mal alle Bücher signiert", schauen die beiden Studentinnen zufrieden in die Runde, "und auch die Lehrkräfte zeigen Interesse, indem sie die Lernenden auf unsere Bibliothek aufmerksam machen", ergänzt Eva Hennemann. Jetzt fehlt für die weitere Arbeit nur noch ein PC mit einem modernen EDV-Bibliotheksprogramm. |
| Im Unterschied zur Bibliotheksschwester "auszeiten" in der Bochumer Josephinenstraße ist "Leihse" eine Leih- und keine Präsenzbibliothek. Sie steht allen Frauen offen, Bücher und Forschungsarbeiten können für vier Wochen ausgeliehen werden. Zuletzt noch ein "Leihse"Literatur-Tip : "Das fünfte Geheimnis von Starhawk - die Utopie einer gleichberechtigten Gesellschaft." Sonst leih' `se doch ma' aus! |
| tas |
| "Leihse" - Leihbücherei und Archiv für Frauen, FNO 15, Tel.: 700-2594, Öffz. bis 12.2.99: Mo 11-14, Di 13-18, Mi 10-13 h. |
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